Im Winter starben elf Katzen im Tierheim Butzbach an einer bisher nicht eindeutig identifizierten Krankheit. Nach mehreren Wochen ohne neue Krankheitsfälle gab es Ende April erneut zwei betroffene Samtpfoten, eine davon hat die Erkrankung nicht überlebt.
Der unbekannte Erreger sorgt für große Verunsicherung. Obwohl das Tierheim Proben an ein Bundesinstitut geschickt hat, konnte bislang kein klarer Verursacher nachgewiesen werden. Die Situation bleibt rätselhaft.
Erneuter Ausbruch nach Ruhepause
Wochenlang herrschte im Tierheim Butzbach Hoffnung, die mysteriöse Infektionswelle sei überstanden. Doch dann sind erneut zwei Tiere erkrankt: Ein junges Kätzchen wurde medizinisch betreut, ein ausgewachsener Kater konnte trotz Behandlung nicht gerettet werden. Zudem wurde weiterhin eine Katze behandelt, die bereits im Winter Symptome zeigte, berichtet die „FAZ“.
Ihr Zustand gilt mittlerweile als stabil. Unklar bleibt, welche Krankheit für die Vorfälle verantwortlich ist. Eine Tierheimsprecherin äußerte sich besorgt: Die Ursache sei weiter nicht gefunden, eine neue Virusart könne nicht ausgeschlossen werden.
Immerhin: Nachdem die Katzenvermittlung fast ein halbes Jahr gestoppt war, können nun wieder Katzen vermittelt werden. Zwar seien einige Miezen noch nach einer Behandlung gegen FIP in Wartezeit, andere hätten sich aber wohl nie inviziert und seien bereit, in neue Zuhause einzuziehen, so die Mitarbeitenden auf Facebook.
Erreger bislang nicht identifiziert
Die Unsicherheit belaste das gesamte Team stark. Zwar wurden Proben an das Friedrich-Loeffler-Institut gesendet, doch bislang konnten keine für Coronaviren typischen Sequenzen festgestellt werden. Damit erscheint FIP als Auslöser fraglich, obwohl einige Krankheitsbilder durchaus darauf hindeuteten. Die betroffenen Tiere zeigten sehr unterschiedliche Symptome: Manche waren wackelig auf den Beinen, andere fraßen kaum oder bewegten sich nicht mehr.
Einige litten unter Flüssigkeit im Bauchraum – typische Anzeichen, wie man sie von FIP kennt. Trotz dieser Hinweise fehlt ein klarer virologischer Nachweis. Zwar sprachen manche Tiere auf ein FIP-Medikament an, doch bei anderen zeigte sich keine Wirkung. Ohne eindeutige Diagnose bleibt die Behandlung ein Rätselraten, das Zeit und Geld kostet.
Caliciviren ebenfalls nachgewiesen
Zusätzlich fanden die Tierärzte bei einigen Katzen Caliciviren, die normalerweise mit Katzenschnupfen in Verbindung stehen. Aus diesem Grund erhielten sechzehn augenscheinlich gesunde Tiere eine vorbeugende Impfung, um weitere Ausbrüche zu vermeiden. Begleitend wurden Mittel zur Stärkung des Immunsystems verabreicht, darunter pflanzliche Stoffe und Aminosäuren.
Auch eine Zypern-Variante eines Coronavirus konnte ausgeschlossen werden. Ob jedoch mehrere Erreger zusammenspielen, ist noch offen. Die tiermedizinische Versorgung der erkrankten Katzen bringt das Tierheim währenddessen finanziell an seine Grenzen. Pro Tier entstehen etwa 2.000 Euro an Kosten, da sich die Therapie über mehrere Monate erstreckt und nur mit schwer erhältlichen Medikamenten möglich ist.
Spenden helfen Tierheim und Katzen
Diese Medikamente müssen im Ausland bestellt werden, was mit zusätzlichen Hürden verbunden ist. Neben den Arzneien fallen auch regelmäßige Tierarztbesuche und Laborkosten an. Für das Team bedeutet das eine enorme Mehrfachbelastung im Alltag. Ein Sprecher geht davon aus, dass der Erreger eine lange Inkubationszeit hat – möglicherweise bis zu vier Monate.
Das würde bedeuten, dass die erste Katze schon im Sommer infiziert war, obwohl der erste offizielle Fall erst im Oktober auftrat. Der einzige Lichtblick kommt von Tierfreunden aus ganz Deutschland. In den vergangenen Monaten wurden mehrere tausend Euro gespendet. Ohne diese Hilfe wären weder die aufwendigen Behandlungen noch die umfassende Diagnostik finanzierbar gewesen…



