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Was macht eigentlich die Tierschutzbeauftragte bei Deine Tierwelt?

Was tut Deine Tierwelt als Tiervermittlungsplattform für den Tierschutz? Um genau diesen voranzutreiben und in der Praxis umzusetzen, gibt es die Tierschutzbeauftragte Hanna Hindemith und ihr Team. Wir haben mit ihr über ihre Arbeit gesprochen.

Tierschutz ist für sie nicht nur ein Beruf, sondern Berufung. Zusammen mit ihrem Team mach sich Hanna Hindemith als Tierschutzbeauftragte bei Deine Tierwelt täglich für diejenigen stark, ohne die es die Plattform nicht gäbe und die sich selbst nicht für ihre Belange einsetzen können: die Tiere.

Wie genau ihre Arbeit aussieht, welche positiven Veränderungen sie bereits bewirken konnte, welche Herausforderung und Hürden ihr begegnen und welche Ziele sie noch verfolgt, erzählt Hanna im Interview.

Seit wann arbeitest Du bei Deine Tierwelt? Seit wann als Tierschutzbeauftragte?

Ich bin 2016 bei Deine Tierwelt im Content gestartet und schon damals lag mein Schwerpunkt auf Aufklärung und Tierschutz. Ich bin dann in Elternzeit gegangen und nun seit fast fünf Jahren offiziell Tierschutzbeauftragte. In dieser Rolle kann ich meine persönliche Leidenschaft für Tiere mit meiner beruflichen Aufgabe verbinden. Das macht meine Arbeit sehr besonders.

DTW-Tierschutzbeauftragte Hanna Hindemith mit Hündin Laika im Garten
Foto: privat

Warum ist das Thema Tierschutz so wichtig in Deinem Leben?

Tiere haben keine eigene Stimme und können nicht für sich selbst einstehen. Wir Menschen tragen deshalb die Verantwortung, ihre Interessen zu vertreten und ihnen ein schönes, leidfreies Leben zu ermöglichen – so, wie wir es uns auch für uns selbst wünschen.

Tiere sind keine Objekte oder Ware, sondern fühlende Lebewesen, die denselben Wert haben wie wir Menschen. Niemand hat das Recht, sie auszubeuten oder sich über sie zu stellen. Diese Welt gehört allen Lebewesen und nicht nur uns Menschen. Und schon gar nicht nur denen, die laut genug sind, um gehört zu werden. Tierschutz sollte eine Selbstverständlichkeit sein, egal in welchem Bereich.

Wann bist Du zum ersten Mal mit dem Tierschutz in Berührung gekommen?

Ich bin mit Tieren aufgewachsen und habe schon früh gelernt, wie wichtig ein respektvoller und verantwortungsvoller Umgang mit ihnen ist. Besonders prägend war für mich meine ältere Schwester: Sie hat Tiermedizin studiert und musste ein Pflichtpraktikum im Schlachthaus absolvieren. Ihre Berichte darüber haben mich wirklich zutiefst erschüttert. Das war für mich ein erster Schlüsselmoment, der mein Bewusstsein für Tierschutz massiv geschärft hat.

Ein weiterer Wendepunkt war meine Studienzeit, als wir ungeplant unsere American Staffordshire Terrier-Hündin von einem Bekannten übernommen haben. Mit ihr habe ich direkt erfahren, wie ungerecht und vorurteilsbelastet die sogenannten Listenhunde behandelt werden.

Diese Tiere werden oft pauschal als „gefährlich“ abgestempelt, obwohl ihr Verhalten in erster Linie von Haltung, Erziehung und sozialem Umfeld abhängt, so wie bei jedem anderen Hund auch. Wir mussten uns immer wieder gegen Anfeindungen wehren, allein wegen ihrer Rasse.

DTW-Tierschutzbeauftragte Hanna Hindemith und Hündin Mia
Foto: privat

Rasselisten stigmatisieren sowohl die Tiere als auch ihre Halterinnen und Halter und verhindern oft, dass tolle Hunde überhaupt eine Chance auf ein Zuhause bekommen. Für mich war das ein weiteres sehr eindrückliches Beispiel dafür, wie sehr Tiere unter menschlichen Vorurteilen und falschen Regelungen leiden und wie wichtig es ist, sich für sie starkzumachen.

Wie sieht ein klassischer Arbeitstag von Dir aus?

Mein Alltag ist sehr vielfältig, aber im Kern dreht er sich um Prüfungen: Ich kontrolliere Dokumente, Anzeigen und Meldungen zu auffälligen Inseraten. Diese Hinweise sind für uns extrem wertvoll, um Missstände aufzudecken.

Gleichzeitig entwickle ich Konzepte und Strategien, wie wir den Tierschutz auf unserer Plattform kontinuierlich stärken können. Hinzu kommt der enge Austausch mit Behörden, Organisationen und privaten Tierschützenden. Netzwerken ist ein zentraler Teil meiner Arbeit.

Was passiert mir gemeldeten Anzeigen?

Sobald bei uns eine Anzeige gemeldet wird, prüfen wir den Fall sorgfältig. Je nach Art der Meldung fordern wir zusätzliche Unterlagen und schauen uns alle relevanten Informationen genau an. Bis die Prüfung abgeschlossen ist, wird das Inserat zunächst pausiert.

Das dient nicht nur dem Schutz der Tiere, sondern auch dem Schutz seriöser Verkäufer und Verkäuferinnen, da Missverständnisse so geklärt werden können. Uns geht es nie darum, jemanden zu ärgern, sondern immer darum, die Tiere zu schützen und die Sicherheit auf unserer Plattform zu gewährleisten.

Wie geht das Tierschutz-Team mit gemeldeten Inserenten um?

Jeden Hinweis behandeln wir mit größter Sorgfalt und Sensibilität. Wenn ein Inserent gemeldet wird, setzen wir uns mit der Person in Verbindung, klären den Sachverhalt und fordern, falls nötig, Nachweise an. Unser Ziel ist immer, gemeinsam eine Lösung zu finden und sicherzustellen, dass keine Tiere zu Schaden kommen.

Bei klaren Verstößen beenden wir die Zusammenarbeit mit Inserierenden aber auch konsequent. Aufklärung ist uns dabei besonders wichtig. Wir erklären ausführlich, weshalb beispielsweise Qualzuchten problematisch sind.

Es geht uns nie darum, jemanden bloßzustellen, sondern darum, Bewusstsein zu schaffen, damit langfristig mehr Tiere gesund und glücklich leben können. Tierwohl hat für uns immer oberste Priorität, gleichzeitig handeln wir konsequent, wenn Verstöße festgestellt werden.

Wie genau sieht Eure Zusammenarbeit mit den Veterinärämtern und der Polizei aus?

Wir arbeiten eng mit den zuständigen Behörden zusammen. Wenn uns Verdachtsfälle gemeldet werden oder wir Auffälligkeiten feststellen, geben wir den Melderinnen und Meldern auch immer den Tipp mit auf den Weg, wie sie sich bei einem Verdacht der Tierwohlgefährdung an das zuständige Veterinäramt wenden können.

Auf schriftliche Anfrage einer Behörde sind wir außerdem gesetzlich dazu verpflichtet, uns vorliegende Daten an diese herauszugeben. Diese Anfragen beantwortet wir grundsätzlich mit hoher Priorität, um Ermittlungen zu unterstützen und somit dazu beizutragen, dass Tieren in Not schnell geholfen werden kann.

Gleichzeitig gilt: Wenn uns klare Beweise für Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vorliegen, müssen und werden wir diese melden. Das sind wir den Tieren schuldig. Unsere Zusammenarbeit mit den Behörden ist immer professionell und auf das Wohl der Tiere ausgerichtet.

Welche Verbesserungen für den Tierschutz konntest Du bei Deine Tierwelt schon mit umsetzen?

Wir haben in den letzten Jahren deutliche Schritte gemacht. So haben wir den Verkauf bestimmter Rassen beziehungsweise Merkmale, die klar als Qualzucht einzustufen sind, auf unserer Plattform untersagt. Außerdem haben wir die Prüfprozesse verschärft, um illegalen Welpenhändlern keinen Raum zu geben.

Tierschutz Zeitstrahl Qualzuchtverbote
Grafik: Deine Tierwelt

Plant Ihr, noch mehr Qualzuchten zu verbieten?

Wir arbeiten eng mit Expertinnen und Experten aus Tiermedizin, Zuchtverbänden und Tierschutz zusammen, um zu prüfen, welche Maßnahmen sinnvoll, realistisch und vor allem dem Tierwohl dienlich sind. Wenn wir uns für ein Verbot entscheiden, basiert dies auf wissenschaftlichen Fakten und nicht auf subjektiven Meinungen.

Hier sehen wir auch klar die Politik in der Verantwortung, gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Es bringt nichts, alles zu verbieten, wenn die Tiere dann einfach weiter gezüchtet und woanders angeboten werden – das würde dem Wohl der Tiere nicht helfen. Unser Ziel ist es, langfristig gesunde und glückliche Tiere zu sichern und über problematische Zuchtpraktiken aufzuklären.

Wie hat sich dieser Unternehmensbereich in den vergangenen Jahren verändert?

Tierschutz ist kein Randthema, sondern fest in unserer Arbeit verankert. Genau deswegen wurde auch meine Position geschaffen. Ich hab mittlerweile auch ein eigenes Team von tollen Mitarbeiterinnen, die den Tierschutz unterstützen.

Begegnet Dir manchmal Kritik?

Ja, das kommt immer mal vor, meist von Menschen, die sich noch nicht intensiver mit unserer Arbeit auseinandergesetzt haben. Sobald ich ins Gespräch gehe, höre ich oft: „Ich wusste gar nicht, dass Deine Tierwelt so viel für den Tierschutz macht.“

Kritik gibt es an verschiedenen Stellen: von Menschen, die sich über bestimmte Prüfprozesse wundern, von denen, die finden, wir könnten noch schneller handeln, oder von solchen, die unsere Entscheidungen zu Rasseverboten oder Inseratsprüfungen nicht nachvollziehen.

Ich versuche in solchen Momenten, sachlich zu bleiben, zu erklären, wie unsere Abläufe funktionieren und welche Einschränkungen und rechtlichen Vorgaben wir haben.

Anzeigenprüfung Tiermarkt
Grafik: Deine Tierwelt

Natürlich können wir nicht alle Probleme auf einmal lösen. Aber es ist wichtig, dass die Menschen verstehen, dass Tierschutz nicht nur Aufgabe von Plattformen oder Organisationen ist, sondern dass jeder Einzelne Verantwortung trägt.

Jede kleine Handlung zählt, sei es die Entscheidung, einen Hund nicht aus fragwürdiger Zucht zu kaufen, eine Anzeige zu melden oder sich zu informieren. Kritik nehme ich ernst und sie motiviert mich gleichzeitig, unsere Arbeit noch transparenter und wirksamer zu gestalten.

Arbeitest Du daran, Dich selbst abzuschaffen?

Im Prinzip ja. (lacht) Ich wäre die Erste, die sich freuen würde, wenn es keinen Tierschutz im klassischen Sinne mehr bräuchte. Realistisch gesehen ist das leider utopisch, aber mein Ziel ist es, dass meine Arbeit irgendwann präventiv ansetzt. Also bevor Tiere überhaupt in Not geraten.

Was sind klassische Tierschutz-Bereiche, in denen den meisten Wissen fehlt?

In meinen Schwerpunkten, illegaler Welpenhandel und Qualzucht, sehe ich ehrlich gesagt nicht, dass fehlendes Wissen das Kernproblem ist. Die meisten Menschen wissen heute, dass Möpse oder Englische Bulldoggen gesundheitlich stark belastet sind. Trotzdem werden diese Tiere weiterhin gekauft – oft, weil persönliches Interesse über das Wohl des Tieres gestellt wird, das Leid verdrängt oder sogar als „süß“ oder „normal“ wahrgenommen wird.

Französische Bulldogge beim Tierarzt
Foto: pexels.com/JUAN FIGUEROA (Symbolfoto)

Brachyzephale Rassen wie Möpse schlafen nicht im Sitzen oder schnarchen laut, weil das normal oder gar niedlich ist: Sie bekommen keine Luft und haben durchgängig das Gefühl, zu ersticken. Sie leiden ihr Leben lang unter Todesangst.

Da fehlt es mir in Anbetracht dieses extremen Leids bei den Züchterinnen und Züchtern und Käuferinnen und Käufern mittlerweile wirklich an Verständnis. Wir sprechen hier von kalkuliertem Tierleid: Diese Merkmale werden bei Tieren gezielt angezüchtet, um das Kindchenschema zu bedienen.

Aber hier stößt Aufklärung allein meiner Meinung nach an ihre Grenzen. Dieser Markt wird so lange bestehen, wie Nachfrage, Gewinnstreben und Eitelkeit ihn antreiben. Umso wichtiger ist es, endlich klare gesetzliche Regelungen zu schaffen: Verbote und Strafen, die Qualzuchten konsequent für Anbietende wie auch die Käuferschaft unterbinden.

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Gibt es Momente, in denen Du verzweifelst?

Es gibt öfter mal Momente der Verzweiflung, weil ich täglich mit viel Leid konfrontiert bin und man die Bilder und das Wissen darum mit in den Feierabend nimmt. Gerade wenn man das Gefühl hat, dass all die Arbeit nicht schnell genug oder ausreichend greift. Wichtig ist für mich, bewusst Auszeiten zu nehmen, um Kraft zu tanken.

verkoteter Hund aus dem illegalen Welpenhandel
Foto: Stefan Klippstein

Was motiviert Dich in Deiner Arbeit?

Motiviert werde ich von Fortschritten – egal, ob groß oder klein. Jedes Tier, dem geholfen werden konnte, zählt. Außerdem gibt mir der enge Austausch mit meinem Team und auch mit anderen Tierschützenden Kraft. Und auch das Wissen, dass zwar nicht immer alle Ideen oder Konzepte aus verschiedensten Gründen sofort umgesetzt werden können, aber immer weiter daran gearbeitet und nach Lösungen gesucht wird.

Mit welchen Partnern hast Du als Tierschutzbeauftragte regelmäßig zu tun?

Ich arbeite eng mit Veterinärämtern zusammen, aber auch mit Tierschutzorganisationen wie „Vier Pfoten“, „Peta“, dem „IFAW“ oder „Pro Wildlife“. Zusätzlich bin ich mit vielen einzelnen Tierschützenden im Austausch. Mir ist es wichtig, dieses Netzwerk ständig zu erweitern, denn nur wenn wir zusammen arbeiten, können wir wirklich etwas bewegen.

Was wünschst Du Dir in Deutschland für die sichere Tiervermittlung?

Im Heimtierbereich ist für mich die Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht mit einer zentralen Heimtierdatenbank ein absolutes Muss. Nur so können Herkunft und Wege von Tieren lückenlos nachvollzogen und von uns auch kontrolliert werden. Ebenso brauchen wir klare gesetzliche Vorgaben gegen Qualzuchten sowie eine deutlich strengere Ahndung von Verstößen gegen das Tierschutzgesetz.

Deine Tierwelt Online-Ient-Verfahren
Grafik: Deine Tierwelt

Darüber hinaus wünsche ich mir einheitliche Richtlinien für alle Plattformen. Wir bei Deine Tierwelt haben bereits 2021 eine Identitätsverifizierungspflicht eingeführt – ein Schritt, der aus meiner Sicht verbindlich für alle Online-Plattformen, aber auch dringend für Social-Media-Plattformen notwendig wäre.

Denn der illegale Handel verschiebt sich zunehmend in die sozialen Medien, wo kaum noch nachvollziehbar ist, wer Tiere anbietet und welche Strukturen dahinterstehen. Im Wildtierhandel ist das seit Jahren ein massives Problem und im Heimtierbereich ist es leider auch längst Realität.

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Foto: AdobeStock/Monkey Business (Symbolfoto)

Außerdem müssen wir unbedingt die Tierheime stärken. Sie tragen die Hauptlast, wenn Tiere abgegeben, ausgesetzt oder aus schlechten Haltungen gerettet werden. Ohne ihre Arbeit würde unser gesamtes Tierschutzsystem zusammenbrechen und dennoch kämpfen sie seit Jahren mit chronischer Überlastung und Unterfinanzierung.

Und was wünscht Du Dir für den Tierschutz in Deutschland?

Für die landwirtschaftlich gehaltenen Tiere und Wildtiere wünsche ich mir ebenfalls wesentlich mehr Schutz, auch wenn mein persönlicher, vielleicht utopischer Wunsch wäre, dass sie überhaupt nicht mehr ausgebeutet werden.

DTW-Tierschutzbeauftragte Hanna Hindemith mit Hündin Laika
Foto: privat

Am Ende geht es doch einfach darum, Tieren mit Respekt zu begegnen und ihnen ein Leben voller Fürsorge und ohne Leid zu ermöglichen. Das sollte für uns alle selbstverständlich sein. Ich glaube fest daran, dass wir gemeinsam viel bewegen können.

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