Entgegen der allgemeinen Annahme, dass Tollwut in Deutschland ausgestorben sei, gibt es immer wieder einzelne Fälle, die nicht-geimpfte Hunde betreffen. Vor allem, wenn Du mit Deinem Vierbeiner einen Urlaub planst, solltest Du im Vorfeld Einiges bedenken.
Ist Tollwut eine Gefahr für Hunde in Deutschland?
Seit 2008 ist Deutschland von der Weltgesundheitsorganisation WHO als tollwutfreies Land deklariert. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Hund oder Mensch mit Tollwut ansteckt, ist daher extrem gering. Auszuschließen ist sie jedoch nicht, wie vereinzelte Fälle beweisen: Im Jahr 2010 wurde bei einem Hund aus Bosnien-Herzegowina und im Jahr 2013 bei einem Hundewelpen aus Marokko Tollwut festgestellt. Ebenso im Jahr 2021 bei einem illegal eingeführten Welpen aus der Türkei.
Die größte Gefahr für ein Einschleppung der Tollwut: ungeimpfte Hunde, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen. Im Gegensatz zu früher spielen Füchse heute keine Rolle mehr. Der letzte bestätigte Tollwutfall bei einem Fuchs stammt aus dem Jahr 2006.
Welche Tollwutgefahr besteht in anderen Ländern?
Wir können uns glücklich schätzen, dass wir durch intensive Maßnahmen die Tollwut ausrotten konnten. Dazu beigetragen hat vor allem eine Immunisierung der Fuchspopulation durch ausgelegte Impfköder und das strikte Impfen unserer Hunde. Denn sie sind es, die weltweit für 99 Prozent aller menschlichen Tollwutfälle verantwortlich sind.
Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass jährlich etwa 60.000 Menschen an Tollwut sterben. Die meisten leben in Asien und in Afrika. Tollwut ist eine sehr ernst zu nehmende Krankheit. Daher ist es auch nachvollziehbar, dass innerhalb der EU und für alle angrenzenden europäischen Staaten bei der Ein- beziehungsweise Ausreise eine gültige Tollwutimpfung für Hunde und Katzen vorgeschrieben ist.
Krankheitsverlauf und Behandlung bei Tollwut
Wenn ein Hund von einem mit Tollwut infizierten Tier gebissen wird, zeigt er anfangs keinerlei Symptome. Es können mehrere Wochen vergehen, bis sich die Viren im Körper verteilen und schließlich ein Ausbruch der Krankheit stattfindet.
Dann geht alles sehr schnell: Der Hund verhält sich nervös, leidet eventuell an Übelkeit und zeigt sich zumeist bereits nach ein bis zwei Tagen aggressiv und unberechenbar. Es treten Bewegungsstörungen und ein starker Speichelfluss auf. Nach wenigen Tagen wird er immer kraftloser und stirbt schließlich. Eine Rettung oder Heilung ist nicht möglich und auch nicht erlaubt.
Bei einem Verdacht musst Du das Tier isolieren und den Tierarzt beziehungsweise das Veterinäramt verständigen. Ein Amtstierarzt kann bei einem Verdacht auf Tollwut ein sofortiges Einschläfern anordnen, wenn der Hund nicht gegen die Krankheit geimpft wurde. Ist der Hund geimpft, kann er unter Beobachtung gestellt und der weitere Verlauf abgewartet werden.
Wie sind die Impfvorschriften gegen Tollwut?
In Deutschland besteht keine Verpflichtung – Du musst Deinen Hund nicht gegen Tollwut impfen. Obwohl Deutschland als tollwutfreies Land gilt, wird sie aber weiterhin von der Ständigen Impfkommission empfohlen.
Die Gründe sind leicht nachzuvollziehen: Sobald Du mit Deinem Hund ins Ausland reisen möchtest, benötigst Du einen Nachweis. Selbiges wird Dir üblicherweise passieren, wenn Du allein verreist und Deinen Hund in einer Tierpension abgeben möchtest.
Bedenke außerdem: Bei einem Verdacht auf Tollwut muss ein nicht geimpfter Hund sofort
eingeschläfert werden, während ein geimpfter in der Regel erst einmal unter Beobachtung steht. Eine Impfung macht daher Sinn und gehört zum üblichen Vorgehen bei der Grundimmunisierung eines Hundes.
Was muss ich bei der Tollwutimpfung meines Hundes beachten?
Zuerst ist wichtig zu wissen, dass ein Welpe mindestens 12 Wochen alt sein muss, bevor er seine Erstimpfung erhalten darf. Als wirksam wird sie dann 21 Tage danach angesehen. Daher dürfen Welpen aus dem Ausland erst nach dieser Frist, also frühestens mit 15 Wochen, eingeführt werden.
Bietet Dir jemand einen 13 Wochen alten Welpen an, der gerade frisch aus dem Ausland importiert wurde, solltest Du stutzig werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass er illegal eingeschmuggelt wurde, ist groß.

Häufig werden Hunde aus dem Ausland mit rund einem Jahr ein zweites Mal geimpft, um eine gute Grundimmunisierung aufzubauen. Je nach Herkunftsland kann es auch vorkommen, dass ein Welpe mit 12 und anschließend erneut mit 16 Wochen gegen Tollwut geimpft wird.
Für Dich ist entscheidend, wann die Impfung ausläuft. Dies ist, je nach Impfstoff, üblicherweise nach 3 Jahren der Fall. Am besten siehst Du gleich einmal im Heimtierausweis Deines Hundes nach, ob der Impfschutz noch gültig ist. Entweder hat Dein Tierarzt den nächsten fälligen Termin bereits eingetragen oder er ist spätestens nach Ablauf von drei Jahren fällig.
Hund rechtzeitig vor dem Urlaub gegen Tollwut impfen!
Wichtig zu wissen: Sollte der Impfschutz abgelaufen sein, zählt eine neue Impfung als Erst-Impfung! Das bedeutet, dass Du mindestens 21 Tage warten musst, bevor Du mit Deinem Hund ins Ausland reisen darfst. Bei einer Auffrischung innerhalb des vorgegebenen Zeitraums zählt sie dagegen vom ersten Tag an.
Gehst Du mit Deinem Hund zum jährlichen Tierarzt-Check, wirst Du sicher automatisch erinnert, aber um beruhigt in den Urlaub fahren zu können, lohnt sich eine rechtzeitige Überprüfung.
von Thomas Brodmann




