Wenn der Hund vor Schmerzen schreit

Der langgezogene, schrille Schmerzensschrei, den die 60 Kilo-Landseer-Hündin Fritzi von sich gab, als sie das erste Mal ihre Spondylose zu spüren bekam, ging der ganzen Familie durch Mark und Bein. Hilflos steht man daneben. Natürlich war es ein Sonntag und der Tierarzt meinte nur „Kommen Sie morgen früh vorbei.“ Doch davor stand eine Nacht, in der Hund und Herrchen kein Auge schließen konnten. Der Hund nicht, weil er mit um Hilfe flehenden Augen vor dem Bett seines Herrchens stand und es nicht wagte, sich hinzulegen. Das Herrchen nicht, weil er mit seiner Hündin litt und sämtliche Möglichkeiten durchging, was dem armen Tier fehlen könnte. Ist es nur eine gezerrte Sehne oder ein verknackster Fuß? Oder hat das arme Hundemädel eine Hüftdysplasie oder gar Arthrose?
Der nächste Morgen brachte Klarheit. Der Tierarzt machte Röntgenaufnahmen und erklärte die Bilder. Er habe eine gute und eine schlechte Nachricht, sagte er. Lieber zuerst die schlechte Nachricht: Der Hund hat Spondylose und die ist nicht heilbar. Die gute Nachricht: Auch mit Spondylose kann er alt werden.
Spondylose? Noch nie gehört.
„Spondylose ist eine degenerative Erkrankung des Skeletts. Spondylose führt im Wirbelsäulenbereich des Hundes zu einer knöchernen Zubildungen der Wirbelzwischenräume und so zu einer Versteifung der Wirbelsäule“, erklärte der Tierarzt.
Als er den ängstlich fragenden Blick des Hundebesitzers sah, führte er es näher aus: Nicht überall sei die Wirbelsäule gleich biegsam. Während sie im Hals- und Lendenbereich äußerst beweglich ist, seien Brust- und Kreuzwirbel eher starr. Die Übergänge vom beweglich zum starren Abschnitt stellen die Schwachstellen der Wirbelsäule dar. Der letzte Wirbel bzw. die letzte Bandscheibe des beweglichen Abschnitts könne, wenn die elastischen Elemente (der gallertartige Kern) verschlissen seien, eine Bewegung nicht mehr einfach weitergeben. Stattdessen müsste sie sie abpuffern, da der starre Teil die Bewegung nicht mehr mitmacht. An diesen Stellen entstünden in der Regel die ersten sogenannten Spondylophyten. Der Körper produziert knöcherne Zacken um den Druck von den Bandscheiben zu nehmen und die Schwachstellen zu „stabilisieren“.
Ursachen für Spondylose: Wie kommt es dazu?
Diese Diagnose macht wohl jeden Hundebesitzer betroffen. „Warum hat es ausgerechnet meinen Hund erwischt?“, ist wohl eine der ersten Fragen, die man sich stellt. Für die Spondylose gibt es drei Ursachen: Bei manchen Tieren, besonders bei Boxern, tritt dieser Verschleiß aufgrund schlechter Stützgewebestrukturen schneller und bei geringerer Belastung auf, als bei anderen Hunderassen. Zu frühe oder zu hohe Belastung eines Hundes sowie Übergewicht können ebenso zu vorzeitigem Verschleiß führen. Oder aber ein Hund ist von sich aus bereit, sich ständig zu verausgaben. Auch dann kann es zu Spondylos kommen.
Auswirkungen der Spondylose und Therapiemöglichkeiten
Die arme Fritzi. Wie sollte es nun weitergehen? Wie könnte man ihr helfen?
„So schlimm schaut es noch nicht aus“, beschwichtigte der Tierarzt und sagte, selbst mit massiver Spondylose könnten die meisten Hunde gut leben. Schwere Symptome wie ein Bandscheibenvorfall würden nur selten auftreten.
Allerdings könne der Hund starke Schmerzen haben, vor allem wenn durch unvorsichtige Bewegungen die Verknöcherungen aufbrechen und dadurch langwierige Entzündungen entstehen. Im schlimmsten Fall könnte eine stark ausgeprägte Spondylose Nerven einklemmen und so sogar zu Lähmungen führen. „Aber selbst wenn dieser Fall eintreten sollte, kann man etwas tun“, tröstete der Tierarzt. Eine raumerweiternde Operation, eine sogenannte Hemilaminektomie, könne davor bewahren, dass andere empfindliche Organe wie etwa das Rückenmark durch die Spondylose geschädigt würden.
Vorerst aber verschrieb der Tierarzt gegen die Schmerzen entzündungshemmende Medikamente und gab den dringenden Rat mit auf den Weg, dass der Hund geschont werden müsste. Sprünge, Treppensteigen, hohe Böschungen und Spiele, bei denen der Hund abrupt abbremsen muss oder schnell starten, sollten für immer vermieden werden. Glücklicherweise war Landseer-Hündin Fritzi schon fünf Jahre alt und auf Spiele nicht mehr ganz so versessen, wie ein Welpe. „Wenn sie gern schwimmt, lassen Sie sie. Das tut ihr gut“, fügte der Tierarzt noch hinzu. Immerhin ein Lichtblick.
Fritzis Leben mit Spondylose

Dieser Besuch beim Tierarzt ist jetzt schon ein halbes Jahr her. Fritzi macht täglich einen Spaziergang, wobei sie aber vorsichtshalber an der Flexileine bleibt, um sie gar nicht erst in Versuchung zu bringen, einem Hasen nachzujagen. Die Landseer-Hündin ist bester Dinge und freut sich ihres Lebens, auch wenn sie manchmal sehr steif aufsteht und die Hinterhand zittert. Wenn es zu schlimm wird, und sie beim Ablegen jammert, kriegt sie ihre Medizin. Außerdem versucht ihr Herrchen die elastischen Eigenschaften der verbliebenen Bandscheiben mit einem Ergänzungsfuttermittel zu unterstützen. Dafür nutzt er Futter, dass Muschelextrakt enthält. In ein paar Jahren müssen wieder Röntgenaufnahmen gemacht werden, um zu sehen, wie sich die Spondylose entwickelt hat. Aber bis dahin sieht es für die Landseer-Dame gut aus.
Die Zeit zum Treppensteigen, ins Auto hüpfen oder Herumtollen ist zwar vorüber, aber mit einigen Hilfsmitteln und etwas Kreativität kann Fritzi noch immer ihr Hundeleben genießen. Beispielsweise hilft ihr nun eine Hunderampe beim Einsteigen ins Auto oder bei den Treppen – und statt herumzutollen wird die Hündin geistig gefördert mit kleinen Suchspielen oder Aufgaben, die nicht bewegungsintensiv sind.
Und um trotzdem fit zu bleiben und die restliche Muskulatur der Wirbelsäule zu stärken, geht es an warmen Tagen zum See – so hat auch ein Hund mit Spondylose allen Grund noch mit dem Schwanz zu wedeln.
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Schwere und schmerzhafte spondylose beim Labrador. Er will nicht oder nur unter schmerzen aufstehen. Bekommt provicox Vitamin B und gabapentin. Was gibt es noch gegen die schmerzen. Was soll ich tun. Darf er Treppen laufen?
Hallo Sissi,
wir hatten jahrelang eine erkrankte Dalamtiner Hündin, bei der relativ früh Spondylose diagnostiziert wurde. Die Spondylose verschlimmerte sich schubweise über die Jahre und wurde mit Medikamenten durch unseren Tierarzt behandelt. Sie musste täglich eine Tablette nehmen, welche ihr die Schmerzen nahmen. So konnten sie bis zum Schluss noch laufen und kurze Strecken Gassi gehen. Treppen haben wir gemieden oder wir haben unsere Hündin die Treppe hochgetragen.
Auch Sprünge (z.B. aus dem Auto) haben wir unterbunden.
Ich rate dringend das Ganze mit einem Tierarzt zu besprechen und einen Futter-/Behandlungsplan erstellen zu lassen, damit der Hund nicht leiden muss.
Alles Gute!