Neugierig legt das wuffende Familienmitglied seinen Kopf schief und lauscht aufmerksam den Worten seiner Hundemama oder seines Hundepapas. Dieses niedliche Fellnasen-Verhalten ist mit Sicherheit allen Frauchen und Herrchen auf der Welt vertraut und den meisten geht wohl bei diesem Anblick auch das Herz auf. Doch keiner weiß eigentlich so ganz genau, warum der beste Freund des Menschen so reagiert.
Fachleute haben bisher nur eine Studie veröffentlicht, die sich mit den möglichen Gründen für das Kopfneigen der Fellnasen beschäftigt. Die Untersuchung von Verhaltensforschern der Budapester „Eötvös-Loránd-Universität“ im Fachblatt „Animal Cognition“ aus dem Jahre 2021 legt nahe, dass die Vierbeiner ihre Köpfe zur Seite legen, wenn sie im Gehirn Ihnen vertraute Wörter verarbeiten.
„Wenn Menschen sich an eine Geschichte oder etwas anderes erinnern, dann neigen sie ebenfalls ihren Kopf zur Seite. Dabei entsteht ein geistiges Bild der Sache im Kopf. Womöglich ist es bei Hunden ähnlich“ – so Andrea Sommese, Hauptautor der Studie.
Neigen intelligente Fellnasen öfter ihre Köpfe?
Erst kürzlich sorgte eine Publikation von April 2024 für weltweites Aufsehen. Verhaltensbiologen der „Eötvös-Loránd-Universität“ wiesen nach, dass sehr intelligente Hunde bis zu zwölf neue Worte für verschiedene Spielzeuge in einer Woche lernen und diese für mindestens zwei Monate im Langzeitgedächtnis behalten konnten.
Sieben Border Collies, die Teil der „40-fellnasigen Probandengruppe“ waren, zeigten diese bemerkenswerte kognitive Leistung. Und alle sieben Fellnasen hatten eines gemeinsam: Sie neigten den Kopf wesentlich häufiger als ihre weniger schlauen Kollegen, wenn ein bestimmtes Spielzeug per Kommando angefordert wurde. Die Studiendaten des Forschungsteams von Oktober 2021 zeigten, dass die intelligenten Fellnasen beim Hören des Kommandos in 43 Prozent der Fälle den Kopf neigten. Die restlichen 33 Hunde taten dies nur in 2 Prozent der Fälle.
Darum legen Hunde ihren Kopf schräg
Dabei machten die Verhaltensforscher eine weitere, interessante Beobachtung. Andrea Sommese berichtete, dass die „begabten“ Fellnasen ihren Kopf immer zur selben Seite legten. Unabhängig davon, wo ihr Besitzer stand. Somit dient das Neigen des Kopfes augenscheinlich nicht der Lokalisierung eines Geräusches oder einer Stimme. Sondern das Verhalten hilft dabei, den Ton zu verarbeiten und mit einem mentalen Bild zu verknüpfen.
Zwar ist den Forschern bewusst, dass die Zahl der wuffenden Probanden viel zu gering ist, um eine aussagekräftige Schlussfolgerung zu treffen. Trotzdem zeigt die Untersuchung, dass das Hundeverhalten „mit der Reaktion auf Hörreize, der Konzentrationsfähigkeit und der Intelligenz der Tiere zusammenhängt.“

Ist vielleicht eher das Sehen als das Hören ausschlaggebend?
Professor Stanley Coren von der Universität in British Columbia hat einen ganz anderen Ansatz. Auch er beobachtet die niedliche Verhaltensweise bei seinem vierbeinigen Mitbewohner und kommt zu dem Schluss, dass nicht das Hören, sondern das Sehen ausschlaggebend für das Verhalten der Fellnasen ist.
Der Wissenschaftler erklärt: „Wir wissen, dass Hunde unser Gesicht ständig nach Informationen durchsuchen und unseren emotionalen Zustand ablesen. Daher ist es wahrscheinlich (…), warum Hunde den Kopf neigen, wenn wir mit Ihnen sprechen, die Tatsache ist, dass sie unsere Gesichter besser sehen wollen. Um die Art auszugleichen, wie ihre Schnauze einen Teil Ihrer Sicht verdeckt.“
Setzen die Fellnasen die Haltung bewusst ein?
Unsere wuffende Mitbewohner kommunizieren sehr viel über Blickkontakte und verschiedene Gesichtsausdrücke. So ist der typische und herzerweichende Hundeblick nur einer der zahlreichen Ausdrucksformen, mit denen uns die Fellnasen „ganz easy“ um die Pfote wickeln – frei nach dem Motto: „Können diese Augen lügen?“
Und da schon Welpen unser menschliches Verhalten verstehen und nutzen, vermuten einige Verhaltensforscher, dass die Fellnasen den Kopf ganz gezielt schief legen. Weil sie genau wissen, dass ihre Hundemama oder ihr Hundepapa diese Geste so niedlich findet und sie dann mit einer Extraportion „Knuddeln“ belohnt werden. Oder vielleicht sogar mit einem Leckerli. Studien zu dieser Hypothese gibt es allerdings bisher keine.
In einigen wenigen Fällen kann die Haltung aber auch einen ernsten Hintergrund haben. Denn, wenn die Fellnase den Kopf nicht als Reaktion auf ein Geräusch oder einen visuellen Anreiz, sondern dauerhaft schräg hält, könnte das auf ein Gesundheitsproblem hindeuten. Typischerweise zeigen Fellnasen so eine Erkrankung des Gleichgewichtsorgans an.
Der Gleichgewichtssinn befindet sich im Mittel- beziehungsweise Innenohr und ist für die Körperbalance und Koordination verantwortlich. Gerade bei älteren Vierbeinern kommt diese Gleichgewichtsstörung – auch Vestibularsyndrom genannt – häufiger vor.
Warum auch immer unsere vierbeinigen Familienmitglieder ihren Kopf zur Seite legen, wenn wir mit ihnen sprechen, sie erreichen damit auf jeden Fall, dass sie uns mit dieser Geste immer wieder verzaubern und wir sie noch mehr lieb haben.



