HomeEXKLUSIVZu Besuch bei Rosengarten: Hinter den Kulissen eines Tierkrematoriums

Zu Besuch bei Rosengarten: Hinter den Kulissen eines Tierkrematoriums

Auch wenn wir es am liebsten ausblenden: Das Thema Tod betrifft uns alle irgendwann. Und auch von unseren geliebten Vierbeinern müssen wir uns irgendwann verabschieden. Doch was passiert dann mit unseren Weggefährten? Welche Möglichkeiten des Abschiedes gibt es? DeineTierwelt hat sich im Tierkrematorium von „Rosengarten-Tierbestattung“ hinter den Kulissen umgesehen.

Wer durch die Scheibe blickt, die den Aufbahrungsraum vom Kremierungsofen trennt, der sieht einen Regenbogen. Aufgezogen auf eine Fototapete wölbt er sich zwischen zwei Bäumen auf. Davor steht ein Tisch, auf dem die Körper verstorbener Haustiere aufgebahrt sind. Weiche roten Kissen, eine Rose daneben. Ein letzter friedlicher Anblick für Herrchen oder Frauchen.

Auf der anderen Seite der Scheibe kontrolliert ein Techniker die Abläufe. An den Wänden verlaufen Rohre, es ist heiß. Mitten im Raum steht der Ofen. Betriebstemperatur: 900 bis 1.100 Grad. „Die Einäscherung eines Hundes, der 25 Kilogramm wiegt, dauert circa eine bis anderthalb Stunden“, sagt Arndt Nietfeld, Geschäftsführer von „Rosengarten-Tierbestattung“, ein Familienunternehmen, das 2002 seine Eltern, Gisela und Wolfgang Nietfeld im ländlichen Badbergen bei Osnabrück gegründet haben. Mittlerweile gibt es „Rosengarten“-Filialen in ganz Deutschland.

Tierbestatterin: Trauernde brauchen Verständnis

„Früher war es ganz normal, dass zum Beispiel ein Hofhund nach seinem Tod in die Tierkörperbeseitigungsanlage gebracht wurde“, sagt Nietfeld. Das habe sich in den vergangenen Jahren geändert. „Der Hund, die Katze oder die Maus sind zum Familienmitglied geworden, wird mit den Kindern groß und wird geliebt. Da ist es ganz normal, dass man trauert, wenn man sein Tier verliert und sich einen würdevollen Abschied wünscht.“

Das sieht auch Sonja Hesselmann so. Die Tierbestatterin arbeitet seit elf Jahren für „Rosengarten“, als Gebietsleiterin ist sie vor allem in Nordrhein-Westfalen im Einsatz. „Unglücklicherweise haben nicht viele Menschen Verständnis dafür, dass man für ein verstorbenes Tier noch so viel möglich machen möchte“, sagt sie. „Dieses Verständnis, das bekommen die trauernden Menschen auf jeden Fall bei uns.“

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Und genau das strahlt das gesamte „Rosengarten“-Gelände in Badbergen aus. Draußen viel Grün, ein parkähnlicher Garten mit gepflegten Wegen und natürlich Rosen. Drinnen dominieren Rottöne und Holz. „Wenn Du gehst, wohin gehe ich dann?“, steht auf den Flyern, die im Empfangsbereich ausliegen.

Hier steht auch ein kleiner Schrein für Kater Danny. Ein Foto von ihm, eine Urne in Katzenform, eine gelbe Rose in einer Vase. Jahrelang gehörte die gestreifte Mieze zum Inventar, stromerte durch Garten und Verabschiedungsräume. „Danny ist uns zugelaufen und hat uns lange begleitet“, sagt Nietfeld. „Er war ein Seelentröster, der den trauernden Tierhaltern Gesellschaft geleistet hat.“

Im Tierkrematorium kommt es auf Präzision an

Hinter den Kulissen kommt es hingegen eher auf Präzision an. Eine Einfuhrmaschine schiebt die auf einer Edelstahlfläche aufgebahrten Tierkörper durch ein Portal in den Ofen – die Asche, hellgraue Flocken, wird in einer Metallwanne aufgefangen. Bei einem kleinen Hund zwischen drei und fünf Kilo Körpergewicht bleiben etwa 0,3 Liter Asche zurück, erklärt Tierbestatterin Hesselmann, bei einem Zehn-Kilo-Hund sind es ungefähr 0,8 Liter. Diese Asche wird nach der Einäscherung in einen Plastikbeutel gefüllt, verplombt und wieder mit dem jeweiligen Namensschild versehen, das zu Auftragsbeginn erstellt wurde.

Das Unternehmen bietet verschiedene Arten der Kremierung an. Bei einer Gemeinschaftskremierung werden die Körper mehrerer Haustiere zusammen in einem Ofen eingeäschert. Die Asche wird auf sogenannten Streubeeten auf dem Gelände der „Rosengarten“-Krematorien verstreut. Dort können Halter jederzeit ihrer Tiere gedenken.

Rosengarten Streubeet
Foto: Janina Cordes

Die andere Variante ist die Einzelkremierung. Dabei wird der Körper eines einzelnen Tieres alleine eingeäschert. Von der Abholung beim Besitzer oder beim Tierarzt bis zur Übergabe der Asche wird der Prozess genauestens überwacht. So stellt das Tierkrematorium sicher, dass ihre Kunden auch wirklich die Asche ihres Tieres bekommen.

Diese Arten der Einäscherung gibt es

Tierbestatterin Sonja Hesselmann

Und auch für die Aufbewahrung der Asche gibt es verschiedene Möglichkeiten: Viele Halter wünschen sich eine klassische Urne, die sie zuhause an einen besonderen Platz stellen, andere wollen die Asche im Garten begraben oder an einem bestimmten Ort verstreuen. Es gibt aber auch Unternehmen, die Schmuckstücke zur Aufbewahrung der Asche herstellen, Diamanten daraus pressen – oder sogar Seebestattungen anbieten. Auf einigen Friedhöfen in Deutschland können sich Halter sogar zusammen mit der Urne ihres Tieres bestatten lassen.

Die Trauer um ein Haustier, das im Laufe der Jahre zum Familienmitglied geworden ist, ist immer sehr individuell – da sind sich Nietfeld und Hesselmann einig. Als Tierbestatterin lernt Hesselmann trauernde Halter oft unmittelbar nach dem Tod des Tieres kennen. „Manche sind sehr verschlossen, andere haben großen Redebedarf, wieder andere sind wütend“, sagt sie.

Trauer ist sehr individuell

Für ihren Job sei vor allem eins wichtig: Verständnis. „Wir hören uns Geschichten über die verstorbenen Tiere an, oft sind es recht skurrile Geschichten, wie Halter und Tier zusammengefunden haben zum Beispiel“, so Hesselmann. „Und das müssen die Trauernden in dem Zusammenhang einfach mal loswerden.“ Dass sie im Arbeitsalltag so viel mit dem Tod konfrontiert ist, ist für Hesselmann kein Problem. „Jede Geschichte ist wichtig, jede Geschichte ist interessant“, sagt sie. „Manches berührt mich, aber es ist niemals eine Art Abstumpfung da gewesen – auf gar keinen Fall.“

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Auch Geschäftsführer Nietfeld hat für sich einen Umgang mit der allgegenwärtigen Trauer gefunden. „Ich war schon selbst in der Situation und weiß, wie wichtig es ist zu trauern“, sagt er. „Es ist einfach schön, zu wissen, dass die Menschen, die zu uns kommen, nach der Einäscherung mit einem guten Gefühl nach Hause gehen, zwar noch traurig sind, aber das Gefühl haben, dass sie für sich den richtigen Weg gewählt haben.“

  

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