- hilft Hunden, Katzen und im Herdenschutz
- bei stressigen Situationen wie Reisen und Angst vorm Tierarzt
- sanft, gut verträglich, aber nicht bei jedem Hund wirksam
- kein Ersatz für Training oder tierärztliche Behandlung
- als unterstützende Maßnahme sinnvoll
Jeden Tag siehst Du sie in Aktion: Pheromone. Zum Beispiel bei der täglichen Gassirunde. Interessiert und hochkonzentriert schnuppert Dein Hund an gefühlt jedem zweiten Grashalm. Zeitunglesen nennen Hundehalter das auch umgangssprachlich. Gemeint ist damit, die Informationsaufnahme durch Gerüche der Hinterlassenschaften anderer Hunde. Denn mit Urin eines Vierbeiners markiert er nicht nur sein Revier: Er verrät den anderen Artgenossen auch eine ganze Menge über sich selbst.
Dabei helfen ihm Pheromone, die er über seinen Urin oder Kot ausscheidet. Auch im Speichel finden sie sich. Pheromone sind sind chemische Botenstoffe, über die Hunde kommunizieren. Scheidet ein Tier sie aus, können andere Tiere die ausgesandten Informationen wieder Gesundheits- und Gemütszustand erschnüffeln. Der Begriff Pheromon bedeutet im Griechischen so viel wie „Hormontransport“. Der Zoologe Martin Lüscher und der Chemiker Peter Karlson entdeckten diese Botenstoffe erstmals 1959, erklärt „MedPets“.
Pheromone transportieren Informationen
Du kennst das bestimmt auch: Nachdem Dein Hund intensiv geschnüffelt hat, hebt er sein Bein und hinterlässt seine eigene Marke – samt Antwort, sozusagen. Wenn er nach seinem Geschäft mit den Pfoten scharrt, setzt er damit ebenfalls Pheromone frei. Auch an der Brustgegend und der Basis der Ohren sondern Hunde Pheromone ab.
Wenige Moleküle genügen, um einen Reiz auszulösen. Denn die Wirkung von Pheromonen ist stark. Für jede Botschaft ist ein anderes Pheromon zuständig. Mit einem Pheromon kommuniziert ein Hund zum Beispiel, dass er paarungsbereit ist. Mit einem anderen alarmiert er sie, dass in der Nähe Gefahr lauert. Auch bei uns Menschen ist das so: Unterbewusst springt das Empathiezentrum unseres Gehirns an, wenn wir Angstschweiß riechen, so „Quarks“.
Beruhigende Wirkung von Pheromonen
Es gibt aber auch Botenstoffe, die eine beruhigende Wirkung auf unsere tierischen Freunde ausüben und Angst, Stress oder Unruhe verringern. Und genau diese Aufgabe erfüllen Pheromon-Halsbänder. Aktiviert durch die Körperwärme des Tieres, vermitteln sie die beruhigende Botschaft „Hier bist Du sicher“ oder „Hierin gehörst Du, wir passen auf Dich auf“. Aber sind Pheromon-Halsbänder wirklich die „magische“ Lösung für alle Fellnasenprobleme?
Hundemütter geben ein „Beruhigungs-Pheromon“ ab
Pheromon-Halsbänder für Fellnasen enthalten in der Regel eine synthetische Version des natürlichen Hormons „Dog Appeasing Pheromone“ (DAP). Hundemütter geben dieses Hormon beim Wurf ihrer Welpen über die Brustdrüsen ab. Dieses „Beruhigungs-Pheromon“ gewährleistet eine gute Mutter-Kind-Bindung und vermittelt den Welpen ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit.
Studien in einer Tierklinik haben ergeben, dass das „DAP-Hormon“ nicht nur auf Welpen, sondern auch auf ältere und ängstliche Hunde eine beruhigende Wirkung erzielte. Eine andere Studie untersuchte die Wirkung dieser Pheromonen auf Beagle. Als Ergebnis stellten die Wissenschaftler fest, dass die Fellnasen bei simulierten Gewittern weniger nervös waren.

Forschungsstudien weisen im Allgemeinen darauf hin, dass DAP in zahlreichen Situationen helfen kann, Angstzustände bei unseren wuffenden Freunden zu verhindern. Dazu gehören: Umzug, bevorstehende Tierarztbesuche, Autofahrten, Veränderungen im gemeinsamen Zuhause, Einzug eines Welpen, Trennungen oder Lärmphobien, wie zum Beispiel Gewitter oder Feuerwerk, so „Rover“ und „PetMD“.
Neben dem klassischen Halsband wird DAP auch in Zerstäubern, Diffusoren oder als Spray verkauft. Sprays zeigen sich besonders effektiv, wenn es darum geht, die Fellnase in einem engen Raum, wie zum Beispiel einem Zwinger oder im Auto, zu beruhigen. Wird das Spray ins Auto gesprüht, reduzieren sich dadurch der Stress bei der Fahrt und sogar Reisekrankheiten. Pheromone helfen der Fellnase dabei nicht nur, sich sicher zu fühlen. Sie können auch unerwünschtes Verhalten wie Winseln, Bellen, Jaulen oder Zerstörungswut verhindern, wenn der Vierbeiner allein Zuhause ist.
Pheromon-Halsbänder auch bei Katzen und im Herdenschutz
Pheromone helfen aber nicht nur unseren schwanzwedelnden Mitbewohnern. Auch bei unseren Samtpfoten sorgen Pheromone dafür, dass sich die Mini-Tiger sicher und geborgen fühlen. Sowohl wenn sie allein, als auch in Gegenwart anderer Katzen sind. Konflikte zwischen Katzen in einem Mehrkatzenhaushalt können sehr besorgniserregend sein.
Wenn die Situation erst einmal eskaliert ist, kann die Beziehung zwischen den Katzen dauerhaft gestört sein. Da generell Stress der Auslöser für viele Krankheitszustände bei Katzen ist, kann der Einsatz von Pheromonen eine kostengünstige Lösung vieler Katzenprobleme sein.
Mittlerweile kommen Pheromon-Halsbänder auch als Mittel im Herdenschutz zum Einsatz. Schäfer- und Ziegenhirten nutzen sie, um ihre Tiere vor Wolfsangriffen zu schützen. Die Halsbänder enthalten solche Pheromone, die Wolfsgerüche imitieren und die vierbeinigen Jäger so davon abhalten, die Tiere zu reißen. Einige Rinderherden werden auch bereits so vor Wolfsangriffen geschützt. Wie lange sich der Wolf aber dermaßen „hinters Licht führen lässt“, weiß man zur Zeit noch nicht so genau.
Die beliebtesten Pheromon-Halsbänder auf dem Markt
Die führenden Pheromon-Halsbänder auf dem Markt sind „Adaptil“ Halsbänder der Firma „Ceva Santé Animal“. Es gibt dieses sowohl für große als auch für kleine Hunde. Dr. Linda Simon, Tierärztin und Beraterin der Hunde-Gesundheitsplattform „Five Barks“ rät für ihren vierbeinigen Angstpatienten zum „Adaptil Calm“. Dieses DAP fundierte Halsband ist beliebt für den Einsatz bei lauten Geräuschen, Training, Zwingerzeit und Sozialisierung. Neben Pheromone können die Halsbänder auch mit „topischen“ Floh- und Zeckenmedikamenten im Flakon bestückt werden.
Von der Firma „Beaphar“ stammt das „Beaphar CaniComfort Halsband“. Es beruhigt besonders bei stressigen Situationen wie Tierarztbesuchen, Autofahrten oder Veränderungen in der Umgebung. Auch hier kommt synthetisch hergestelltes DAP als Wirkstoff zum Einsatz. Diese Halsbänder sind eine günstige Alternative zu „Adaptil“
In den USA kommt besonders häufig das „Sentry Calming Collar“ von der Firma „Sentry“ zum Einsatz. Es kombiniert Pheromone mit den Düften von Lavendel und Kamille und beruhigt bei Ängsten, Stress und Hyperaktivität.
Nur teilweise in der EU erhältlich ist das „Zen Dog Calming“ Halsband. Hier wirken eine Mischung aus ätherischen Ölen und beruhigenden Aromen, manchmal kombiniert mit Pheromonen. Die Beruhigung bei Stress und Angst ist das Hauptziel dieses Halsbandes.

Bei unseren schnurrenden Freunden wird hauptsächlich „Feliway“ verwendet. Dieses synthetische Produkt ahmt das natürliche Gesichts-Pheromon von Katzen nach, das die Samtpfoten beim Reiben ihrer süßen Köpfchen zur Begrüßung abgeben. Es hilft, Stress zu reduzieren und unerwünschtes Verhalten wie Harnmarkierungen oder Kratzen zu verhindern.
Pheromon-Halsbänder: Magische Lösung für alle Hundeprobleme?
Pheromon-Halsbänder können nachweislich bei Hunden Stress und Angst mildern. Insbesondere in Situationen wie Trennungen, Reisen oder lauten Geräuschen können sie eine sinnvolle Unterstützung für unsere wuffenden Mitbewohner sein. Sie wirken sanft und sind gut verträglich.
Allerdings sprechen nicht alle Hunde gleichermaßen darauf an, sodass ihre Wirksamkeit individuell unterschiedlich ausfällt. Als ergänzende Maßnahme zu Training, Gewöhnung und Verhaltenstherapie sind sie in vielen Fällen empfehlenswert. Pheromon-Halsbänder sind aber kein Allheilmittel bei potenziellen Problemen, schwerwiegenden Verhaltensauffälligkeiten oder medizinischen Leiden. Hierbei ist tiermedizinischer Rat und die anschließende Umsetzung unbedingt erforderlich. Das gelingt dann natürlich umso einfacher, je entspannter der wuffende Freund ist.
Unsere Ratgeber ersetzen nicht die veterinärmedizinische Beratung bei Deinem Tierarzt. Sie dienen lediglich der Information und sollen einen Überblick über Krankheiten, Verletzungen und deren Behandlung liefern. Wenn Dein Tier Symptome zeigt, die auf Verletzungen, Krankheiten oder Unwohlsein hinweisen, solltest Du unbedingt eine Tierarztpraxis oder eine Tierklinik aufsuchen.




