Physiotherapie für Hunde ist besonders nach Operationen sinnvoll, um Koordination und Kondition stetig und ohne Überforderung des Tieres wieder aufzubauen. Auch bei chronischen Erkrankungen des Bewegungsapparates, etwa bei Arthrose, oder bei wiederkehrenden Problemen mit Hüft- oder Kniegelenken kann ergänzende physiotherapeutische Begleitung sinnvoll sein.
„Ich sehe durchaus Vorteile einer Physiotherapie für Hunde. Grundsätzlich ist Physiotherapie aber immer als ergänzende Therapieform zu betrachten und sollte mit dem behandelnden Tierarzt besprochen werden“, betont Saskia Walther, Tierärztin der Uelzener Versicherung.
Welche Physiotherapie ist die richtige?
Um den Heilungsprozess nach einer Operation zu unterstützen oder Schmerzen des Hundes bei Gelenkproblemen zu lindern, gibt es unterschiedliche physiotherapeutische Herangehensweisen.
„Einerseits steht die aktive Therapie zur Verfügung, bei der die Kooperationsbereitschaft des Hundes vorhanden sein muss, da er aktiv Bewegungsübungen vollziehen soll“, sagt Walther. „Ziel einer Bewegungstherapie sind Muskelaufbau, Schulung von Gleichgewicht und Beweglichkeit sowie die Verbesserung der Konditions- oder Koordinationsfähigkeit des Hundes.“
Die Koordination kann durch Hilfsmittel wie Wackelbretter, kleine Trampoline oder andere flexible Untergründe gefördert werden. Um Kondition beispielsweise nach einer Operation wieder aufzubauen, setzen Tierphysiotherapeuten oft Laufbänder oder, zur Gelenkschonung, Unterwasserlaufbänder ein.

„Auch die passive Physiotherapie kann Linderung bei diversen Problematiken bringen“, so Walther. „Das Ziel bei der passiven Physiotherapie ist, Gewebe zu lockern, den Stoffwechsel beziehungsweise die Durchblutung anzuregen und eventuelle schmerzhafte Gelenkblockaden zu beheben.“
Dem Therapeuten stehen für die passive Physiotherapie Kälte- und Wärmebehandlungen, Massagen, manuelle Therapie – also das Bewegen des Hundes, ohne dass er selbst aktiv wird – oder auch Dehnungstechniken zur Verfügung.
Wie findet man qualifizierte Tierphysiotherapeuten?
Da die Berufsbezeichnung nicht geschützt ist und die Ausbildung keiner staatlichen Prüfung unterliegt, kann sich im Prinzip jeder Tierphysiotherapeut nennen. Daher musst Du Dich bei der Suche nach einem qualifizierten Therapeuten an anderen Anhaltspunkten orientieren.
Zuweilen haben Tierärzte eine entsprechende Zusatzqualifikation für Physiotherapie – hier ist zumindest sichergestellt, dass eine tierärztlich-fachliche Qualifikation gegeben ist. Zudem gibt es eine Reihe von Verbänden, in denen Tierphysiotherapeuten organisiert sind, wie beispielsweise den „Verband der Deutschen Gesellschaft für Tierheilpraktiker und Tierphysiotherapeuten e. V.“, den „1. Verband für Tierphysiotherapie e. V.“ oder den „TPVD – Tierphysiotherapie Verband Deutschland e. V“.
Da sich die Mitglieder dieser Verbände auf die Einhaltung der vom jeweiligen Verband gesetzten Qualifikationsmaßstäbe verpflichtet haben, kann dies als weiterer Orientierungspunkt dienen.

Wichtig ist aber auch der persönliche Eindruck: „Der Tierphysiotherapeut sollte sich für die Erstuntersuchung viel Zeit nehmen und offen für einen Austausch mit dem behandelnden Tierarzt sein. Außerdem sollte er nach einer Ganganalyse, nach gründlichem Anschauen und Abtasten dem Besitzer erklären, welche kurz- und langfristigen Ziele mit der Therapie erreicht werden können“, rät Uelzener-Tierärztin Saskia Walther.
Und wer bezahlt die Physiotherapie?
Ein Tierarzt mit der Zusatzausbildung als Tierphysiotherapeut rechnet nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) ab. Für nicht-tierärztliche Tier-Physiotherapeuten ist die Preisgestaltung frei – zwischen 25 und 40 Euro kostet eine 30-minütige Behandlung in der Regel, die Erstuntersuchung dauert länger und kann darum auch etwas teurer sein.
Je nach Ziel der Behandlung werden fünf bis zehn Therapie-Sitzungen empfohlen, nach denen der Therapeut, am besten in Absprache mit dem Tierarzt, den Erfolg überprüft – und entweder den Hund entlässt oder aber eine Fortsetzung empfiehlt.



