Wenn es im Frühjahr wärmer wird, zieht es nicht nur uns Menschen und unsere tierischen Schützlinge raus in den Garten oder in die Natur. Auch Käfer und Insekten krabbeln dann aus ihren Verstecken. Kreuzt jedoch ein Käfer, dessen Körper in der Sonne in schwarzblauen oder violetten Farbtönen glänzt, Deinen Weg ist Vorsicht geboten.
Dann gilt die Devise: nur angucken. Auf keinen Fall anfassen! Denn hierbei handelt es sich um einen Schwarzblauen Ölkäfer (lat. Meloidae), auch Maiwurm genannt. Neben den charakteristischen Farben erkennst Du den Krabbler an seinem kleinen, ovalen Kopf und an seinem langen Hinterleib.
Die männlichen Ölkäfer können bis zu zehn Millimeter groß werden. Die Weibchen erreichen sogar eine Körpergröße von bis zu 35 Millimetern. Denn ihr Hinterleib schwillt mit der Entwicklung der Eier stark an. Damit, schreibt das „Deutsches Entomologisches Institut den Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung“ (SDEI), sind die weiblichen Ölkäfer „Schwergewichte im Käferreich“.
Schwarzblauer Ölkäfer: Vorsicht, giftig!
Kaum zu glauben: Der Käfer gehört zu den giftigsten Tieren, die es in Deutschland gibt. Denn der Schwarzblaue Ölkäfer ist ein wahrhaft wehrhafter Krabbler. Fühlt er sich gestört, sondert er aus Poren in den Kniekehlen ein Sekret ab, das den giftigen Wirkstoff Cantharidin enthält.
Kommt dieses Sekret mit der Haut in Berührung, rötet sie sich und es bilden sich Blasen, die Augen fangen an zu tränen und zu brennen. Es kann auch zu Entzündungen und nässenden Wunden kommen. Verschlucken Menschen einen Schwarzblauen Ölkäfer, können sie daran sogar sterben. Wer mit dem Insekt in Berührung kommt, sollte sich gründlich die Hände waschen und die betroffene Stelle danach kühlen.
Bei Kontakt mit den Augen muss sofort eine augenärztliche Praxis aufgesucht werden. Falls Du den Schwarzblauen Ölkäfer aus Versehen verschlucken solltest, solltest Du auf keinen Fall Erbrechen auslösen, sondern sofort 112 anrufen oder zügig den örtlich zuständigen Giftnotruf verständigen. Die Liste der Giftnotruf-Zentralen in Deutschland, Österreich und der Schweiz findest Du beim „Bundesamt für Verbraucherschutz- und Lebensmittelsicherheit“.

Wann und wo kommt der Schwarzblaue Ölkäfer vor?
Der Schwarzblaue Ölkäfer ist für seine Vermehrung auf Wildbienen angewiesen, da sich seine Larven von den Larven und dem Pollenvorrat der Wildbienen ernähren. Du kannst den kleinen Käfern daher in vielen verschiedenen Lebensräumen mit offenen, sonnigen und sandigen Stellen begegnen, in deren Nähe auch Wildbienenvölker vorkommen.
Zum Beispiel sind das: Gärten, Parks, lichte Wälder, Wegränder, Trockenrasen, Heiden und Streuobstwiesen. Insbesondere von April bis Juni findest Du das Insekt vermehrt. Ihre Hochsaison haben die Schwarzweißen Ölkäfer im Mai, wenn die Weibchen ihre Eier in sich tragen.
Der Lebensraum der Ölkäfer ist jedoch zunehmend eingeschränkt und mit dem Rückgang der Wildbienen finden die Larven des kleinen Krabblers immer weniger Nahrung. Daher ist es nicht verwunderlich, dass das Vorkommen des Ölkäfers rückläufig ist. Das Insekt des Jahres 2020 ist daher als gefährdete Art eingestuft und es ist nicht erlaubt, ihn zu bekämpfen.
Cantharidin: Gift- und Heilmittel
Der Name „Ölkäfer“ leitet sich von dem öligen Sekret, das die Tiere absondern, ab. Das Öl schützt das Insekt vor Ameisen und räuberischen Laufkäfern. Das Öltröpfchen an den Beinen der Käfer enthält das im Körper der Insekten vorkommende Nervengift Cantharidin, welches bereits in geringer Dosierung tödlich ist. Nur zehn bis 60 Milligramm reichen aus, um einen Menschen zu töten. Somit ist der Krabbler nicht nur für uns Menschen, sondern vor allem auch für Hunde hochgefährlich.
Laut dem „Gemeinsamen Giftinformationszentrum“ (GGIZ) kann es unter anderem zu Magen-Darm-Beschwerden, zu Nierenschädigungen und sogar zu Nierenversagen kommen. Auch Kreislaufstörungen bis hin zum Kreislaufversagen sind möglich.
Das hört sich aber dramatischer an, als es in der Wirklichkeit oft der Fall ist. Denn dem „Naturschutzbund Deutschland“ (Nabu) zufolge seien bisher keine gefährlichen Vergiftungen von Menschen oder Tieren bekannt.
Kein Grund zur Besorgnis für Hundehalter
Wer dem Schwarzblauen Ölkäfer in freier Wildbahn begegnet, sollte ihn einfach seiner Wege ziehen lassen. Denn er wird nicht ohne Grund aggressiv. „Nabu“-Experte Claus Wurst: „Man müsste schon einen Käfer buchstäblich bis aufs Blut reizen und sich hinterher in den Augen reiben oder den Finger ablutschen, um überhaupt etwas zu bemerken.“
Auch Hundehalter müssen sich keine Sorgen machen, selbst wenn ihr Liebling dem Ölkäfer zu nahe kommen sollte. „Seine Ausscheidungen von stark riechenden Hämolymphtröpfchen schreckt bei starken Störungen rasch jeden Hund ab“, so der „Nabu“-Experte weiter.
Die Ernennung des schwarz-blau schimmernden Ölkäfers zum Insekt des Jahres 2020 hat „SDEI“-Direktor Professor Dr. Thomas Schmitt unter anderem dadurch begründet: „Dieser schwarz-blau glänzende Sechsbeiner ist seit 3.500 Jahren Bestandteil unserer Kultur. Das Reizgift Cantharidin im Körper des Käfers wird seit jeher gegen eine Fülle von Krankheiten verwendet.“
In den vergangenen Jahren ist der Ölkäfer auch verstärkt in den Fokus der modernen Wissenschaft gerückt. Sowohl Medizin als auch Molekularbiologie, Chemie und Pharmakologie sind daran interessiert, mehr über Cantharidin und seine Einsatzmöglichkeiten bei der Behandlung verschiedener Krankheiten zu erfahren. Denkbar wäre zum Beispiel die Anwendung bei Krebserkrankungen, Schlaganfällen, Herzerkrankungen, Diabetes und Hautinfektionen.
Ob Ölkäfer, Maiwurm, Blasenkäfer, Pflasterkäfer oder Pisskäfer: Egal wie man den kleinen Krabbler nennt, seit mehr als 3.500 Jahren nutzt uns der kleine Kerl mehr, als dass er uns schadet.



