Vogelspinnen sind der Stoff, aus dem die Alpträume vieler Menschen bestehen. Dabei sind die faszinierenden Tiere harmlos und in den meisten Fällen friedlich! Mehr über die Achtbeiner kannst Du hier nachlesen.
In diesem Artikel erfährst Du alles Wissenswerte rund um Vogelspinnen: Wo sie beheimatet sind, welche Futtergewohnheiten sie haben und warum sie eigentlich Vogelspinne heißen.
Von klein bis groß: Die unterschiedlichen Vogelspinnenarten
Auch Vogelspinnen haben Unterarten. Sie unterscheiden sich anhand ihres Lebensraums, ihrer Gewohnheiten und auch anhand ihrer Größe. So ist die größte bekannte Vogelspinne die Brasilianische Riesenvogelspinne. Sie wird oft auch Goliath-Vogelspinne genannt. Die Weibchen dieser Art werden bis zu zwölf Zentimeter lang. Gemessen an den Beinen umspannen sie sogar bis zu 30 Zentimeter. Die kleinsten Vogelspinnen werden dagegen nur knapp zwei Zentimeter groß, diese bezeichnet man auch als Zwergvogelspinnen.
Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass Vogelspinnen-Weibchen nicht nur älter, sondern auch größer und schwerer als Männchen werden. Dies ist bei allen rund 1.000 bekannten Arten der Fall.
Körperbau und Aussehen von Vogelspinnen
Sie sind groß, behaart und furchteinflößend. Letzteres liegt vor allem an der markanten Anatomie der Vogelspinne. Sie gehören, wie alle Spinnen, zur Klasse der Spinnentiere und bilden eine Unterart. Das bedeutet, dass sie – im Gegensatz zu Insekten – über insgesamt acht Beine verfügen. Davon sind je vier an jeder Körperseite angeordnet. Dazu kommt noch ein Tasterpaar, das oftmals als Beinpaar interpretiert wird.
Der Körper der Vogelspinne ist in zwei Teile gegliedert: Den Vorderleib und den Hinterleib. Die Beine der Vogelspinne entspringen dem Vorderkörper. Dort befinden sich außerdem die Augen der Spinne und die großen Kieferklauen (Beißklauen). Der komplette Körper der Spinnenart ist mit braunen bis schwarzen Haaren überzogen.
Wie Skorpione oder Webspinnen verfügen auch Vogelspinnen nicht über eine Haut wie Säugetiere. Vielmehr besitzen sie ein hartes Außenskelett, das auch Exoskelett genannt wird. Mit ihrem Körperbau sind Vogelspinnen optimal an ihren Lebensraum angepasst.

Vogelspinnen-Steckbrief
Ordnung: Vogelspinnenartige
Herkunft: Amerika, Afrika, Europa und Australien
Lebensraum: Tropen und Subtropen, auch in Portugal, Spanien und Zypern,
auf Sträuchern und Bäumen, in Höhlen und unter Sträuchern
Lebenserwartung: Vogelspinnen können ein Alter von vier bis 20 Jahren erreichen
Größe: Bis zu zwölf Zentimeter Körperlänge und 30 Zentimeter Spannweite
Das sind die weitverbreitetsten Vogelspinnenarten der Welt:
- Weißknie Vogelspinne
- Martinique-Baumvogelspinne
- Kraushaarvogelspinne
- Mexikanische Rotbeinvogelspinne
- Orangebeinvogelspinne
- Schwarzrote Vogelspinne
- Cyanblaue Venezuela-Vogelspinne
- Graue und Rote Chile-Vogelspinne
Daneben gibt es natürlich noch viele weitere Arten, von denen ein Großteil wohl noch nicht wissenschaftlich erfasst ist.
Vogelspinnen produzieren ein Gift, das vor allem für ihre Beutetiere gefährlich werden kann. Für den Menschen ist der Biss einer Vogelspinne eher ungefährlich. Allerdings kann er sehr unangenehm sein.
Besonders Exemplare vom amerikanischen Kontinent verfügen neben den Beißern auch noch über sogenannte Brennhaare. Diese nutzen die Vogelspinnen als Verteidigungswaffen. Sie sitzen auf dem Tastern der Spinne und werden bei Gefahr abgestreift und auf den Feind geschossen. Der Kontakt mit diesen Brennhaaren ist schmerzhaft, denn sie rufen allergische Reaktionen hervor:
- Lang anhaltender Juckreiz
- Hustenanfälle
- Atemprobleme
Insbesondere wenn die Brennhaare Schleimhäute oder Augen treffen, kann die Reaktion sehr stark ausfallen.
Vogelspinnen häuten sich
Das Exoskelett – also der Panzer der Vogelspinne – wächst nicht mit. Daher muss sie sich im Wachstum häuten. Beim Männchen endet dieser Prozess, sobald es geschlechtsreif wird. Weibchen dagegen häuten sich ihr Leben lang: Bis zu acht Mal im Jahr verlieren Jungtiere ihren Panzer. Sobald die Vogelspinnen-Weibchen älter werden, reduzieren sich die Häutungszeiträume auf einmal jährlich oder sogar nur einmal alle zwei Jahre.
Kurz vor der Häutung fressen die Tiere nichts mehr. Ihr Exoskelett färbt sich dunkler und die Vogelspinnen werden träge. Sie bleiben dann in ihrer Wohnhöhle. Dort sind sie während der Häutung vor Feinden geschützt. Bis zur tatsächlichen Häutung kann es dann zwei Monate dauern. Währenddessen legen sich die Spinnen auf den Rücken, dadurch können sie Panzerteile einfacher abstreifen. Auch wenn die Hauterneuerung abgeschlossen ist, bleiben die Spinnen noch ein paar Tage in der Höhle – es dauert, bis der neue Panzer ausgehärtet ist.
Die Sinnesorgane von Vogelspinnen
| Sehen | Vogelspinnen besitzen insgesamt acht Augen. Diese teilen sich in Haupt- und Nebenaugen auf. Allerdings ist der Sehsinn der Tiere nicht sehr gut ausgeprägt – das liegt vor allem daran, dass sie nachtaktiv sind. Unterscheiden können Vogelspinnen lediglich grobe Formen und Hell-Dunkel-Kontraste. |
| Fühlen | Das wichtigste Sinnesorgan der Vogelspinnen besteht aus vielen kleinen Tasthärchen, die über den ganzen Körper verteilt sind. Damit können sie Bodenerschütterungen, aber auch Luftzüge wahrnehmen. Besonders bei der Jagd ist das Erfühlen der Beute für die Vogelspinne unerlässlich. |
| Riechen | Vogelspinnen haben keine Nasen. Sie ertasten den Großteil ihrer Welt. Allerdings besitzen die Tiere kleine Einstülpungen (Tarsalorgane) an den Hinterbeinen, die ähnlich wie eine Nase funktionieren. Experten gehen davon aus, dass diese vor allem bei der Partnersuche wichtig sind. Versuche haben gezeigt, dass Vogelspinnen aber beispielsweise auch vor starken Gerüchen fliehen. |
| Hören | Über klassische Ohren verfügen Vogelspinnen nicht. Allerdings reagieren die vielen Tasthaare auf Töne – beziehungsweise deren Luftschwingungen. |
Der Lebensraum der Vogelspinne
Vogelspinnen sind Einzelgänger. Sie leben primär am Boden, daher sind die meisten Exemplare bräunlich gefärbt. Das ist wichtig, denn so sind sie besser getarnt.
Vogelspinnen bauen Wohnhöhlen in den Erdboden oder in Astlöcher von Bäumen. Diese legen sie mit einem feinen Gespinst aus. So werden sie vor Eindringlingen gewarnt und die Wohnhöhle wird gemütlich. Die Höhlen dienen vor allem dem Schutz bei der Häutung und außerdem als Heimstatt während der Brutphase der Weibchen. Nicht zuletzt überwintern die Tiere darin.
Wie jagen Vogelspinnen?
Die Tiere sind in der Regel passive Jäger. Das heißt, sie jagen aus ihren Wohnhöhlen heraus. Dabei legen sie sich auf die Lauer, bis ein Beutetier vorbeikommt. Die Vogelspinne greift dann mit ihren Beißklauen blitzschnell an und durch die Klauen spritzt sie ihr für tödliches Gift in den Körper der Beute. Dieses zersetzt dessen Körper von innen, sodass die Spinne den so entstehenden Brei danach einfach aufschlürfen kann. Manche Vogelspinnen legen sich auch Vorräte an.
Zu ihren Beutetieren gehören:
- Insekten
- Skorpione
- Tausendfüßler
- kleine Echsen
- Nagetiere
- Kleine Schlangen
- junge Küken
Einige Arten fressen auch ihre Artgenossen. Insbesondere die Vogelspinnen-Weibchen verspeisen nach der Paarung die Männchen – oder sogar ihre Kinder.

Die natürlichen Feinde der Vogelspinne
Vogelspinnen haben einen kleinen, natürlichen Feind: Die Schlupfwespe legt ihre Eier in der Spinne selbst ab. Die daraus schlüpfende Brut nutzt den Körper der Vogelspinne als Nahrungsquelle. Als lebende Bruthöhle stirbt sie also langsam. Kein schöner Gedanke. Manche Schlupfwespenart nutzt auch die Kokons der Vogelspinne – also die Eier – um ihre Jungen großzuziehen.
Die Fortpflanzung von Vogelspinnen
Männliche Vogelspinnen werden mit einem bis drei Jahren geschlechtsreif. Weibchen dagegen teilweise erst mit bis zu zehn Jahren. Vor der Paarung legt das Männchen ein Versteck mit Spinnseide aus, aus der es ein Spermagewebe herstellt. Darin befinden sich die Samen. Sobald das Gewebe fertig ist, nimmt das Männchen es in seine Bulbi auf. Diese befinden sich an den Spitzen der Taster. Danach geht es auf Partnerinnensuche.
Ist das passende Weibchen gefunden, klopft das Männchen mit seinen Tastern auf den Boden. Das Weibchen reagiert ebenfalls indem es klopft und hebt seine Beine – das zeigt die Paarungsbereitschaft an. Sobald das Weibchen bereit ist, darf das Männchen seine Spermagewebe in den Samentaschen des Weibchens ablegen. Diese befinden sich am Hinterleib des Weibchens. Der Akt dauert manchmal nur ein paar Sekunden, manchmal mehrere Minuten. Danach gehen beide Partner wieder getrennte Wege. Manche Weibchen fressen die Partner nach der Übergabe des Samengewebes.
Baby-Vogelspinnen
Nach etwa acht Wochen beginnt das Weibchen, einen Spinnseide-Kokon zu bauen. Da hinein werden die befruchteten Eier gelegt. Sobald die kleinen Spinnen geschlüpft sind, bleiben sie erst einmal im Kokon. Als Nymphen mit etwa 40 Tagen verlassen sie schließlich das schützende Gespinst. Während dieser Zeit fressen die kleinen Spinnen nur unbefruchtete, nicht geschlüpfte Spinneneier oder stark geschwächte, nicht lebensfähige Nachkommen.
Die kleinen Vogelspinnen sehen zunächst aus wie kleine Eier mit acht Beinen. Sie sind farblos. Erst als Nymphen nach der zweiten Häutung ähneln sie kleinen Spinnen. Etwa nach der dritten Häutung verlassen die jungen Vogelspinnen ihre Mutter.
Artenschutz: Sind Vogelspinnen bedroht?
Vogelspinnen gelten heute noch nicht als bedrohte Tierart. Allerdings wird ihr der Mensch dennoch immer gefährlicher für den Bestand der Tiere. Nicht nur, weil viele Vogelspinnen-Fans die Tiere als Haustiere in Terrarien halten, sondern auch, weil ihr natürlicher Lebensraum kontinuierlich zerstört wird. Die meisten Vogelspinnenarten kommen in Regenwäldern vor. Der Mensch holzt sie ab, um Land für Viehzucht und Ackerbau zu erhalten und bedroht damit auch das Überleben der Vogelspinnen. Daher ist es wichtig, schon heute etwas für das Überleben der Vogelspinnenarten zu tun.
Auch Du selbst kannst einen Beitrag zum Artenschutz der Tiere leisten:
- Vogelspinnen sind keine Haustiere, die Du in Terrarien halten solltest.
- Du kannst den natürlichen Lebensraum der Vogelspinnen nicht in einem Terrarium nachbilden, da die Spinnen ihren Freiraum benötigen. Deine Spinne wird nicht glücklich werden.
- Kaufe Dir daher keine Vogelspinne als Haustier. Viele Tiere aus dem Internet sind illegal gefangen worden und werden unter schlechten Bedingungen nach Europa gebracht.
- Trage dazu bei, natürliche Lebensräume aktiv mit zu schützen und informiere Dich über Schutzprogramme für den Regenwald. Nur so kann die biologische Vielfalt dieser Welt erhalten werden.



