- Hauskatzen sind besonders von schleichenden Vergiftungen betroffen, da sie durch Reinigungsmittel, Hausstaub und belastetes Futter regelmäßig mit Schadstoffen in Kontakt kommen.
- Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Katzen bis zu 23-mal mehr Schadstoffe als Menschen im Körper haben, darunter gefährliche Neurotoxine und Chemikalien-Rückstände von Flammenschutzmitteln.
- Um das Risiko einer Vergiftung zu minimieren, sollten Katzenhalter auf schadstoffarme Reinigungsmittel, plastikfreie Futternäpfe und eine staubarme Umgebung achten.
Ein sauberes Zuhause ist für die Besitzer von tierischen Mitbewohnern besonders wichtig. Neben umherfliegenden Haaren gilt es auch Pfotenabdrücke, Spuren vom letzten Streifzug oder Gerüche zu beseitigen. Doch Toxine in den Reinigungsmitteln führen zu einer schleichenden Vergiftung bei Hauskatzen und Hunden.
Denn auch wenn diese nicht direkt aufgenommen werden, gelangen die Giftstoffe trotzdem in den Körper. Zum Beispiel, wenn der Stubentiger über einen frisch geputzten Boden läuft und sich anschließend die Pfoten leckt.
Selbst im Hausstaub und im Katzenfutter sind mittlerweile organische Schadstoffe nachgewiesen. Und die Tatsache, dass sich die Minitiger überwiegend zu Hause aufhalten und daher keine frische Luft bekommen, trägt zur schleichenden Vergiftung bei. Ein Instagram-Reel behauptet daher sogar, dass Hauskatzen die am stärksten vergifteten Haustiere der Welt sind.
Grundlage des Instagram-Videos ist wohl eine Studie der „Environmental Working Group“, einer Organisation, die sich auf Umwelt- und Gesundheitsforschung konzentriert. Die Forschungsergebnisse sind in der Tat alarmierend. Blut- und Urinproben wiesen nach, dass 46 verschiedene Chemikalien durch die kleinen Körper unserer schnurrenden Mitbewohner strömen. Darunter 34 Neurotoxine (Nervengifte) und 15 weitere für Katzen potenziell gefährliche Gifte. In der Studie wird außerdem festgestellt, dass Hauskatzen etwa 23-mal so viele Schadstoffe wie Menschen und doppelt so viele Hunde in sich haben.
Schwedische Studie weist Schadstoffe in Katzen nach
Schwedische Forschende der Universität Stockholm kamen zu identischen Ergebnissen. Die Wissenschaftler untersuchten aus 17 schwedischen Wohnungen das Blut von Katzen, den Hausstaub und das Futter auf organische Schadstoffe.
Das erschreckende Ergebnis der Studie: Sowohl in den Hausstaubproben als auch im Blut der Samtpfoten wiesen die Forscher „bromierte Diphenylether“ nach. Ein Schadstoff, der oft in Flammenschutzmitteln verwendet wird. Je höher der Gehalt dieses Schadstoffes im Staub vom Wohn- und Schlafzimmer war, desto höher war er auch im Blut der Wohnungskatzen.
Doch auch das Futter trug zur schleichenden Vergiftung der Hauskatzen bei. Denn in allen Futterproben fanden die Wissenschaftler unter anderem „Decabromo Diphenylether“ (ebenfalls ein Flammenschutzmittel) und andere bromierte Kohlenwasserstoffe wie sie zum Beispiel in Desinfektions- und Pflanzenschutzmitteln enthalten sind.
Für die Wissenschaftler sind die Studienergebnisse ein klares Zeichen dafür, wie organische Schadstoffe unsere Umwelt und Teile unserer Nahrung belasten. Dabei ist der Nachweis von Rückständen von Flammschutzmitteln im Hausstaub besonders bedenklich. Unsere schnurrenden Mitbewohner sind dafür der „Biomarker“ für die Belastung in unseren Wohnungen.

Tipps, um einer Vergiftung bei Hauskatzen vorzubeugen
Auch wenn die Studien die Schadstoffe in unseren schnurrenden Mitbewohnern einwandfrei nachgewiesen haben, gibt Tierärztin Dr. Julie Hunt im Tiermagazin „Kinship“ vorsichtig Entwarnung. Sie sagt, auch wenn die Anzahl von 46 Chemikalien alarmierend hoch sei, sei die Konzentration nicht stark genug, um sich lebensgefährlich auf die Gesundheit der Samtpfoten auszuwirken.
Trotzdem bestätigt die Tierärztin, dass wir uns natürlich Sorgen um die schleichende Vergiftung unserer Hauskatzen machen müssen. Denn unsere schnurrenden Mitbewohner leben bodennah, wo sich der meiste Staub absetzt. Fell- und Pfotenpflege führt dann automatisch zur Aufnahme dieser im Hausstaub enthaltenen Schadstoffe.
Dr. Julie Hunt nennt die folgenden Vorsichtsmaßnahmen, um den schnurrenden Mitbewohner vor schleichender Vergiftung durch Toxine und andere Schadstoffe bestmöglich zu schützen:
Teflon und andere Antihaftbeschichtungen vermeiden: Viele Wissenschaftler warnen immer dringlicher vor den im Teflon enthaltenen „Perflourchemikalien“. Diese „PFAS“ genannte Stoffgruppe ist kaum abbaubar und gefährdet die Gesundheit – von Mensch und Tier.
Aggressive Reiniger vermeiden: Viele Reinigungsmittel enthalten Toxine wie Chlor, Ammoniak, Phenol oder Formaldehyd. Durch Fell- und Pfotenpflege können diese über die Zunge in den Körper gelangen. Milde Alternativen wie Essigreiniger oder Natron erfüllen auch den notwendigen Reinigungszweck.
Auf Duftsprays, ätherische Öle und Lufterfrischer verzichten: Oft enthalten ätherische Öle „Phenole“ oder „Terpene“. Stoffe, die – je nach Konzentration – zu einer Vergiftung der Katzen beitragen können.
Vor allem bei Futternäpfen auf Plastik verzichten
Plastik vermeiden: Zwar ist es schwierig, ein plastikfreies Leben zu führen. Doch sollte zumindest beim Futternapf, Spielzeug oder Floh- und Zeckenprodukten auf Plastik verzichtet werden. Denn die im Plastik enthaltenen Weichmacher können der Samtpfote ernsthaft schaden. Bessere Alternativen sind Näpfe aus Keramik (Affiliate-Link) oder Edelstahl.
Reinigungsverhalten ändern: Saugen statt fegen. Denn das Fegen verteilt die Schadstoffe noch mehr. Wenn überwiegend gefegt wird, sollte danach nass gewischt werden. Und immer das Fenster offen halten.
Schwermetalle in der Ernährung begrenzen: Gerade der „Quecksilber-Gehalt“ in einigen Fischsorten ist bedenklich. Hohe Quecksilber-Werte sind besonders in Thunfisch, Makrele und Schwertfisch enthalten. Mit einer Vergiftung durch Quecksilber ist weder bei Menschen und Hunden noch bei Katzen zu spaßen.
Vermeidung von Produkten, in denen Flammenschutzmittel enthalten sind: ein schwieriges Unterfangen, da die „polybromierte Diphenylether“ als Flammenschutzmittel in vielen Teppichen, Matratzen, Möbeln und anderen Einrichtungsgegenständen enthalten sind.

Fazit: Schleichende Vergiftung bei Hauskatzen
Schleichende Vergiftungen sind eine oft unterschätzte Gefahr für Hauskatzen. Auch wenn die Konzentration der Chemikalien oft nicht lebensbedrohlich ist, ist allein die Tatsache, dass 46 verschiedene Chemikalien im Blut unserer schnurrenden Mitbewohner nachgewiesen wurden, besorgniserregend. Denn unsere Samtpfoten sind Biomarker unserer eigenen, häuslichen Umgebung.
Umweltgifte, organische Schadstoffe und toxische Substanzen aus dem Hausstaub, die im Körper unserer Lieblings-Haustiere nachgewiesen sind, finden sich daher auch in unseren Körpern. Und damit auch bereits in unserem Nachwuchs, der ja – gerade in den ersten Lebensjahren – ebenfalls ein „bodennahes“ Leben führt und damit den giftigen Substanzen im Hausstaub durch die Atmung ausgesetzt ist. Kein schöner Gedanke.




