- Katzen sehen ihre Halter zwar nicht als Eltern im menschlichen Sinne, doch sie bauen ähnlich wie Kinder eine sichere und vertrauensvolle Bindung zu ihnen auf.
- Eine US-Studie mit dem „Secure Base Test“ zeigt, dass über 64 Prozent der Katzen bei Stress Sicherheit bei ihren Besitzern suchen, vergleichbar mit der Bindung von Kindern zu ihren Eltern.
- Obwohl Katzen unabhängiger wirken als Hunde, zeigen sie durch subtile Verhaltensweisen wie Kuscheln, Anstupsen oder langsames Blinzeln ihre Zuneigung und enge Bindung zu ihrem Menschen.
Während sich Bello schwanzwedelnd kaum noch einkriegt, wenn Du nach Hause kommst, scheint Deine Anwesenheit Deinen schnurrenden Mitbewohner kaum bis gar nicht zu interessieren. Ab und zu lässt sich Dein Stubentiger dazu herab, von Dir gestreichelt zu werden. Ansonsten geht er seine eigenen Wege, fordert lediglich lautstark einen lecker gefüllten Fressnapf, sinnvolle Beschäftigungsspiele und eine saubere Toilette von Dir. Die kleinen Vierbeiner gelten als unabhängig, distanziert und wenig anhänglich. Es scheint daher eher unwahrscheinlich, dass Deine Katze ihren Menschen jemals als ihr Elternteil sehen wird.
Trotzdem waren auch 2024 die Samtpfoten laut dem „Zentralverband zoologischer Fachbetriebe“ das beliebteste Haustier Deutschlands. In rund 25 Prozent aller deutschen Haushalte leben Stubentiger, insgesamt sind es circa 15,9 Millionen der kleinen Vierbeiner. Doch ähnlich wie Hunde denkt auch Deine Katze nicht in menschlichen Kategorien und wird Dich daher nicht als ihr Elternteil ansehen.
Aber was die meisten Katzenmamas und Katzenpapas insgeheim schon immer wussten, hat eine US-Studie offiziell bestätigt. Ähnlich wie für Kinder die Eltern, für Hunde Frauchen und Herrchen sind auch für Katzen ihre Menschen wichtige Bezugspersonen, die weit über Dosenöffner, Toilettensäuberer und Bespaßer hinausgehen. Doch was genau hat die US-Studie herausgefunden?
Schmusetiger machen diesem Kosenamen alle Ehre
Forscher der „Oregon State University“ haben für eine Studie mit dem sogenannten „Secure Base Test“ analysiert, wie wichtig der Besitzer für seine Katze ist. Dieser Test findet eigentlich nur bei Kindern Verwendung, um die Bindung zu ihren Eltern oder einer anderen Bezugsperson zu untersuchen.
Die Katzenforscher haben mit dem „Secure Base Test“ das Verhalten von rund 70 Schmusetigern im Alter von drei bis acht Monaten beobachtet. Die jeweiligen Besitzer haben ihre kleinen Schützlinge mit in einen fremden, videoüberwachten Raum genommen. Darin blieb die Katze zusammen mit ihrem menschlichen Elternteil zunächst zwei Minuten zusammen, bevor der Zweibeiner den Raum verließ. Nachdem die kleine Samtpfote zwei Minuten alleine gewesen war, kam der Besitzer wieder zurück.
Das Ergebnis: 64,3 Prozent der kleinen Stubentiger zeigten Anzeichen einer gefestigten und sicheren Beziehung zu ihren Besitzern. Die Katzen waren gestresst und miauten viel, solange sie alleine waren. Kam der Besitzer jedoch zurück, hörten sie auf zu miauen, suchten die menschliche Nähe und erkundigten neugierig den Raum.
Denselben Versuch unternahmen die Forscher anschließend mit insgesamt 38 älteren Katzen ab einem Alter von einem Jahr. Bei ihnen zeigte sich ein ähnliches Bild: 65,8 Prozent hatten eine innige und vertrauensvolle Bindung zu ihren Menschen.
Katzen suchen Sicherheit bei ihren Haltern
Katzenforscherin Kristyn Vitale fasst die Ergebnisse der Tests wie folgt zusammen: „Katzen, die unsicher sind, rennen oft weg und verstecken sich oder scheinen sich zu distanzieren. Seit langer Zeit denken wir, alle Katzen verhielten sich so. Aber für die Mehrheit der Katzen ist ihr Besitzer Quelle der Sicherheit. Sind sie gestresst, fühlen sie sich bei ihrem Halter sicher.“ Versteckt sich Deine Katze, solltet Du der Sache auf jeden Fall auf den Grund gehen, denn es kann auch bedeuten, dass sie krank ist oder etwas anderes nicht stimmt.
Überraschenderweise entsprechen diese Zahlen in etwa denen von Kindern. Bei ihnen sind es 65 Prozent, die dem „Secure Base Test“ zufolge eine sichere und vertrauensvolle Bindung zu ihren Eltern haben.
Aber erstaunlicherweise mindern Kleidungsstücke, die nach der Lieblingsbezugsperson von Katzen riechen, bei der Abwesenheit der Menschen nicht den Trennungsstress der Katzen. Das zeigte kürzlich diese Studie.
Anzeichen, dass Deine Katze Dich vielleicht doch als Elternteil sieht
Deine Katze ist schlau und weiß daher, dass Du niemals ihr Elternteil sein kannst. Sie merkt, dass Du anders riechst und Dich auch nicht „katzenlike“ verhältst. Du kannst also niemals die große, komische und haarlose Katze sein, die sie zur Welt gebracht hat. – Auch wenn sich Kätzchen recht schell von ihrer Mutter abnabeln.
Aber nur, weil Deine Katze weiß, dass Du nicht ihr Elternteil sein kannst, heißt das nicht, dass sie Dich nicht im „Katzensinne“ liebt. Kristiina Wilson, Spezialistin für Katzenverhalten, nennt gegenüber dem Online-Tiermagazin „Kinship“ mögliche Arten, wie Dein schnurrender Mitbewohner seine Liebe zu Dir zeigen kann:
- Er folgt Dir.
- Er kuschelt mit Dir und schläft eingerollt neben Dir.
- Er blinzelt Dich langsam an.
- Er begrüßt Dich, wenn Du nach Hause kommst.
- Er spielt mit Dir.
- Er reibt sich an Dir.
- Er gibt Dir Katzenküsse.
- Er stupst Dich mit seinem süßen Näschen an.
- Er lässt sich von Dir am Bauch kraulen.
- Er bringt Dir Geschenke.
Wie Du noch herausfinden kannst, ob Du der Lieblingsmensch Deiner kleinen Samtpfote bist, erfährst Du hier.
Fazit: Für Deine Katze wirst Du niemals Mama oder Papa sein, aber...
Dass unsere schnurrenden Mitbewohner uns nur als ihr Personal oder ihre Dosenöffner sehen, ist ein Vorurteil. Ähnlich wie Fellnasen gehen auch Samtpfoten eine enge und innige Beziehung zu ihren Haltern oder Bezugspersonen ein. Sie zeigen es nur nicht so offensichtlich wie ein mit dem Schwanz wedelnder Hund.
Wenn Du jedoch die Katzensprache verstehst und richtig deutest, merkst Du, welch wichtige Rolle Du im Leben Deines pelzigen Freundes mit dem süßen Näschen spielst. Er zeigt es Dir jeden Tag. Allerdings auf seine Art.




