Haustierbesitzer wissen, dass ihre tierischen Mitbewohner nicht gerade billig sind. Grundausstattung und laufende Kosten schlagen ein großes Loch in so manche Haushaltskasse. Der Deutsche Tierschutzbund listete im März vergangenen Jahres in einem Facebook-Post die Kosten auf, die Tierbesitzer zu erwarten haben
Nach Berechnung der Tierschützer kostet zum Beispiel eine Fellnase im Laufe seines durchschnittlich 14 Jahre langen Lebens mindestens zwischen 17.500 und 20.000 Euro. Und auch ein schnurrender Mitbewohner geht „richtig ins Geld“. Bei mindestens 13.300 Euro liegen die Kosten für eine Samtpfote. Dabei handelt es sich aber nur um „Basiskosten“. Sonderausgaben wie Tierarztkosten oder Medikamente für den tierischen Mitbewohner sind hierin noch nicht einmal enthalten.
Und da liegt auch das Problem. Denn spätestens seit dem Inkrafttreten der neuen Gebührenordnung (GOT) am 1. November 2022 mussten viele Haustierbesitzer schmerzhafte Entscheidungen treffen. Denn seit der neuen Gebührenverordnung für Tierärzte und Tierärztinnen sind die Kosten für Tierhalter durchschnittlich um ein Drittel gestiegen.
Muss der tierische Mitbewohner aufgrund eines Notfalls gar nachts oder am Wochenende behandelt werden, entstehen sogar zwei- bis dreimal so hohe Tierarztkosten. Bei gleichzeitigen massiven Steigerungen der Lebenshaltungskosten wird damit ein tierischer Mitbewohner für Menschen mit einem geringen Einkommen schnell zum unbezahlbaren Luxus.

Wegen gestiegener Tierarztkosten: Mehr Abgaben in den Tierheimen
Es ist schon lange eine traurige Gewissheit, dass Tierheime immer mehr Tierabgaben zu verzeichnen haben. Nicht nur aufgrund des Corona-Booms. Sondern auch, weil die Besitzer die gestiegenen Tierarztkosten für ihre Haustiere nicht mehr bezahlen können. Ein besonderes Problem liegt dabei bei chronisch kranken oder älteren Tieren. Welch Dramen sich in den betroffenen Familien abspielen, wenn man sich das tierische Familienmitglied einfach nicht mehr leisten kann und dieses abgeben muss, ist unvorstellbar.
Heutzutage wird daher schon dazu geraten, dass sich arbeitslose Menschen und Personen mit wenig Einkommen oder nur einer geringen Rente am besten erst gar kein Haustier anschaffen sollten. Ein häufig genannter Tipp für Tierhalter ist, monatlich wenigstens einen Betrag von 50 Euro beiseite zu legen. Um zumindest für den Notfall gewappnet zu sein und die Tierarztkosten bezahlen zu können. Das kann gerade dann hilfreich sein, wenn das Tier bereits bekannte Vorerkrankungen hat und es schwer ist, dass es von einer Versicherung aufgenommen wird. Allerdings bedeuten auch diese 50 Euro für Bezieher eines geringen Einkommens einen zählbaren Faktor im monatlichen Haushalts-Budget.
Geringe Rente oder Einkommen bereiten Tierhaltern Schwierigkeiten
Dringend werden deshalb Krankenversicherungen für Haustiere empfohlen. Dieser Schutz ist elementar und fängt – je nach gewähltem Tarif – einen Großteil der anfallenden Tierarztkosten ab. Experten weisen allerdings darauf hin, auf die Fristen zu achten, bis der Versicherungsschutz eintritt. Es gilt, frühzeitig eine Versicherung abzuschließen und nicht erst dann, wenn das tierische Familienmitglied Probleme hat.
Veterinärmediziner betonen immer wieder, dass Tierbesitzer Erkrankungen ihrer tierischen Schützlinge auch vorbeugen können. Art- und bedürfnisgerechte Haltung, Pflege, Bewegung und vor allem gesundes Futter helfen dabei, die Tierarztkosten niedrig zu halten. Noch immer ist es das Futter, bei dem die meisten Haustierbesitzer viele Fehler machen. Fehler, die sich dann in der Gesundheit ihrer tierischen Mitbewohner widerspiegeln.
„SWR aktuell“ nimmt sich diesem Thema an
Der „Südwestrundfunk“ (SWR) nahm sich aktuell diesem Thema an. In einem Beitrag verdeutlichte der Sender die Problematik steigender Tierarztkosten und geringem Einkommen anhand der ehemaligen Krankenpflegerin Martina Friehe und ihrer Fellnase Sunny.
Aufgrund des Alters musste sich die Maremmano-Mischlingshündin einer Zahn-OP unterziehen. Die anschließenden Tierarztkosten in Höhe von 1.200 Euro entsprachen dann fast genau der monatlichen Rente von Frauchen Martina. Zwar deckte die Hunde-Krankenversicherung 80 Prozent der OP-Kosten ab, doch kündigte die Versicherung anschließend die Krankenversicherung. Für eine neue Versicherung, die aber nur noch Operationen enthält, muss die Rentnerin jetzt 600 Euro zahlen, statt bisher 300 Euro. – Also genau das Doppelte. Das Schlimme daran ist: Eine komplette Krankenversicherung für Sunny kann sich Martina Friehe jetzt noch weniger leisten.
Abwägen: Brauche ich eine Kranken- oder OP-Versicherung?
„Die Wahrscheinlichkeit für hohe Tierarzt- und OP-Kosten steigt, je älter ein Hund wird“, sagt der Jurist Jörg Bartscherer gegenüber der „dpa“. Eine OP-Versicherung sei seiner Ansicht nach sinnvoller als eine reine Krankenversicherung. Auch wegen der neuen Tierarzt-Gebührenordnung, die die Kosten noch einmal nach oben getrieben hat. Aber nicht nur Operationen schlagen zu Buche – auch Untersuchungen und weitere Behandlungen, die von einer Krankenversicherung abgedeckt werden können.
„Bislang dachten viele Hunde- und Katzenhalter, dass man sich eine Versicherung sparen könne, weil man lieber jeden Monat etwas für den Fall der Fälle zurücklegt – die drastisch gestiegenen Lebenshaltungskosten machen dieses Modell für viele aber hinfällig“, erklärt die Vorständin der „Uelzener Versicherung“, Imke Brammer-Rahlfs.
Der Tierschutzbund Rheinland-Pfalz appelliert daher an künftige Tiereltern, sich unbedingt im Vorfeld über die Kosten eines tierischen Mitbewohners zu informieren. Dazu gehören neben den Unterhalts- und Tierarztkosten auch rassetypische Anforderungen, wie besondere Fellpflege oder Beschäftigungsmöglichkeiten.
Tipp: Tier möglichst früh versichern
Bei der Hundekrankenversicherung spielen das Alter, die Größe und eine mögliche Vorerkrankung eine Rolle, so Anja Käfer-Rohrbach vom „Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)“ zu „dpa“. Wichtig ist, zu klären, was die Versicherung abdeckt und welche Ausschlussklauseln es gibt.
Du solltest genau hinschauen und Gebühren und Leistungen vergleichen: Es gibt Krankenversicherungen, die werben für eine Gebühr von 42 Euro monatlich für eine 100-prozentige Kostenübernahme sowohl bei Tierarzt- wie auch OP-Kosten. Diese sinke jedoch auf 80 Prozent, sobald ein Hund sechs Jahre oder älter ist. Andere kosten nur 32 Euro im Monat, übernehmen aber nur 140 Euro jährlich für die Vorsorge.
Bartscherer rät, vor dem Abschluss einer Versicherung auf jeden Fall genau nachzufragen, ob es Rabatte gibt: Viele Versicherungen hätten Kooperationen mit Rasseverbänden oder gäben Nachlässe für Züchter und VDH-Mitglieder.
Außerdem bittet der Tierschutzbund um eine ehrliche Selbstreflexion. Denn keinem Tier ist geholfen, wenn es nach wenigen Wochen oder Monaten wieder abgegeben wird. Es gibt andere Möglichkeiten, Zeit mit seinem Lieblingstier zu verbringen. Zum Beispiel als Tiersitter, Gassigänger oder als ehrenamtlicher „Tierkuschler“ oder Pate.
Doch wer einmal einen tierischen Mitbewohner hatte, wird immer wieder einen neuen Schützling bei sich aufnehmen wollen. So wie auch Rentnerin Martina Friehe, die sofort wieder eine Fellnase adoptieren würde, sollte ihre Sunny einmal sterben. Denn ihre Liebe zu Hunden sei einfach zu groß und ihr jeden Euro an Unterhaltskosten wert, berichtet der „SWR“. Solange die Tiere die nötige Pflege und Behandlung bekommen und nicht unter den finanziellen Nöten mitleiden müssen…



