Immer mehr Menschen steigen auf eine vegetarische oder vegane Ernährung um. 7,5 Millionen Deutsche bezeichneten sich 2021 laut der Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse als Vegetarier. Eine Millionen mehr als noch vor einem Jahr.
Während Hunde und Katzen als klassische Haustiere gelten, die wir verwöhnen und pflegen, gelten Hühner, Schweine und Rinder in der Regel als sogenannte Nutztiere und damit primär als Lieferanten für Eier, Fleisch und Milch. Was viele jedoch nicht wissen – oder verdrängen: Schafe, Hühner, Kühe und Schweine führen intensive Beziehungen zueinander und benötigen Geborgenheit und Liebe.
Auch Tiere haben Emotionen
Als Lebewesen, die zu Emotionen fähig sind, schreibt die Tierrechtsorganisation „Peta“ solchen sogenannten Nutztieren das Recht auf ein friedliches und selbstbestimmtes Leben zu. Und tatsächlich deuten immer mehr wissenschaftliche Erkenntnisse darauf hin, dass Tiere Emotionen empfinden.

Die Verhaltensbiologie hat in den vergangenen Jahren massive Fortschritte gemacht: Mittels neuer Methoden können Gehirnprozesse untersucht werden, die den Emotionen zugrunde liegen. Durch Untersuchungen lässt sich nachweisen, dass die Hirnareale, die beim Menschen für das Entstehen von Emotionen verantwortlich sind, auch bei den Säugetieren die gleiche Aufgabe erfüllen. Diese Erkenntnisse haben dazu geführt, dass heute Emotionen zumindest bei allen Säugetieren anerkannt werden.
Dabei stellt sich die Frage: Kann man diese Tiere, die zu Emotionen fähig sind, essen und sich dennoch für den Tierschutz engagieren?
Fängt Tierliebe beim Essen an?
Über diesen Widerspruch wird oft diskutiert. Besonders da wir wissen, wie groß der Anteil der Massentierhaltung an den größten Umweltproblemen unserer Zeit ist. Für einige ist ein Schweinebraten oder ein Rinderfilet nur ein Stück Fleisch. Sie vergessen dabei, dass dahinter fühlenden Tiere stecken.
Laut einer amerikanischen Studie werden durchschnittlich 95 Tiere pro Jahr durch die vegane Ernährung einer einzigen Person verschont. Zudem gibt es eine Vielzahl von Quellen, die den durchschnittlichen individuellen Fleischkonsum schätzen: So verzehre jeder fleischessende Mensch im Laufe seines Lebens schätzungsweise circa 7.000 Tiere, berichtet „USA Today“.
Wer weniger Fleisch ist, kann also dazu beitragen, dass weniger Tiere für die Lebensmittelproduktion sterben müssen und in großen Massentierhaltungsanlagen ein trauriges Dasein fristen.
Veganer Lifestyle als Trend?
Kein Wunder also, dass Veganismus gerade im Trend liegt. Hinter dieser Einstellung steckt der Gedanke, dass wir Menschen mit unserem Konsumverhalten kein Tierleid verursachen sollten. Auch Umwelt- und Naturschutz spielen eine wichtige Rolle, genauso wie Fairness und Nachhaltigkeit.
Auch immer mehr Prominente haben sich für einen veganen oder vegetarischen Lebensstil entschieden. Schauspielerin Natalie Portman lebte bereits 20 Jahre als Vegetarierin, bevor sie auf eine vegane Ernährung umstieg.
In einem Interview mit der „Huffington Post“ erklärte sie, warum sie sich für eine pflanzliche Ernährung entschied: „Die menschlichen Kosten der Massentierhaltung – sowohl das beeinträchtigte Wohlergehen der Schlachthofarbeiter als auch, mehr noch, die Auswirkungen der Massenproduktion von Tieren auf die Umwelt – sind erschütternd.“
Auch Fitness-Influencerin Evelina Kukla macht es vor: Sie verzichtet auf Fleisch und setzt sich für den Tierschutz ein. In unserem Podcast „Tierschutz-Update“ betont sie, warum man als Tierschützer auf den Fleischkonsum verzichten sollte: „Die Aussage, dass Menschen trotzdem Fleisch essen und dennoch Tiere lieben, ist widersprüchlich. Ich finde, man sollte nicht zwischen Nutztieren und Haustieren unterscheiden, denn Tiere sind Tiere und sie gehören alle geliebt und respektiert und jeder Mensch der Tiere liebt, isst auch keine Tiere.“
Im Gegenzug bestehen auf der anderen Seite auch einige Unsicherheiten und Vorurteile gegenüber der veganen oder vegetarischen Ernährung. Fragen wie „Was essen Veganer überhaupt?“ und „Ist das auf Dauer nicht ungesund?“ werden jedem, der bewusst auf tierische Lebensmittel verzichtet, schon einmal begegnet sein.
Die Schattenseiten der veganen Ernährung
Kritiker der veganen oder vegetarischen Ernährung sehen die negativen Folgen im Eisenmangel, fehlenden Omega-3-Fettsäuren oder Proteinen. Denn eine rein pflanzliche Ernährung soll zu einer verschlechterten Zufuhr an Eiweiß, Vitamin A, Vitamin B1, Vitamin B12, Eisen, Zink und Omega-3-Fettsäuren führen. Fallen diese Vitamine und Nährstoffe ersatzlos weg, kann dies ernsthafte Schäden zur Folge haben. Mittlerweile gibt es allerdings viele vegane Nahrungsergänzungsmittel, die diese Nährstoffe abdecken.


