Ärger im Büro. Ein Kunde, der mit Konsequenzen droht. Stress in der Partnerschaft. Schlechte Nachrichten in der Post. Der astronomisch hohe Kostenvoranschlag für eine dringende Reparatur. Wohl ein jeder von uns kennt die Folgen eines solch emotional aufwühlenden Tages: Obwohl der Körper nach Schlaf ruft, ist daran nicht zu denken. Die Gedanken spielen verrückt. Wie konnte es soweit kommen, wie geht es weiter und was ist die Lösung? Man wälzt sich im Bett von links nach rechts. Und je später es wird, desto bedrohlicher wird das Szenario im Kopf und türmt sich schließlich ähnlich bedrohlich auf wie die Wolken vor einem schweren Gewitter.
Doch damit sind wir nicht alleine. Eine Studie in den „Proceedings B“ der britischen Wissenschaftsakademie „Royal Society“ zeigt, dass es unseren wuffenden Mitbewohnern nicht anders geht. Denn Messungen ihrer Gehirnaktivitäten haben ergeben, dass sich nach negativen Erlebnissen auch Hunde mit ihren Sorgen herumschlagen und Schwierigkeiten damit haben, einzuschlafen.
Die Studie hat außerdem gezeigt, dass negative soziale Erfahrungen auch Auswirkungen auf das Schlafverhalten und die Schlafqualität unserer vierbeinigen Freunde haben. Auch darin lassen sich deutliche Parallelen zu uns Menschen finden.
Für die Studie wurden 16 Hunde „kontrollierten Sorgen“ ausgesetzt
Zur „Untermauerung“ der Behauptung, dass sich Hunde nachts genauso mit ihren Sorgen herumschlagen müssen wie ihre Menschen, untersuchte Anna Kis von der ungarischen Akademie der Wissenschaften in Budapest und ihre Kollegen 16 Fellnasen von unterschiedlichen Besitzern.
Für die Studie wurden die wuffenden Probanden unter kontrollierten Bedingungen entweder positiven oder negativen Situationen ausgesetzt. In der ersten „guten“ Situation genossen sie ausgiebige Streichel- und Kuscheleinheiten und durften ausgelassen spielen. Im zweiten „negativen“ Szenario wurden sie angekettet und von ihren Besitzern völlig ignoriert und alleine gelassen.

Gehirnaktivitäten von Hunden mittels EEG gemessen
Nach diesen emotional positiven oder negativen sozialen Erfahrungen haben die Wissenschaftler die Gehirnaktivität der Fellschnuten mittels EEG gemessen. Die Ergebnisse haben gezeigt: Alle Vierbeiner, die schlechte Erfahrungen gemacht hatten, schliefen im Durchschnitt schneller ein als ihre glücklichen Artgenossen. Dieses Phänomen nennen die Forscher „stressinduzierten Schlaf“ und erinnert an ein typisches, menschliches Verhalten. Denn nach einem langen und emotional aufwühlenden Tag wünschen auch wir uns häufig nichts sehnlicher, als ins Bett zu gehen und die Decke über den Kopf zu ziehen.
Die weitere Auswertung der Daten ergab dann, dass die Fellnasen, die vor dem Schlaf emotional positive Erfahrungen gemacht hatten, einen tiefen und beständigen Schlaf hatten. Ganz anders als ihre Artgenossen, die zuvor stressauslösenden Reizen ausgesetzt waren. Diese Fellnasen befanden sich deutlich kürzer in der Tiefschlafphase, dafür deutlich länger in der REM-Phase.
Während in der Tiefschlafphase die Gehirnaktivität und Gehirnströme heruntergefahren sind, sind sie in der REM-Schlafphase aktiver und fast so hoch wie im wachen Zustand. Diese Hunde hatten also nicht nur deutlich weniger Schlaf. Auch ihre Schlafqualität, die Dauer des Schlafs und die damit verbundene Erholung fielen entscheidend schlechter aus.

Fazit
Anhand dieser Ergebnisse kann also davon ausgegangen werden, dass sich auch Hunde nachts mit ihren Sorgen herumschlagen und diese – genau wie bei uns Menschen – Auswirkungen auf die Qualität und die Dauer ihres Schlafs haben.
Denk also immer daran, vor dem Schlafengehen möglichst nicht mit Deinem tierischen Familienmitglied zu streiten, sondern ihm immer liebevoll „Gute Nacht“ zu sagen. Denn Schlafstörungen können negative Auswirkungen auf die Gesundheit unserer wuffenden Freunde haben.



