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Warum wir alberne Spitznamen für unsere Hunde haben

Von „Flauschi“ über „Pupsi“ bis „Sir Wuffington“ – Deine Tierwelt verrät, warum wir Spitznamen für unsere Hunde benutzen und was das über unsere Beziehung zu den Tieren verrät.

Ähnlich wie wir unseren menschlichen Partner überwiegend mit einem Kosewort wie „Schatz“, „Sweet Heart“, „Mausebär“ oder „Liebling“ anreden, haben wir auch Spitznamen für Hunde. „Sir Wuffington“, „Ella-Bella“, „Wauzbert“, „Flauschiwuff“, „Fluffy Mac Snuff“, „Sabberprinz“, „Mary Puppins“, „Sherlock Bones“, „Schnuckiputz“ oder „Knutschkugel“ – der Fantasie an süßen Kosenamen für die Vierbeiner sind kaum Grenzen gesetzt.

Doch warum reden wir unsere tierischen Freunde meistens völlig anders an als mit dem Namen, der in der Tierarztakte vermerkt ist? Durch die Domestizierung und den damit verbundenen Einzug in unsere vier Wände hat sich auch unsere Sprache und unsere Tonalität verändert, in der wir über und mit unseren tierischen Mitbewohnern reden.

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Spitznamen für Hunde sind Form unseres „Sprach-Spiels“

Forschungen zeigen, dass Spitznamen ein Ausdruck von Zuneigung sind und soziale Bindung festigen. Das gilt für unsere Beziehungen zu Menschen – und auch zu Hunden. Laut Cynthia Gordon, Professorin für Soziolinguistik an der Georgtown University lässt sich die Namensgebung bei Hunden auch als eine Form der spielerischen Kreativität verstehen.

Die Professorin sagt gegenüber „National Geographic“: „Spielen fördert Solidarität. Und das Spielen mit Hundenamen ist eine Möglichkeit, unsere Vierbeiner in das Gefühl von Gemeinschaft und Freude einzubeziehen.“

Die Linguistin weiß, wovon sie spricht. Denn bei ihrer eigenen Fellnase Archie entwickelte sich der Spitzname über viele Varianten hinweg. Von „Dogface“ über „Dogus Maximoose“ bis hin zu „Señor Snoofioso“.

Betonung ist wichtiger als der Spitzname selbst

In den meisten Fällen zeigen Spitznamen bei den Hunden zwar kaum eine Auswirkung auf ihr Verhalten, die Fellnasen reagieren dennoch auf die Art, wie wir sie ansprechen. Cynthia Gordon sagt: „Sie orientieren sich stark an paralinguistischen Signalen. Also an Tonfall, Rhythmus und Melodie. Nicht so sehr am eigentlichen Wortlaut.“

Auch neurobiologische Erkenntnisse stützen das. Menschen neigen dazu, beim Sprechen mit Tieren ihre Stimme langsamer, höher und übertriebener einzusetzen. Das entspricht der langsameren „Delta-Band-Kommunikation“, die Hunde besonders gut aufnehmen. Daher entfaltet ein freudiges „Snoofioso“ oft mehr Wirkung als ein nüchternes „Snoof“.

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Spitznamen zeigen die „Lust am sprachlichen Experimentieren“

Bereits 1999 zeigte eine Studie, dass Spitznamen – nicht nur für Hunde – oft von der „Lust am sprachlichen Experimentieren getragen sind“. Sei es durch das Erfinden neuer Worte, das Spiel mit Klangmustern oder das Ausprobieren von Rhythmen. Besonders beliebt waren dabei Alliterationen, Reime oder „Assonanzen“, also Lautfolgen, die nahe beieinander liegen. Wie zum Beispiel „Snoofo-Poofi“, „Mimi-Mausi“ oder „Donut-Dackel“.

Doch typische Spitznamen für Hunde beschränken sich nicht nur auf den Klang. Sie spielen ebenso mit Bedeutungen, etwa durch Wortspiele oder durch überraschende Kombinationen von Begriffen, beispielsweise „Schnitzelwolf“, „Käsebello“ oder „Wurstprinz“

Obwohl Spitznamen und Koseworte sehr individuell wirken, deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass wir Menschen unbewusst bestimmten Regeln folgen. Die Forscher stellten fest, dass viele dieser Regeln an Kinderreime, Babysprache oder Sprach-Spiele aus der Kindheit erinnern. Damit knüpfen Spitznamen an eine Zeit an, in der Sprache vor allem Freude bereitete.

Weiterhin spielt Humor bei der Entstehung von Spitznamen eine zentrale Rolle. Oft kindlicher Humor, der Freude an Albernem und „Pupskram“ hat. Nancy Bell, Professorin für Linguistik an der Washington State University, nennt das Beispiel ihrer Hündin Tinker Bell.

Im Laufe der Jahre hat sich der Spitzname von „Tink“ zu „Tinker“, dann zu „Tinker Doodle“ bis hin zu „Stinker Doodle“ geändert. Dieser Spitzname ist für einen „Millionen Jahre alten Hund wirklich offensichtlich“, bestätigt die Professorin schmunzelnd.

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Jede Sprache hat eigene Spitznamen-Formeln

Im Italienischen lässt sich mit Suffixen, also angehängten Silben wie –ino, –etto oder –uccio, spielerisch Kleinheit oder Zuneigung ausdrücken. Zum Beispiel „Lupino“ (kleines Wölfchen), „Amoretto“ (kleiner Liebling) oder „Tesuoccio“ (kleiner Schatz)

Eine aktuelle Studie zeigt, dass italienische Tierhalter solche Verkleinerungsformenn sehr häufig verwenden. Elisa Matiello, Sprachprofessorin an der Universität Pisa, erklärt: „Das Italienische bietet eine Vielzahl eingebauter, niedlicher Modifikationen, mit denen sich leicht liebevolle Varianten bilden lassen“. Die Professorin ergänzt: „Das könnte auch erklären, warum italienische Kosenamen strukturierter und weniger zufällig wirken.“

Ganz anders im Englischen. Laut der Professorin wirken englische Spitznamen für Hunde oft willkürlich. Kein Wunder, beschränken sich Verniedlichungen im Englischen zumeist auf Endungen wie -y oder –ie. Daher müssen „Englischsprachige andere kreative Wege finden, um Zuneigung sprachlich zu vermitteln“, so die Sprach-Forscherin.

Auch die deutsche Sprache hat ein ziemlich klares System für Zuneigung oder Verniedlichungsformen. Sehr verbreitet und typisch für die hochdeutsche Sprache sind die Endung -chen wie bei „Schnuckelchen“ oder „Mäuschen“ oder -lein wie „Herzilein“ oder „Schätzlein“.

Kleiner braun-weißer Hund mit Schlappohren liegt auf dem Boden und schaut nach oben
Foto: unsplash.com/Jude Wilson (Symbolbild)

Spitznamen sind Teil der Familien-Sprache geworden

Lange Zeit hatten Tiere ausschließlich einen funktionalen Zweck, der sich auch in ihrem Namen widerspiegelte. Hunde hießen nach ihren Aufgaben als Wächter, Jäger oder Hütehund. Katzen erhielten höchstens Namen wie „Miau“.

Mit der Urbanisierung im 19. Jahrhundert zogen die Tiere zunehmend mit ins Haus. Kleinere Rassen wurden entsprechend den neuen Bedürfnissen ihrer Besitzer gezüchtet. Die Tiere wurden zu Familienmitgliedern. Analog haben sich in den letzten Jahrzehnten verspielte Spitznamen nicht nur für Hunde, sondern auch für Katzen entwickelt.

Linguisten wie Cynthia Gordon sehen darin ein Spiegelbild familiärer Sprachmuster. Damit sind „Insider“-Worte und Wortkreationen gemeint, die zum festen Familien-Jargon gehören und für Außenstehende kaum verständlich sind. Oft entstehen diese aus kindlichen Versprechern, wie zum Beispiel „Olympilade“ anstatt „Olympia“.

Auch die Professorin Suzanne Degges-White weiß, dass Sprache zeigen kann, wie vertraut wir mit jemandem sind. „Wenn Paare enger werden und ihre Beziehungen wachsen, steigt die Verwendung von persönlichen Phrasen und Insider-Witzen“, schreibt sie in „Psychology Today“. „Tatsächlich zeigt die Forschung, dass die Verwendung von persönlichen Phrasen ein Ausdruck von Solidarität in einer Beziehung ist.“

„Dass der Hund als vollwertiges Familienmitglied in unsere Häuser eingezogen ist (…), hat es natürlich erleichtert, ihn nach denselben Mustern zu benennen, wie wir unsere Kinder benennen“, schreibt Katharina Leibring von der Universität Uppsala.

Der Unterschied? Kinder können sich irgendwann gegen peinliche Spitznamen wehren – Hunde nicht. Dadurch könnten wir bei ihren Namenskreationen noch mehr übertreiben, erklärt sie gegenüber „National Geographic“.

Fazit: Spitznamen für Hund

Spitznamen für Hunde (und auch für die anderen tierischen Mitbewohner) sind meistens individuell. Sie sind ein Ausdruck von Liebe, Nähe, Humor und sozialem Miteinander. Sie machen das Zusammenleben mit unseren tierischen Freunden ein bisschen bunter und lustiger.

Spitznamen und Koseworte sind daher nicht nur niedlich, sie sind auch ein sprachlicher Indikator dafür, welche Worte und welche Tonalität wir benutzen, um mit unseren zwei- und vierbeinigen Familienmitgliedern zu sprechen.

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