Deutsche sind eigentlich nicht sparsam mit Versicherungen: Sie versichern Autos, das eigene Zuhause und schließen zusätzliche Kranken- und Haftpflichtversicherungen ab. Doch wenn es um unsere Haustiere geht, sind wir Versicherungen gegenüber noch vorsichtig eingestellt.
Zwar ist eine Haftpflichtversicherung für Hunde und andere Haustiere mittlerweile ziemlich etabliert und in einigen Bundesländern sogar verpflichtend vorgeschrieben. Doch nur wenige Tierhalter entscheiden sich darüber hinaus für eine Kranken- oder OP-Versicherung für ihre Schützlinge.
Im Ausland sieht das anders aus. Das Land, in dem EU-weit die meisten Haustiere versichert sind, ist Schweden. Einer Studie aus dem Jahr 2012 zufolge waren dort mehr als drei Viertel der Hunde und mehr als ein Drittel der Katzen krankenversichert. Für Tierversicherungen gaben die schwedischen Tierhalter 2017 insgesamt knapp vier Milliarden Kronen aus – umgerechnet fast 390 Millionen Euro.

Auch in Großbritannien sichern Tierhalter ihre Hunde und Katzen gerne für den Fall von Erkrankungen ab: Dort haben 3,6 Millionen Tierhalter eine Kranken- oder OP-Versicherung für ihr Haustier, also etwa ein Viertel aller Tierhalter im Land. In Großbritannien kam 1974 auch die erste Tierversicherung auf den Markt.
Deutsche Tierhalter bei Kranken- und OP-Versicherung zögerlich
Und in Deutschland? Genaue Zahlen darüber, wie viele Tierhalter hierzulande eine Kranken- oder OP-Versicherung für ihr Haustier abgeschlossen haben, gibt es kaum. Schätzungen gehen aber von einem sehr geringen Anteil aus, der (je nach Quelle) zwischen zwei und 17 Prozent liegt.
Eine Studie von 2017 zeigt: Jeder Dritte Tierhalter hat einfach kein Interesse an einer Tierversicherung. Eine Umfrage ergab dafür verschiedene Gründe: Zum einen gehen rund ein Viertel der Tierhalter davon aus, dass bei ihrem Tier kein Risiko für eine OP oder eine andere kostenintensive Behandlung besteht. Dabei sprechen die Zahlen dagegen: Tatsächlich mussten nämlich 42 Prozent der Hundebesitzer in Deutschland ihren Bello schon einmal operieren lassen.

Zum anderen gaben die Tierhalter an, im Notfall die Kosten lieber selbst zu zahlen. Das kann aber schnell teuer werden: Eine repräsentative Forsa-Studie im Auftrag ergab, dass fast die Hälfte der Tierhalter bereits mehr als 500 Euro für eine Operation zahlen musste, bei sechs Prozent waren es sogar mehr als 2.000 Euro.
Bessere Aufklärung über Versicherungsmöglichkeiten kann helfen
Auch in den USA schließen verhältnismäßig wenig Tierhalter eine Tierversicherung ab, „Veterinary Practice News“ zufolge sind es nur zwei Prozent. Dort gelten als Gründe unter anderem eine fehlende Verfügbarkeit von Tierversicherungen sowie mangelndes Bewusstsein für das Thema.
Viele Anbieter gibt es zwar auch in Deutschland. Trotzdem schließen viele Tierhalter keine Versicherung für ihre Haustiere ab – besonders keine OP-Versicherung. Haftpflicht- und Krankenversicherungen für Hunde, Pferde und Katzen sind den meisten bekannt. Die OP-Versicherung dagegen kennen viele noch kaum.



