Unsere Fellnasen sind wahre Meister darin, ihre Augen zur Kommunikation in ihrer Körpersprache einzusetzen. Am bekanntesten dafür ist wohl der typische Hundeblick, mit dem uns unser tierischer Mitbewohner anhand seiner großen Kulleraugen signalisiert: „Bitte beschütze mich“ und „Ich liebe Dich“. Mittlerweile wissen wir aber auch, dass die Fellnasen ihren Blick ganz gezielt einsetzen, um ihre Hunde-Mama oder ihren Hunde-Papa leicht um den kleinen Fingen zu wickeln.
Und so wird aus dem „Bitte-beschütze-mich-Blick“ schnell ein „Ich-habe-nichts-gemacht-können-diese-Augen-lügen-Blick“. Garniert mit einem tiefen Seufzer, erreicht die Fellnase dann in den meisten Fällen, was sie will.
Ein weiterer, typischer Hundeblick ist das sogenannte „Walauge“ — auch „Whale-Eye“ genannt. Mit „Walauge“ beschreiben Hundetrainer die Körpersprache der Vierbeiner, wenn das Weiße ihrer Augen — die sogenannte „Sklera“ — sichtbar ist. Neben „Walauge“ ist auch „Half-Moon-Eye“ ein gängiger Begriff, da der erkennbare weiße Bereich ein wenig an einen Halbmond erinnert. Diese Augenstellung kommt zustande, wenn die Fellnase ihren Kopf leicht abwendet, ihre Augen aber auf etwas oder auf jemanden gerichtet bleiben.
Was der „Walauge“-Blick bedeutet
Das Wissen um die Körpersprache von unseren besten, vierbeinigen Freunden ist ein wirksames Mittel, um zu verstehen, was sie fühlen und denken. Und so ist auch der „Walauge“-Hundeblick eine Form der Körpersprache, die jede Hunde-Mama und jeder Hunde-Papa verstehen und richtig deuten sollte. Denn mit diesem Blick will die Fellnase bestimmte Gefühle zeigen.
Denn eine Fellnase, die den „Walauge“-Hundeblick zeigt, drückt Angst und Unbehagen über die aktuelle Situation aus. Der Vierbeiner ist gestresst und möglicherweise auch ängstlich. „Walauge“ kann ein Zeichen dafür sein, dass er möglicherweise „defensiv aggressiv“ agieren wird. Das bedeutet, dass er womöglich aus Angst zubeißen könnte. Näherst Du Dich daher einer Fellnase, die diesen Blick zeigt, ziehe Dich lieber wieder zurück. Bleibe so lange von dem Hund entfernt, bis dieser sich wieder beruhigt hat oder Du zumindest weißt, was genau los ist.

Walaugen sind eine Warnung
Dein tierischer Mitbewohner kann den „Walauge“-Blick auch zeigen, wenn er sich unwohl dabei fühlt, was jemand gerade mit ihm macht. Wenn er beispielsweise da gestreichelt wird, wo er nicht berührt werden möchte. Wenn er vom Tierarzt untersucht wird oder ihm die Nägel geschnitten werden.
An Hunden, die „Walauge“ machen, bemerkst Du meistens auch andere Anzeichen von Stress. Vielleicht Gesten wie „Lippenlecken“, Gähnen (beides oft beschwichtigend gemeint), Sabbern, das Vermeiden von Augenkontakt oder übermäßiges Hecheln. Auch könnten sich die Haare entlang der Wirbelsäule aufstellen. Als weitere Reaktion wäre das Knurren oder das Verharren an Ort und Stelle möglich.

Was Deine Fellnase mit diesem Blick von Dir erwartet
Dein pelziger Freund hofft, dass Du seinen Blick bemerkst und dass Du die Botschaft, die er damit sendet, auch verstehst. Er möchte, dass Du jetzt etwas tust, um das zu beheben, was er gerade als „falsch“ empfindet.
Mach daher am besten zuerst eine Bestandsaufnahme der Umgebung Deines Hundes, ohne Dich zu nähern. Ist ein anderer Hund oder eine Katze in der Nähe? Nähert sich ein Fremder? Dein Hund hört vielleicht etwas, das Du nicht hören kannst, wie zum Beispiel Schritte, die sich der Tür nähern. Oder greift jemand nach seinem Lieblingsspielzeug oder — was noch viel schlimmer ist — nach seinem Leckerli? Er könnte sich auch bedrängt und bedroht fühlen – viele Hunde mögen es nicht, umarmt zu werden.
Verursachst Du mit Deinem Handeln diesen Blick, dann höre einfach damit auf. Bist Du mit Deiner Fellnase in einem öffentlichen Raum, führe ihn woanders hin. Beruhige ihn, sei aber darauf vorbereitet, dass er angespannt ist und Du ihn überreden musst, sich zu bewegen. Zeige ihm, dass ihm niemand sein Leckerli oder sein Spielzeug wegnimmt.

Denke immer daran, dass Dir Dein tierischer Freund mit seinem Blick etwas sagen möchte, das für ihn wichtig ist und das sein Verhalten begründet. Nimm ihn daher ernst und schimpfe nicht. Denn stell Dir vor, Du flüsterst jemandem etwas ins Ohr und wirst dafür zurechtgewiesen. Das ist eine Erfahrung, die auch Du nicht machen möchtest. Wenn also Dein Vierbeiner den „Walauge“-Blick zeigt, reagiert er auf etwas Äußeres, wofür er Deine Hilfe benötigt. Enttäusche ihn daher nicht.



