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Warum Tierschützer streunenden Katzen ins Ohr schneiden

Manchmal sieht man sie auf der Straße herumstromern oder im Schatten liegen: Katzen, denen ein Teil vom Ohr fehlt. Bleibende Erinnerung eines Revierkampfs – oder was steckt dahinter? DeineTierwelt klärt auf.

Wenn Katzen in einem Ohr eine kleine Kerbe haben, ist das keine Kriegsverletzung aus dem Streit mit verfeindeten Artgenossen – zumindest in den meisten Fällen. Tatsächlich schneiden Tierärzte den Miezen ganz vorsätzlich in die Lauscher.

Was im ersten Moment brutal klingt, hat einen sehr nützlichen Zweck: Damit die Population von Straßenkatzen nicht unkontrolliert weiter wächst, und damit nicht immer mehr potentiell kranke und leidende Katzen die Straßen bevölkern, sorgen viele Kommunen und Tierschützer dafür, die Katzen zu kastrieren.

Dafür fangen sie die Straßenkatzen ein, untersuchen, kastrieren und chippen sie. Danach werden die Tiere zurück in die Freiheit entlassen. Solche Kastrationsaktionen werden of regelmäßig wiederholt. Dabei wäre es ein extrem hoher Arbeitsaufwand – und unnötiger Stress für die Samtpfoten –, wenn die Tierschützerinnen auch Katzen einfangen, die schon längst kastriert sind.

Der Schnitt im Ohr markiert Katzen als kastriert

Deshalb müssen die kastrierten Straßenkatzen äußerlich gekennzeichnet werden. Dank der maximal einen Zentimeter großen Kerbe könne man die Tiere schon aus der Ferne als kastriert erkennen, erklärt etwa der „Deutsche Tierschutzbund“. „So muss man die scheuen Tiere nicht dem enormen Stress des Einfangens aussetzen, um fest zu stellen, ob sie kastriert oder anderweitig gekennzeichnet sind.“

Streunerkatze mit abgeschnittenem Ohr.
Foto: unsplash.com/Jose Antonio Gallego Vázquez o (Symbolfoto)

Meist erfolgt der Schnitt, während die Katzen aufgrund ihrer Kastration ohnehin schon in Vollnarkose sind. Deshalb ist er für die Katzen nicht mit Schmerzen verbunden. Außerdem erfordere der Eingriff in den meisten Fällen keine Nachbehandlung, so die „American Society for the Prevention of Cruelty to Animals“.

Denn: Die abgeschnittene Ohrspitze ist international eine anerkannte Markierung von kastrierten Katzen. So kannst Du auch in Asien, Amerika oder in anderen europäischen Ländern Straßenkatzen mit Kerbe im Ohr entdecken.

Ist die Kerbe im Ohr für Straßenkatzen schmerzhaft?

Doch es gibt auch kritische Stimmen. So hat eine Schweizer Tierschützerin 2015 eine Petition gestartet, mit der sie „die Verstümmelung der Ohren“ bei der Kastration von streunenden Katzen verbieten lassen will. Den Eingriff vergleicht sie dabei mit dem Kupieren bei Hunden, das ebenfalls verboten sei. Ihr Argument: Die Kerbe im Ohr sei für Katzen genauso schmerzhaft wie das Kupieren für Hunde.

Die große Mehrheit von Tierschützern und Tierärztinnen ist sich aber einig: Das Beschneiden der Ohrspitze bei Katzen ist eine humane und schmerzfreie Art der Markierung – und nicht mit Kupieren vergleichbar. Denn bei den Katzen werden unter Narkose nur wenige Millimeter der Ohrspitze abgenommen. Das beeinträchtige die Ohrbasis nicht, die Katze könne danach normal hören und sei nicht in ihrem Verhalten beeinträchtigt.

Kupieren ist hingegen für die betroffenen Hunde ein sehr schmerzhafter Eingriff, der häufig schon im jungen Welpenalter erfolgt. Deshalb kann er auch große psychologische Auswirkungen auf Hunde haben. Dabei wird ein großer Teil des Ohres entfernt und die Ohren danach wochenlang aufgestellt, bis sie von alleine aufgerichtet bleiben.

Keine geeignete Alternative für den Ohrenschnitt

Die Schweizer Tierschützerin fordert, dass die Ohrkerbe genauso verboten werden sollte wie das Kupieren. Stattdessen sollten kastrierte Straßenkatzen anders markiert werden, etwa mit einer Tätowierung oder einem wasserfesten Stift. Für viele andere Tierschützer sei das keine Option, berichten lokale Medien. Denn entweder seien die Alternativen nur temporär oder zu schwer erkennbar.

„Verglichen mit einer unnötigen respektive vermeidbaren Belastung durch eine Narkose oder sogar eine Operation ist das Abschneiden der Ohrspitze wohl das kleinere Übel für das Tier“, fasst Martina Schybli, Tierärztin und Leiterin der Fachstelle Heimtiere beim Schweizer Tierschutz, zusammen.

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