Das dreitägige Festival „Rhein in Flammen“ läutet traditionell die Open-Air-Saison in Bonn ein. Bei zahlreichen kostenlosen Veranstaltungen kommen vor allem Musik-Fans auf ihre Kosten. Dieses Jahr fand „Rhein in Flammen“ vom 2. bis 4. Mai statt. Das Feuerwerk über der Rheinaue am Samstagabend gelte dabei als „Höhepunkt“, so die Stadt Bonn nach dem Open-Air-Ereignis.
Anders dürften das zahlreiche Schwäne und andere Wasservögel sehen. Für sie fällt das Fest und das damit verbundene Feuerwerk genau in die Brutzeit. Während sie also eigentlich nur in Ruhe ihren Nachwuchs ausbrüten wollen, werden sie massiv gestört.
In diesem Jahr wäre das Feuerwerk fast ins Wasser gefallen: Aufgrund eines Unwetters wurde das Festivalprogramm am Samstag zeitweise unterbrochen. Doch der Regen zog weiter, das Feuerwerk fand statt – im Gegensatz zur geplanten Drohnenshow, die als Maßnahme, die Umwelt weniger zu belasten, seit vergangenem Jahr neu im Konzept ist. Weil sich im Flugfeld der geplanten Show eine fremde Drohen befand, wurde sie aus Sicherheitsgründen abgesagt.
Welche fatalen Folgen die Knallerei in diesem Jahr offenbar hatte, zeigt die Instagram-Post eines Tierschützers vom 4. Mai, dem Tag nach dem Feuerwerk. „Diesen Schwan habe ich heute Morgen gegen 8.30 Uhr auf der A562 direkt über dem Rheinauensee gefunden, wo letzte Nacht wieder ein 14 Minuten langes Feuerwerk alle Tiere in Todesangst versetzt hat“, schreibt Stefan Bröckling, erster Vorsitzender von „Tiernotruf e.V.“.
Schwan stirbt offenbar nach Feuerwerk bei „Rhein in Flammen“
Am 6. Mai teilte er zudem ein Video, in dem er den mutmaßlich toten Schwan in der Hand hält. Die Sequenz danach zeigt etliche Schwäne in den Rheinauen, die bei dem lauten Geknall der Feuerwerkskörper panisch umherflattern und -schwimmen. „Dieses Feuerwerk wurde mitten in der Brutzeit mitten im Brutrevier von hunderten Vögeln abgefeuert“, schreibt Bröckling zu den Aufnahmen.
„Über dem See, auf dem die Wasservögel mit ihrem Nachwuchs in der Nacht Schutz suchten. Über der Vogelinsel, auf der Kanadagänse und Schwäne auf ihren Nestern saßen und in deren riesigen Bäumen eine Graureiherkolonie ihre Jungen aufzog.“ Das 14 Minuten lange Feuerwerk habe etliche Vögel in Panik in die Luft getrieben. „Und dass diese Vögel dann mit Bäumen, Gebäuden oder Hochspannungsleitungen kollidieren können ist absolut nachvollziehbar.“
Stefan Bröckling vermutet, dass auch der Schwan, den er leblos in den Händen hält, in seiner Panik gegen die Hochspannungsleitung der Straßenbahn oder gegen einen Bauzaun geflogen sein könnte. Seine mahnenden Worte haben sich verbreitet wie ein Lauffeuer: Mittlerweile hat das Reel mehr als 2,2 Millionen Aufrufe.
Einen Tag nachdem Bröckling das Reel bei Instagram veröffentlicht hat, geriet offenbar auch die Stadt Bonn in Zugzwang.
Stadt Bonn reagiert auf Kritik
Bereits vor dem diesjährigen Festival habe die Verwaltung ein Planungsbüro für Natur- und Artenschutz beauftragt, um das Verhalten der Tiere während der Veranstaltung zu dokumentieren. Auch die Brutbestände der Wasservögel wurden vor, während und nach dem Event erfasst.
Als Reaktion auf frühere Kritik wurde das Feuerwerk bereits im vergangenen Jahr verkürzt und in der Lautstärke reduziert. Zusätzlich habe man auf eine Drohnenshow setzen wollen – ein leiseres, umweltfreundlicheres Spektakel.
Bis einschließlich 2026 laufe der Vertrag mit dem Ausrichter. Für die Zeit danach prüft die Stadt derzeit, wie „Rhein in Flammen“ unter Berücksichtigung naturschutzrechtlicher Vorgaben weiterentwickelt werden kann.
„Der Stadtverwaltung ist bewusst, dass ein Feuerwerk während der Brutzeit aufgrund möglicher Konflikte mit dem Natur- und Artenschutz kritisch gesehen werden kann.“ Gleichzeitig finde die Traditionsveranstaltung seit knapp 40 Jahren am ersten Wochenende im Mai in der Bonner Rheinaue statt und habe für viele Menschen in der Region und der Stadt Bonn eine große Bedeutung.
Zwischen Tradition und Tierwohl
Stefan Bröckling vom „tiernotruf e.V. Düsseldorf“ erhebt schwere Vorwürfe. Er kritisiert die bisherigen Anpassungen als „halbherzig“ und verweist darauf, dass das Feuerwerk in einem ökologisch sensiblen Gebiet stattfindet – und das mitten in der Brutzeit.
„Warum wird das erst jetzt kritisch hinterfragt?“, fragt Bröckling und macht deutlich: Die Debatte dürfe sich nicht allein auf den Artenschutz und dokumentierte Todesfälle beschränken. „Wir wissen nicht, wie viele Tiere tatsächlich sterben – an Stress, an Fluchtfolgen, an Herzversagen“, so Bröckling.
Was viele bewegt, ist nicht nur das Schicksal einzelner Tiere – sondern die grundsätzliche Frage: Passt ein lautes Feuerwerk heute noch in ein Naturschutzgebiet? Und lässt sich Tradition mit Verantwortung gegenüber der Tierwelt vereinen?



