- Hunde schlafen insgesamt deutlich mehr als Menschen und tun dies in vielen kurzen Phasen über den Tag verteilt, wobei ihre Schlafzyklen deutlich kürzer sind.
- Hunde können mit scheinbar offenen Augen schlafen, da ihre durchsichtige Nickhaut das Auge schützt – besonders bei wachsamen Rassen oder zur potenziellen Abschreckung.
- Offene Augen im Schlaf sind meist harmlos, können aber auch auf gesundheitliche Probleme wie Augenfehlbildungen, Nickhautdrüsenvorfall, epileptische Anfälle oder Schlafapnoe hinweisen.
Menschen benötigen durchschnittlich acht Stunden Schlaf, die sie in der Nacht an einem Stück absolvieren. Hunde ruhen dagegen deutlich länger und kommen auf täglich 15 bis 20 Stunden Schlaf. Einen Großteil davon holen sie sich ebenfalls in der Nacht, aber viele kurze Schlafphasen finden über den Tag verteilt statt. Gibt es gerade nichts zu tun, legen sie sich hin und dösen sofort weg. Hierbei kann es sich um ein kurzes Nickerchen im Halbschlaf handeln, aber auch um eine tiefe Schlafphase.
Allerdings unterscheiden sich die Schlafzyklen zwischen Mensch und Hund: Wir haben Phasen von 90 Minuten bis zwei Stunden. Zwischendurch wachen wir manchmal kurz auf und schlafen üblicherweise gleich wieder ein. Beim Hund dauert ein Schlafzyklus dagegen nur 20 bis 40 Minuten. Er wird also deutlich häufiger wach – nicht nur zwischen den Phasen, sondern auch, wenn sich etwas in seiner Umgebung tut.
Kann ein Hund mit offenen Augen schlafen?
Das Auge des Hundes weist gegenüber unserem einen entscheidenden Unterschied auf: Es besitzt neben dem unteren und oberen Augenlid noch ein drittes. Hierbei handelt es sich um die sogenannte Nickhaut. Diese durchsichtige Membran kann sich über das gesamte Auge legen und schützt es vor Austrocknung und Verunreinigungen.
Sollte Dein Hund also mit offenen Augen schlafen, dann könnte es sein, dass seine Augen durch die geschlossene Nickhaut geschützt sind, das obere und untere Augenlid jedoch nicht ganz zu sind. Das sieht dann eindeutig so aus, als schliefe Dein Hund mit offenen Augen. Im Prinzip tut er dies wahrscheinlich tatsächlich, aber eben mit eingebautem Schutzmechanismus.
Welchen Einfluss hat die Wachsamkeit eines Hundes?
Hundertprozentig kann niemand sagen, warum manche Hunde im Schlaf ihre Augen ein wenig offenhalten. Vermutet wird unter anderem, dass dies in den Genen verankert sein könnte, schildert etwa Tierärztin Dr. Sandra Mitchell gegenüber dem Magazin „PetMD“.
Vor allem Wach- und Hütehunden ist eine gewisse Wachsamkeit in die Wiege gelegt. Sie können es sich nicht erlauben, tief und fest zu schlafen. Sie sind unterbewusst stets auf Empfang, wozu nicht ganz geschlossenen Augenlidern sehr dienlich sein könnten. Möglicherweise gelangen dadurch gewisse Signale an ihr Gehirn, auch wenn sie gerade dösen.
Bei manchen Vögeln ist zum Beispiel bekannt, dass eine Gehirnhälfte schläft, während die andere aktiv bleibt. Dadurch können sie sogar im Halbschlaf fliegen. Vielleicht dienen offene Augen beim Hund aber auch oder zusätzlich der Abschreckung. Macht es von weitem den Eindruck, ein Hund sei wach, dann traut sich ein Feind nicht heran.

Hunde, die träumen, zucken mit den Augen
Während manche Hunde die Augen über längere Zeit im Schlaf offen halten, geschieht dies bei anderen nur kurzfristig. Währenddessen kann es aber vorkommen, dass die Augen intensiv zucken. Die Wahrscheinlichkeit ist dann hoch, dass sie gerade träumen. Auch bei Hunden gibt es eine REM-Schlafphase, in der sie möglicherweise von Dingen träumen, die sie im Laufe des Tages erlebt haben.
Hierbei können sie mit den Beinen zucken, winseln oder sogar bellen. Experten raten dazu, den Hund dann nicht aufzuwecken, da ihn das verwirren könnte. Wenn du Sorge hast, kannst du ihn jedoch leise beim Namen rufen, damit er sanft aufwacht.
Welche Krankheiten können für offene Augen verantwortlich sein
Schläft Dein Hund mit offenen Augen, könnte es sich auch um eine Erkrankung handeln. Manche Rassen wurden leider so gezüchtet, dass sie übernatürlich große und nach vorn gewölbte Augen besitzen. Hierzu zählen unter anderem Mops, Pekinese und Französische Bulldogge. Bei ihnen kann es vorkommen, dass sie anatomisch nicht oder nur bedingt in der Lage sind, die Augenlider komplett zu schließen.

Diese Rassen weisen auch eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen Nickhautdrüsenvorfall auf. Dabei handelt es sich um eine deutliche Schwellung am inneren Augenlid. Die Drüse kommt aus dem Auge und bläht sich auf, wodurch der Hund seine Lider nicht mehr richtig schließen kann. Die Erkrankung muss sofort behandelt werden, um weiteren Schaden zu verhindern.
In seltenen Fällen können offene Augen im Schlaf auch mit einem epileptischen Anfall zusammenhängen. Hierbei kommt es üblicherweise aber zu schweren unkontrollierten Zuckungen und der Hund ist nicht ansprechbar. Selbstverständlich sollte der Vierbeiner tierärztliche behandelt werden, was mit Hilfe von Medikamenten relativ gut umsetzbar ist. Vielleicht leidet der Hund aber auch an einer Schlafapnoe. Hierbei treten gelegentlich Atemaussetzer auf, die als Symptom auch offene Augen miteinschließt. Sollte der Hund übergewichtig sein, kann eine Diät für Abhilfe sorgen.
Sollte Dein Hund also gelegentlich mit offenen Augen schlafen, ist die Wahrscheinlichkeit erst einmal groß, dass Du Dir darüber keine Sorge machen musst. Aber halte mögliche Erkrankungen im Hinterkopf, um gegebenenfalls rechtzeitig einen Tierarzt aufzusuchen.
von Thomas Brodmann



