Wir kennen sie aus bunten Instagram-Feeds oder weil sie aus den Handtaschen von Celebritys gucken: winzige Hündchen, die sogenannten Toy- oder Teacup-Dogs. Zu deutsch: Spielzeug- beziehungsweise Teetassenhunde. Für viele scheinen die Tiere vor allem ein süßes Accessoire zu sein. Aber dadurch gerät in Vergessenheit, dass auch kleinste Hunde Tiere mit Bedürfnissen sind – die für den Niedlichkeitsfaktor oft leiden müssen.
Weil Teacup- oder Toy-Hunde keine anerkannte Rasse sind, gibt es keine offiziellen Zahlen, wie viele von ihnen in Deutschland gehalten werden. Und es gibt kein Zuchtverzeichnis, in dem ihre Zuchtmerkmale eingetragen sind.
Wodurch zeichnen sich die Miniaturhunde also aus? Um sogenannte Teacup-Dogs zu erzeugen, werden Rassen, von denen viele ohnehin eher klein sind, noch kleiner gezüchtet. Dazu paaren Züchter die kleinsten und schwächsten Tiere aus eine Wurf mit anderen „Kümmerchen“.
So entstehen die kleine Größe und häufig auch andere Merkmale der Teacup-Hunde, wie der große Kopf und die Stupsnase. Damit erfüllen die Vierbeiner perfekt das Kindchenschema – und wir finden sie automatisch zuckersüß.
Gesundheitliche Risiken bei Teacup-Dogs
Allerdings birgt die Zucht mit den kleinsten Tieren einer Rasse auch einige gesundheitlichen Risiken. So warnt etwa die britische Tierschutzorganisation „Blue Cross“, dass es bei Teacup-Dogs zu Krankheiten kommen kann. Zum Beispiel:
- Unterzuckerung
- Atemproblemen
- Herzleiden
- rutschenden Kniescheiben und in Folge Arthritis
- portosystemischer Shunt, was Krampfanfälle auslösen kann
- Wasserkopf
Außerdem sind die Mini-Hunde anfälliger für Trachealkollapse, also einen Kollaps der Luftröhre, für Verdauungsprobleme, Erblindung, fragilere Knochen und Bandscheibenbeschwerden. Auch Probleme mit Zähnen und Zahnfleisch sind nicht selten.

„Die Gesundheitsrisiken für diese kleinen Hunde sind signifikant“, sagt auch Tierärztin Judy Morgan gegenüber „PetMD“. „Das ist keine natürliche Zuchtsituation. Das ist eine unnatürliche Praktik von Züchtern, die einen Vermarktungsvorteil suchen.“
Aufgrund der kleinen Größe warnen Tierärzte außerdem, dass bei Teacup-Dogs schon nach einer verpassten Mahlzeit der Blutzucker rapide abfallen kann. Zudem frieren sie schneller. Und: Sie sind oft schwieriger zu behandeln. „Können Sie sich vorstellen, einem 1,5-Kilo-Hund eine Infusion zu legen?“, fragt Tierärztin Cathy Meeks.
Weitere Beeinträchtigungen von Teacup-Dogs
Hinzu kommt, dass die Miniaturhunde häufig nicht so viel Kontakt zu Artgenossen haben. Denn anstatt mit anderen Hunden über die Hundewiese zu tollen, werden sie häufiger getragen. Bewegungsmangel ist die Folge, aber auch Probleme beim Sozialverhalten. Außerdem kommt dadurch das Schnüffeln zu kurz – ein natürlicher Hundeinstinkt, durch den die Vierbeiner viel über ihre Umgebung erfahren.
Denn egal wie klein Hunde sind, sie sind immer noch Hunde mit den für sie typischen Bedürfnissen. „Hunde sind soziale Tiere“, sagt daher auch Tierheim-Mitarbeiterin Veronica Perry gegenüber „The Dodo“. Wie viele andere Tierschützer sieht sie den Trend äußerst kritisch.

Auch hierzulande setzen sich verschiedene Vereine gegen die Zucht der Mini-Rassen ein. Denn aufgrund der zahlreichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen sehen sie Teacup-Dogs als Qualzuchten an. Explizit verboten sind die Teetassen-Hunde allerdings nicht. Denn dafür ist der Paragraph 11b des Tierschutzgesetzes „sehr offen formuliert“, erklärt Andrea Mihali vom „Deutschen Tierschutzbund“ gegenüber dem „Bayrischen Rundfunk“.
Darin steht unter anderem, dass Zucht bei den Nachkommen nicht zu mit Leiden verbundenen erblich bedingten Verhaltensauffälligkeiten führen oder bei ihnen die Haltung nur unter Schmerzen möglich sein darf. Zudem ist in der Zuchtverordnung des Zuchtverbands „VDH“ eigentlich festgelegt, dass Hunde, mit denen gezüchtet wird, mindestens zwei Kilogramm auf die Waage bringen müssen. Diese Grenze unterschreiten Teacup-Dogs jedoch häufig.
Unter anderem aus diesem Grund könne es in Deutschland keine seriöse Zucht von Toy- oder Teacup-Hunden geben, so die „Welttierschutzgesellschaft“.
Warum kaufen Menschen dann überhaupt Teacup-Welpen?
Wenn Teacup-Dogs für ihr Aussehen offenbar so sehr leiden, warum werden sie trotzdem gekauft? Experten vermuten, dass der Trend in den 2000er Jahren durch Paris Hilton ausgelöst wurde. Auf Paparazzi-Bildern war sie regelmäßig mit Chihuahua auf dem Arm zu sehen, danach schaffte sie sich einen Teacup-Hund an.
Auch die Sozialen Medien – allen voran Instagram – dürften zur wachsenden Beliebtheit beigetragen haben. Zudem könnten sich die künftigen Halter einige vermeintliche Vorteile erhoffen. So können die kleinen Vierbeiner leicht transportiert und quasi überall mit hingenommen werden. Und so lange sie gesund sind, benötigen die Mini-Hunde nur wenig Futter oder Medikamente.
Doch egal, welche Vorteile sich künftige Herrchen und Frauchen von den Teacup-Dogs versprechen: Sie sollten sich bewusst machen, dass sie sich ein leidendes, verhaltensauffälliges Tier ins Haus holen könnten. Und sich überlegen, ob das Wohl des Tieres wirklich hinter den eigenen Schönheitsidealen zurückstehen sollte.



