Allein, schwach und unter Schmerzen wurde eine Scottish-Fold-Katze am Straßenrand in Ostrau aufgefunden. Sie kam ins Tierheim „Wiesengrund“ in Ostrau, doch trotz Fürsorge war ihr Zustand kritisch: vergrößerte Gelenke, kaum mobil, gezeichnet von Qualzucht.
Röntgenaufnahmen bestätigten den Verdacht der Tierschützer: Die Katze litt an massiven, durch Zucht verursachten Fehlbildungen an den Pfoten. Jeder Schritt bedeutete Schmerz. Letztlich blieb nur der traurige Entschluss, das Tier zu erlösen. Ihr Fall ist kein Einzelfall, sondern Ausdruck eines systemischen Problems in der Katzenzucht.
Scottish Fold: Süß, aber krank
Scottish-Fold-Katzen, auch Faltohrkatzen genannt, gelten mit ihren runden Gesichtern, Knickohren und große Augen als besonders niedlich. Auf dem Markt erzielen sie mitunter hohe Preise. Doch hinter diesem Aussehen steckt ein genetischer Defekt mit schweren Folgen für das Tier. Die Krankheit Osteochondrodysplasie sorgt für deformiertes Knorpelgewebe im ganzen Körper. Die Samtpfote aus Ostrau in Sachsen litt ebenfalls unter diesen Qualzucht-Merkmalen, berichtet der Tierschutzbund auf Instagram.
Die Zucht führt zu dauerhaften Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und stark reduzierter Lebensqualität. Oft zeigen bereits junge Katzen erste Symptome wie wenig Bewegungsdrang, kaum Sprünge und eine generelle Lahmheit. Mit zunehmendem Alter verstärken sich die Beschwerden, oft begleitet von Verhaltensänderungen. Manche Tiere reagieren aggressiv auf Berührungen – ein Schutzmechanismus gegen den Schmerz. Spielen, Klettern oder Rennen wird für sie zur Qual.
Qualzucht mit System: Warum das Verbot längst überfällig ist
Die deformierten Ohren sind nur das sichtbare Zeichen der tiefgreifenden genetischen Schäden. Betroffene Katzen können ihre Ohren nicht richtig nutzen und haben dadurch Probleme bei der Kommunikation. Zudem treten Missbildungen an Beinen, Rücken und Schwanz auf. Die Bundestierärztekammer sieht darin einen klaren Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Im Jahr 2020 urteilte das Verwaltungsgericht Ansbach: Die Zucht von Scottish Folds ist verboten.
Paragraf 11b des Tierschutzgesetzes untersagt Zuchten, die Tieren Schmerzen oder Leiden zufügen. Trotzdem werden Tiere mit Faltohren weiterhin gezüchtet – häufig unter falschen Angaben. Immer mehr Scottish-Folds landen deshalb in Tierheimen. Auch Mischlinge mit British Kurzhaar tragen häufig das schädliche Gen in sich. Tierschützer warnen deshalb vor dem Kauf solcher Tiere. Ein modischer Trend dürfe niemals über das Wohl eines Lebewesens gestellt werden.




