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Rüde oder Hündin: Was passt besser zu Dir?

Wer sich einen Hund anschaffen möchte, steht nicht nur vor der Frage nach der Rasse sondern auch nach dem Geschlecht. Denn Rüden und Hündinnen haben oft charakteristische Eigenschaften, die manchen mehr liegen als anderen. Aber was passt besser zu Dir?

Wer darüber nachdenkt, sich einen Hund anzuschaffen, steht vor vielen Fragen. Eine davon ist die nach dem Geschlecht des neuen Mitbewohners. Es gibt durchaus Unterschiede zwischen Rüden und Hündinnen, die für Halter interessant sein können und womöglich bei der Entscheidungsfindung helfen. Einiges ist allerdings auch eher Klischee als erwiesener Fakt. Wie findest Du also heraus, was besser zu dir passt?

Zunächst einmal ist bei der Anschaffung des Ersthundes die Rasse viel entscheidender als das Geschlecht. So verhält sich beispielsweise eine Hovawarthündin territorialer und vermeintlich „rüdenhafter“ als ein Retrieverrüde. Die Hundetrainerin Conny Sporrer betont deshalb gegenüber der „Hundezeitung“, dass sie werdenden Haltern und Halterinnen keine grundsätzliche Empfehlung für das eine oder andere Geschlecht abgeben würde. Allerdings erlebe sie oft, dass Rüden in der Hand von Frauen besser funktionieren – und andersherum. Sporrer: „Dazu kenne ich zwar keinerlei wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern habe nur meine persönlichen Erfahrungen. Nicht immer, aber sehr häufig, stelle ich fest, dass Hündinnen oft eine engere Bindung zu Herrchen und Rüden umgekehrt öfter zu Frauchen haben.“

Vorurteile zum Geschlecht stimmen teilweise

Eine mögliche Erklärung für dieses Phänomen hat Sporrer auch: „Das mag manchmal damit zu tun haben, dass Singles mit gegengeschlechtlichen Hunden, zumindest aus Sicht der Vierbeiner, in einer Art Partnerschaft leben“, sagt sie. „Ich empfinde das aber auch häufig, wenn Mann und Frau im Haushalt mit mehreren Hunden leben. Die Hündinnen hängen dann zum Beispiel oft sehr an dem Mann, ähnlich wie in einer typischen Vater-Tochter-Beziehung.“

Aber was ist nun dran an dem Vorurteil der schwer erziehbaren, aggressiveren Rüden und den anschmiegsamen, besitzergreifenden Hündinnen? Der Verhaltensbiologe und Wolfsforscher Kurt Kotrschal bestätigt, dass es geschlechterspezifische Unterschiede gibt. „Gehen wir von gut sozialisierten Hunden mit relativ normalen Erbanlagen aus, kann man sagen, dass Rüden außen-orientierter sind als Hündinnen“, erklärt er. „Beim Spaziergang schnüffeln Rüden mehr und gehen normalerweise auch ein Stück weiter weg, als Hündinnen es tun würden.“

Zwei Hunde kämpfen.
Foto: unsplash.com/Jay Heike (Symbolfoto)

Kämpfe unter Hündinnen oft brutaler

Eine höhere Aggressionsbereitschaft bei Rüden gibt es generell auch. Allerdings passiere meistens nicht viel, wenn Rüden kämpfen, so Kotrschal. Bei Hündinnen können Auseinandersetzungen dagegen deutlich härter werden. „Während Rüden meist sogenannte Kommentkämpfe austragen, welche dem Festlegen der Rangstruktur dienen, streiten Hündinnen seltener um das Privileg, sich fortzupflanzen und Welpen gebären zu dürfen. Wenn es jedoch zu einer solchen, sexuell motivierten Auseinandersetzung kommt, dann ernsthaft und manchmal bis aufs Blut“, betont Hundetrainerin und Verhaltensberaterin Sporrer. Kotrschal konstatiert dennoch: „Hündinnen sind im Normalfall wirklich einfacher zu führen, vor allem für Männer.“

Sporrer erklärt: „Aus biologischer Sicht ist es so, dass Rüden für externe Angelegenheiten verantwortlich sind, während Hündinnen intern das Sagen haben. Der Grund dafür ist, dass ein Rüde im Streitfall verzichtbarer ist als eine Hündin, die eventuell gerade trächtig ist oder Welpen aufzieht. Mit ihrem Tod würden auf einen Schlag viele Rudelmitglieder ums Überleben bangen, ein Rüde allerdings wäre leicht wieder zu ersetzen.“ Ein biologischer Instinkt, den die Vierbeiner noch in sich tragen, obwohl der Kampf um das Überleben und die Erhaltung des eigenen Genpools in der Domestizierung eine wesentlich kleinere Rolle mehr spielt.

Eine Hündin mit ihren Welpen im Garten.
Foto: pixabay.de/willy lópez (Symbolfoto)

Was muss ich beim Thema Fortpflanzung beachten?

Neben dem unterschiedlichen Verhalten spielen natürlich auch offensichtliche biologische Unterschiede bei der Fortpflanzung eine Rolle. Wer sich eine Hündin zulegt, muss wissen, dass sie zweimal im Jahr läufig wird. Während dieser Zeit wird sie von Rüden aus der Nachbarschaft geradezu belagert und wird auch sehr gewitzt darin auszubrechen, um zu einem potenziellen Partner zu gelangen. Freilauf ist über mehrere Wochen also kaum möglich. Knapp neun Wochen nach einer Läufigkeit – also dann, wenn eigentlich die Welpen zur Welt kämen – kann es bei Hündinnen zudem einer Scheinschwangerschaft kommen. Die Hündin benimmt sich dann so, als hätte sie Welpen und „umsorgt“ Pantoffeln oder Spielzeug wie ihre Jungen. Überdies ist sie häufiger gereizt und überanhänglich, geht nur ungern spazieren und produziert womöglich sogar Milch. Bei extremen Fällen von Scheinträchtigkeit kann eine Kastration ratsam sein.

Das ist bei Rüden sogar noch eher eine Überlegung wert. Denn männliche Hunde sind das ganze Jahr über an Hündinnen interessiert und mit etwas Pech treffen sie dabei auf eine läufige Hündin. Ein weiterer Unterschied: Rüden markieren meist mehr als Hündinnen. Teil der Erziehung ist es dann, seinem Vierbeiner klarzumachen, wo er pinkeln darf und wo nicht. Die Kastration bei Rüden hat einige Vorteile für Hundehalter. Die Folgen sind abnehmende Rauflust und sinkendes Interesse an läufigen Hündinnen. Kastrierte Rüden markieren in der Regel auch weniger.

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