Das Start-up „STRAYZ“ bezeichnet sich selbst als „erste soziale Tierfuttermarke“. Warum? Das Unternehmen verkauft nicht nur Bio-Hunde- und -Katzenfutter, sowie Merch für Tierfans. Es spendet auch pro verkauftem Produkt einen festen Betrag an Tierschutzprojekte für Streunertiere in Europa und Indien.
Das heißt: Wenn Du Deine Mieze oder Deinen Bello mit „STRAYZ”-Futter fütterst, versorgst Du quasi eine Straßenkatze oder einen Streunerhund für einen Tag mit. Gegründet wurde die Futtermarke 2020 von den Freundinnen Madeline Metzsch (35), Saskia te Kaat (31) und Stefanie Zillessen (36). DeineTierwelt hat mit Madeline Metzsch und Mitarbeiterin Johanna Beck (25) über Tierfutter fürs gute Gewissen gesprochen.
Bevor das Hunde- und Katzenfutter von „STRAYZ“ überhaupt in den ersten Näpfen landen konnte, gab es eine Reise ins Urlaubsparadies – das für die Tiere vor Ort allerdings alles andere als paradiesisch ist. „Die ganze verrückte Reise begann eigentlich schon 2019, als ich im Urlaub war“, erzählt Madeline Metzsch. „Da war ich auf den Seychellen in einem ganz kleinen Guest House, und das erste was ich gesehen habe, als ich angekommen bin, war eine Miez.“
Schicksal einer schwangeren Straßenkatze inspiriert
Die 35-Jährige bezeichnet sich selbst als „verrückte Katzenfrau“. Kein Wunder also, dass sie sofort vor Freude über die „Urlaubskatze“ quietschte. Doch schnell schlug die Freude in Verzweiflung um: Der Betreiber ihrer Unterkunft erzählte, er habe bereits dreimal versucht, das Tier auszusetzen. Metzsch war schockiert darüber, dass die Mieze, die sogar offensichtlich schwanger war, einfach verstoßen werden sollte.
Doch natürlich waren ihre Möglichkeiten, zu helfen, begrenzt: „Das einzige, was ich vor Ort machen konnte, war zu schauen: Gibt‘s eine Tierschutzorganisation? Kann ich Kontakte vermitteln? Können die sich dieser Katze annehmen? Es war halt auch keine Option, eine schwangere Katze aus den Seychellen nach Deutschland einzufliegen…“ Und die Katze war kein Einzelfall: Die ganzen Strände waren voller Straßenhunde.

Schnell kam Madeline Metzsch ins Grübeln: „Jedes Mal, wenn ich reise, werde ich mit dem Thema Straßenkatzen, Straßenhunde so richtig krass konfrontiert.“ Und mittlerweile weiß sie, dass auch Deutschland ein massives Problem mit Straßenkatzen hat – wenn auch nicht so stark wie in anderen Ländern.
Start-up-Idee als Urlaubssouvenir
Wenn sie schon nicht das Kätzchen aus dem Seychellen-Urlaub mit nach Hause nehmen konnte, dann immerhin diese Idee: „Wieso kann ich nicht ein Futter machen, was richtig gut von den Inhaltsstoffen ist, (…) und auch noch diesen sozialen Aspekt mit sich bringt?“ Das war die Idee, die sie ihren Freundinnen Saskia te Kaat und Stefanie Zillessen vorstellte.
Die drei waren bereits zuvor lange Zeit Kolleginnen, und konnten sich sofort vorstellen, gemeinsam den Schritt zur Unternehmensgründung zu wagen. Und so saßen sie im November 2020 beim Notar, hatten ihre Jobs gekündigt, und starteten in „das größte Abenteuer unseres Lebens“.

Dabei sei aber natürlich nicht alles nur einfach gewesen: „Es ist eine Achterbahnfahrt.“ Wenn man zum Beispiel am Ende des Monats nicht wisse, ob man alle offenen Rechnungen überhaupt zahlen könne. Auch die Kalkulation könne mal daneben gehen: So sei schon zu viel Ware bestellt worden, die danach kaum Abnehmer fand, oder anders herum zu wenig Ware für einen zu großen Ansturm.
Doch Madeline Metzsch lernte, eine gewisse Hoffnung und ihren Optimismus zu behalten: „Das Schöne, das ich dadurch gelernt habe, neben den vielen Tränen – vor Freude, aber auch vor Verzweiflung –, die in den letzten drei Jahren geflossen sind, ist vor allem, dass am Ende meistens alles gut ausgeht.“
Diese Einstellung hilft ihr auch beim Tierschutz-Aspekt des Unternehmens. Immerhin hat sich „STRAYZ“ keine leichte Aufgabe vorgenommen. 680 Millionen Straßenkatzen und Streunerhunde leben Schätzungen zufolge weltweit. „Es ist ein ambitioniertes Ziel zu gründen und zu sagen: Wir wollen allen Streunern helfen“, so Metzsch.
Millionen Futterspenden für Straßenkatzen und Streuner
„Aber ich glaube: Man muss halt einfach was tun. Und klar, kann man sich dann darin verlieren.“ Angesichts einer so großen Zahl sei man schnell blockierte und gebe gleich auf. „Aber ich denke: Jede Mahlzeit, die wir einem Straßenhund und einer Straßenkatze ermöglichen können, jede Kastration, ist ein Schritt in die richtige Richtung.“ Und es zahlt sich aus: Mehr als 2,6 Millionen Futterspenden hat „STRAYZ“ nach eigenen Angaben bereits ermöglicht, mehr als 600 Kastrationen konnten dank ihrer Unterstützung durchgeführt werden (Stand: Dezember 2023).
Die soziale Idee habe einen Nerv getroffen, so Madeline Metzsch: „Wir haben ja mitten in der Pandemie gegründet. Und da gab es diesen Boom, dass sich alle Katzen und Hunde angeschafft haben – aber auch sehr viele wieder in die Tierheime gerutscht sind, weil die Leute dann auf einmal nach dem Lockdown doch nicht so viel Zeit für Tiere hatten.“
So sei das Thema medial sehr präsent gewesen – und auch in den Sozialen Medien sei das Schicksal von Straßenhund und -katzen in den Fokus gerückt, resümiert Johanna Beck. Die 25-Jährige arbeitet nicht nur im Social-Media-Team von „STRAYZ“, sie engagiert sich auch selbst für den Verein „Nordic Strays e.V.“.

Zwei Katzenfutterbeutel = eine tägliche Futterration für eine Straßenkatze
Vor Festlegung des Spendenanteils pro verkauftem Produkt ging „STRAYZ“ von Anfang an in den Dialog mit Tierschützern. Dabei kam heraus, dass das Futter für eine Straßenkatze im Schnitt 20 Cent am Tag kostet, für einen Straßenhund im Schnitt 30 Cent. Wer seiner Katze zwei Beutel „STRAYZ“-Katzenfutter am Tag füttert, versorgt so eine Straßenkatze mit. „Dadurch, dass der Tierschutz zur DNA unserer kompletten Firma gehört, wollen wir das auch in die DNA des Produkts einpreisen.“
Bei den Merch-Sachen – also alles von Socken bis hin zu Pullovern – fließen die Spendenanteile von vier bis 25 Euro in die medizinische Versorgung. Die Spenden decken also zum Beispiel die durchschnittlichen Kosten für Wurmkuren oder Kastrationen ab. „Und dadurch, dass wir regelmäßige Spenden im Monat an Tierschutzvereine übergeben können, haben die natürlich mehr Geld als Rücklage, um andere Projekte machen zu können“, so Johanna Beck. Die Organisation „Paws“ auf Paros mache dadurch beispielsweise Aufklärungsarbeit an Schulen vor Ort in Griechenland.
Zwölf Tierschutzvereine unterstützt „STRAYZ“ aktuell mit Spenden. Neue Vereine können sich auf eine „Held*innen-Liste“ setzen lassen. „Es ist einfach Wahnsinn, wie viele Vereine es gibt und wie viele tolle Menschen in Vereinen aktiv sind, das macht mich immer glücklich zu sehen, wie engagiert die Leute da draußen sind“, schwärmt Madeline Metzsch.
Entsprechend schwer sei die Entscheidung, an welche Vereine die Spenden gehen sollen. „Auch wenn wir Anfragen von anderen Vereinen bekommen – es blutet einem immer das Herz, dass wir nicht sagen können: ‚Ja, wir nehmen Euch auch noch auf!‘” Generell übernimmt das Unternehmen nur maximal ein Drittel des gesamten Spendenbedarfs, um die Tierschutzvereine nicht komplett von sich abhängig zu machen. „Wir sind ein Start-up, wir wissen nicht, ob das nicht auch irgendwann mal zu Ende geht.“
„STRAYZ“ hilft auch bei Tiervermittlung
Aber auch über Spenden hinaus kann „STRAYZ“ Tierschutzorganisationen und Tierheimen helfen. Zum Beispiel in der Vermittlung: Jede Woche werden auf den beiden Instagram-Kanälen die „Strayz of the Week“ geteilt. Also Hunde und Katze in Tierheimen, die gerade ein neues Zuhause suchen. Außerdem gibt es ein Empfehlungsprogramm, bei dem auch andere Organisationen das Futter empfehlen, und daran eine Provision verdienen.
Gleichzeitig will das Unternehmen das Bewusstsein dafür wecken, dass auch die eigenen Katzen in Deutschland kastriert werden sollten. „Ich glaube, man muss positiv bleiben, um überhaupt was bewirken zu können“, meint Johanna Beck. Und es gibt erste Fortschritte. Einer der unterstützten Tierschutzvereine hat etwa dafür gesorgt, dass es in Dortmund und Umgebung mittlerweile eine Kastrations- und Registrierungspflicht gibt.
Die eigenen Haustiere als „Test-Fresser“
Übrigens: Das Hunde- und Katzenfutter von „STRAYZ“ wird nicht an Tieren getesteten – außer an den eigenen Haus- und Pflegetieren aus dem Team. Zum Probefressen dürfen die zahlreichen Hunde und Katzen der Mitarbeiterinnen an den Napf. Zum Beispiel die beiden Pflegekatzen, die aktuell bei Johanna Beck wohnen.

Besonders wichtig bei der Entwicklung des Futters sei der Bio-Anspruch gewesen: „Wir sind in unserem Team fast alle vegetarisch oder vegan“ – da sei der Schritt in die Fleischindustrie „mit sehr vielen sozialen und ethischen Gewissensfragen verbunden“, so Madeline Metzsch. „Deswegen stand für uns immer fest: Wenn wir es machen, dann muss es bio sein. Weil sonst fühlt es sich richtig eklig an.“
Zum Glück fand das Team eine Manufaktur in Bayern, die bio produziert und anstelle von sogenanntem „Fleischmehl“ hochwertige Muskel- oder Fleischbestandteile aus Reste von der Lebensmittelindustrie verwendet. „So muss für unser Futter kein Tier extra geschlachtet werden.“ Und mittlerweile arbeitet „STRAYZ“ nicht mehr nur mit Tier-Ernährungsberaterinnen aufseiten des Herstellers zusammen, sondern hat auch im Team eine Tier-Ernährungsberaterin.
So freut sich das Unternehmen nicht nur über erfolgreich vermittelte Tiere und jeden unterstützen Verein, sondern auch über die Nachrichten von Tierhaltern, die zum Beispiel endlich ein Katzenfutter gefunden haben, von dem ihre Mieze keinen Durchfall bekommt.
„Du fütterst. Du hilfst.“
Business und Botschaft – bei „STRAYZ“ funktioniert diese Kombination aktuell also gut. Mittlerweile gibt es das Hunde- und Katzenfutter von „STRAYZ“ nicht nur im eigenen Onlineshop, sondern auch bei „Budni“, „Rossmann“, sowie online bei „Fressnapf“, „Zoo Royal“ und „Zooplus“.
Natürlich könne man auch direkt an Tierschutzvereine spenden, so Madeline Metzsch. „Und wir freuen uns über jeden, der das tut.“ Aber wenn man als Tierhalter ohnehin Futter für seine Katze oder seinen Hund kaufen müsse, dann könne man damit ja auch etwas Gutes für die Tiere auf der Straße tun.
Zum Schluss zitiert Johanna Beck Tierschützerin Swetlana: „Egal, welchen Beitrag man leistet, egal ob er groß oder klein ist. Jeder Cent-Beitrag, jedes Bisschen kann so viel helfen. Weil wenn mehrere Leute mitmachen, dann macht es ganz schnell schon ganz viel aus. Und man sollte nie unterschätzen, wie viel so ein Beitrag einer einzelnen Person wert sein kann.“
Das ganze Gespräch mit Madeline Metzsch und Johanna Beck von „STRAYZ“ kannst Du bei dem DeineTierwelt-Podcast „Tierschutz-Update“ auf Spotify, Apple Podcasts, oder einer anderen Podcast-Plattform hören.



