Du willst mit Deinem Vierbeiner entspannt spazieren gehen, ihn vielleicht auch ein bisschen auspowern – doch alle paar Meter bleibt Dein Hund stehen und schnüffelt in aller Ruhe. Bist Du da auch manchmal versucht, ihn einfach schnell weiter zu ziehen? Experten sind sich einig: Das solltest Du lieber nicht tun.
Denn das Herumschnüffeln auf der Gassirunde erfüllt für Deinen Hund mehrere wichtige Aufgaben. Es sorgt nicht nur für Abwechslung und Beschäftigung, der Vierbeiner erfährt dadurch auch viel über andere Hunde und seine Umgebung. Und: Ausgiebiges Schnüffeln könnte Deinen Hund sogar optimistischer und zufriedener machen. Das legen zumindest die Ergebnisse einer Studie aus 2019 nahe.
Du siehst: Beim Spaziergang geht es für Deinen Hund um mehr als Bewegung und Häufchen machen. Und es gibt viele Gründe, warum Du Deinen Hund ruhig schnüffeln lassen solltest.

Aber warum ist die Nasenarbeit überhaupt so spannend für die Vierbeiner? Das liegt eindeutig an ihrer Super-Nase: „Der Geruchssinn ist einer der dominantesten Sinne für Hunde, und ihr Geruchssinn ist dem des Menschen überlegen“, erklärt Tierärztin Dr. Andrea Tu gegenüber „The Dodo“.
Wissenschaftlich erklärt, bedeutet das: „Bei Menschen ist die Riechschleimhaut etwa fünf bis 13 Quadratzentimeter groß, mit fünf Millionen Rezeptoren“, so Dr. Tu. „Das ist allerdings nichts im Vergleich zur Riechschleimhaut vom Hund, die bis zu 387 bis 432 Quadratzentimeter groß ist, mit 220 Millionen bis zwei Milliarden Rezeptoren, wodurch ihr Geruchssinn 50 bis 1.000 mal besser als der vom Menschen ist.“
Und weil wir so viel schlechter riechen als unsere Fellnasen, ist auch unser Alltag viel weniger auf den Geruchssinn ausgerichtet. Darin besteht allerdings das Risiko, dass wir auch unseren Hunden diese wichtigen Eindrücke verwehren.
„Wir scheuchen sie auf Spaziergängen mit und konzentrieren uns eher aufs Ziel anstatt auf den Weg“, meint deshalb auch Autorin und Hundeexpertin Alexandra Horowitz. „Deshalb wissen wir zwar, dass Hunde Bewegung und Sozialisation brauchen, brauchen aber einfach länger, um einzusehen, dass sie schnüffeln müssen.“

Hund schnüffelt, um Informationen zu bekommen
Kein Wunder also, dass zum Beispiel ein Laubhaufen, der für Dich höchstens etwas muffig riecht, für Deinen Hund ein wahres Feuerwerk an Gerüchen darstellt. Deshalb solltest Du Deinem Vierbeiner ruhig ausgiebige Schnupper-Freuden beim Spazierengehen gönnen.
„Lass ihm so viel Zeit wie möglich, um an Rosen, am Gras, an Steinen und am Bürgersteig zu schnüffeln, denn das ist für ihn der halbe Spaß beim Spazierengehen“, rät Dr. Andrea Tu. Vor allem, weil Gerüche für die Hunde wichtige soziale Botschaften übermitteln. „In gewisser Weise ist das so, wie wenn wir durchs Internet und unsere Social-Media-Seiten scrollen, um Informationen über den Tag und das Leben der Menschen in unserem Umfeld sammeln.“
Deshalb kann eine langsame Runde, bei der Dein Hund dafür viel Zeit zum Schnüffeln hat, ihn sogar mehr erschöpfen, als ein strammer Power-Walk. Immerhin muss er dabei jede Menge Informationen verarbeiten. Wenn Dein Hund viel schnüffelt, ist er also später bestimmt gut ausgelastet.

Schnüffel-Spiele für Zuhause
Du willst die feine Nase Deines Hundes auch Zuhause fördern? Dabei helfen verschiedene Spiele, die auf den Geruchssinn Deines Vierbeiners abzielen. Aber Vorsicht: Überanstrenge Deinen Liebling nicht! Die Schnüffel-Arbeit kann Deinen Hund schnell erschöpfen.
Für die dufte Beschäftigung kannst Du Deinem Hund zum Beispiel ein Leckerli zeigen und es dann im Raum verstecken. Die ersten Male so, dass Dein Hund die Leckerei noch sehen kann. Um die Schwierigkeit dann zu erhöhen, kannst Du das Objekt der Begierde zum Beispiel unter einem Stapel Papier, unter der Sofadecke oder an einem anderen Ort verstecken, sodass Dein Hund es nur mithilfe seiner Nase findet.

Spaziergänge zum Schnüffeln
Alexandra Horowitz empfiehlt außerdem sogenannte „Duft-Gänge“. Dafür müssen Herrchen und Frauchen ihre Perspektive ändern: Von der Länge der Route hin zu der Zahl verschiedener Duftnoten, die ihr Hund schnuppert. Dabei sollte Dein Hund vor allem viel herumstromern und solange schnuppern dürfen, wie er will.
Auch wenn das zunächst eine Herausforderung für die Geduld ist: Konzentriere Dich ganz auf Deinen Hund und gib ihm Zeit. „Ich habe festgestellt, dass Hunde, die ihre Nase nutzen dürfen, tatsächlich weniger ‚Fehlverhalten‘ zeigen“, sagt die Autorin gegenüber „PetMD“.
Horowitz macht aber auch deutlich: Nicht jede Gassirunde muss ein „Duft-Gang“ sein. Es darf durchaus unterschiedliche Arten von Spaziergängen geben – vom Bewegungstraining über die nächtliche Pinkel-Runde bis zum Playdate mit anderen Hunden. Aber: „Lass einfach Raum, damit Dein Hund seine Nase benutzen kann.“



