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Warum werden Hunde so gerne am Bauch gekrault?

Hundebesitzer kennen es: Ihr Liebling auf vier Pfoten dreht sich plötzlich auf den Rücken und will nur eins – gekrault werden. Und zwar am Bauch. Doch warum werden Hunde dort so gerne gestreichelt? Und mag es wirklich jeder Hund? Hier die Antworten…

Was denken Hunde? Zu diesem Thema gibt es bereits jede Menge Studien. Aber: Es gibt noch keine Untersuchungen, die erklären, warum Hunde so gerne am Bauch gekrault werden. Dennoch haben sich bereits viele Experten mit dieser Frage beschäftigt.

Zu ihnen gehört auch Dr. Stanley Coren. Der Psychologie-Professor der University of British Columbia liebt Hunde und hat sich jahrelang mit der Beziehung zwischen Mensch und Hund beschäftigt. „Für manche Hunde ist das Kraulen am Bauch einfach eine Variante des Streichelns“, ist er überzeugt. „Es ist eine Form des sozialen Kontakts. Das Fell am Bauch ist in der Regel weniger dicht und weicher, so dass das Gefühl, berührt zu werden, weniger gedämpft ist.“

Hunde ziehen Berührungen einem Leckerli vor

Und diese Berührungen ziehen einige Hunde sogar einem Leckerli oder Spielzeug vor. Das zeigt eine Forschungsstudie, die die Vorlieben von Hunden untersucht. Die Wissenschaftler platzieren die Hunde in einem Y-förmigen Labyrinth und beobachtet, welchen Arm des Y sie wählten. An dem einen Ende wartet Futter auf die Tiere, an dem anderen Ende ihr Besitzer, der sie lobt und streichelt. Ergebnis: Die meisten Hunde ziehen den Kontakt zu ihrem Besitzer dem Futter vor.

Hund liebt Streicheln am Bauch
Foto: pexels.com/Zen Chung

Das heißt: Ein Lob oder eine Streicheleinheit sind für die meisten Hunde das Allerschönste. Und wenn sich Hunde auf den Rücken drehen und am Bauch gestreichelt werden möchten – dann kann eigentlich kein Hundebesitzer Nein sagen. Dabei drehen sich Hunde nicht nur für Streicheleinheiten auf den Rücken. „Wenn es im Sommer heiß ist, rollen sich Hunde oft auf den Rücken, um ihren Bauch freizulegen. Denn dort ist das Fell dünner und so können sie etwas Wärme ableiten und sich abkühlen“, erklärt Dr. Cohen.

Bauch kraulen gibt ein Gefühl der Geborgenheit

Der Experte kennt auch noch andere Gründe: „Erwachsene Hunde rollen sich auf den Rücken, um Welpen zum Spielen einzuladen. Und Hunde rollen sich bei Artgenossen auf den Rücken als Signal zur Unterwerfung, wenn sie Angst haben oder bedroht werden.“ Und bei uns Menschen drehen sie sich eben auch auf den Rücken, damit wir ihren Bauch streicheln. Auch dafür gibt es mehrere Gründe:

Am Bauch fühlen sich Hunde oft besonders warm an.
Foto: unsplash.com/Lucian Dachman (Symbolfoto)
  • Das Kraulen ist eine sanfte Massage.
  • Beim Streicheln setzt der Hundekörper Glückshormone frei.
  • Es ist ein Zeichen, dass der Hund seinem Menschen vertraut.

Und: Das Streicheln des Bauches stärkt die Bindung zwischen Mensch und Hund. Denn es erinnert die Hunde daran, wie sie als Welpen von ihrer Mutter gepflegt wurden. Heißt: Das Kraulen des Bauches bedeutet für sie Fürsorge und gibt ihnen ein Gefühl der Sicherheit, erklärt Daniel Neale, ein in New York ansässiger Hundeverhaltensberater bei Shelby Semel Dog Training.

Liebt mein Hund Bauchmassagen? So erkennst Du es

Bleibt die Frage: Wie erkenne ich, ob mein Hund mich gerade zu einer Bauchmassage einlädt? „Achte auf die Körpersprache“, rät Dr. Coren. Ein verängstigter oder bedrohter Hund vermeidet den Augenkontakt, sein Maul ist geschlossen. „Die gegenteiligen Signale zeigen, dass der Hund daran interessiert ist, sich mit Dir zu beschäftigen. Wenn sich der Hund auf den Rücken rollt und sein Maul offen ist, die Zunge herausrollt und die Augen weit geöffnet sind, ist das ein gutes Zeichen dafür, dass dies ein freundliches und geselliges Signal ist.“ Und einige Hunde stupsen ihre Menschen dann leicht mit der Pfote an. So bitten sie um Aufmerksamkeit – und eine Bauchmassage, sagt Neale.

Der Experte für Hundeverhalten ist überzeugt, dass es Hunderassen gibt, die ganz besonders gerne am Bauch gekrault werden. Dazu gehören

  1. Golden Retriever
  2. Labrador Retriever
  3. Cavalier King Charles Spaniels
  4. Bichon Frises
  5. Beagles

Dominante Rassen haben meist andere Vorlieben

Andere Rassen dagegen sind nicht immer die größten Fans einer Bauchmassage, so Dr. Coren: „Es ist sicherlich nicht so, dass alle Hunde Bauchkraulen mögen. Dominantere Rassen, insbesondere solche, die als Wachhunde gezüchtet wurden, neigen dazu, Versuche, sie am Bauch zu kraulen, als Aggression zu betrachten.“

Auch wenn die meisten Hunde das Kraulen am Bauch lieben – es gibt eben auch Hunde, die es nicht mögen. Wenn Dein Hund zum Beispiel seinen Bauch zeigt, dabei aber einen angespannten Körper hat, dann möchte er eher nicht gestreichelt werden, sagt Hundeverhaltensforscherin Janet Cutler von Landmark Behaviour. Ihr Rat: Wenn Dein Hund keinen Bauchkrauler möchte, akzeptiere das als Teil seiner Persönlichkeit.

Hund wird gekrault
Foto: AdobeStock/Soloviova Liudmyla (Symbolfoto)

Bauch kraulen – wenn der Hund es nicht mag…

Dem stimmt auch Dr. Coren zu – aus eigener Erfahrung. Einer seiner Hunde, ein Nova Scotia Duck Tolling Retriever namens Ranger, ist ein sehr erfolgreicher Therapiehund. Das einzige Mal, dass er sich den Bauch kraulen lässt, ist in Gegenwart von Kindern, die er wie Welpen behandelt. Für Dr. Coren ist das vollkommen okay. „Wenn Dein Hund es nicht mag und Dir keine Möglichkeit bietet, ihm den Bauch zu kraulen, dann mach es auch nicht“, sagt er.

Auf keinen Fall sollte der Hund gezwungen werden. Zur Erklärung zieht er einen Vergleich: „Wenn Dein Kind kein Erdbeereis mag, würdest Du denken, dass es notwendig ist, ihm beizubringen, diese Geschmacksrichtung von Eiscreme zu mögen? Das Gleiche gilt für Bauchkraulen beim Hund. Es gibt andere Dinge, die dem Hund vielleicht mehr Spaß machen, wie zum Beispiel ein Plüschtier zu holen, das quer durch den Raum geworfen wurde.“

Auch Verhaltensforscherin Cutler rät zu Alternativen, wenn der Hund das Kraulen am Bauch nicht mag. Vielleicht liebt er die Berührungen an anderen Stellen? Oder mag es, wenn Du das Fell bürstet. Auch Spiele wie Apportieren oder das Üben kleiner Tricks sind eine Alternative, so Cutler. Denn auch so spürt Dein Hund: Du bist für ihn da, Du beschäftigst ihn – und Du liebst ihn…

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