Wer sich ein eigenes Pferd anschaffen möchte, braucht eine Menge Ausdauer und Geduld. Bereits das Durchstöbern von Verkaufsanzeigen und regelmäßiges Nachhaken bei Händlern und Züchtern kostet viel Zeit. Ist eine erste Vorauswahl getroffen, geht es mit dem Abenteuer Pferdekauf aber erst so richtig los: Um sich persönlich von Zustand, Rittigkeit und Charakter des zukünftigen Begleiters zu überzeugen, solltet Ihr unbedingt einen Termin zum Probereiten vereinbaren und Euch erst im Anschluss für oder gegen den Kauf entscheiden.

Damit Ihr wisst, wie der erste Besuch beim Verkäufer abläuft und worauf Ihr beim potenziellen Traumpferd achten müsst, haben wir Euch Tipps fürs Probereiten zusammengestellt.
Ausgiebiges Probereiten ist Pflicht
Um das Pferd in Ruhe kennenzulernen, solltet Ihr fürs Probereiten genügend Zeit einplanen. Habt Ihr bereits den nächsten Termin im Hinterkopf und schaut alle fünf Minuten auf die Uhr, könnt Ihr dem Pferd keinesfalls die Aufmerksamkeit schenken, die es verdient. Gleiches gilt für den Verkäufer: Führt er Euch das Tier in aller Eile vor und setzt Euch beim Probereiten unter Druck, solltet Ihr stutzig werden. Ein Halter, der nichts zu verbergen hat und seinen Schützling in gute Hände verkaufen möchte, wird Euch das Pferd ausgiebig präsentieren und Eure Fragen gerne beantworten.
Der Gesamteindruck ist wichtig

Natürlich geht es beim Probereiten vor allem darum, das potenzielle Traumpferd kennenzulernen und sich persönlich vom Ausbildungsstand und den besonderen Fähigkeiten des Tieres zu überzeugen. Darüber hinaus sollte man sich als Interessent aber auch mit dem Stallbetrieb auseinandersetzen und prüfen, unter welchen Bedingungen das Pferd lebt.
Sind die einzelnen Boxen sauber und in gutem Zustand? Bekommt jedes Tier den Platz, den es braucht? Herrscht im Stall ein fröhliches Treiben und machen auch die anderen Pferde einen zufriedenen Eindruck? Wer diese Fragen nicht eindeutig mit „Ja“ beantworten kann, sollte den Pferdekauf bei diesem Anbieter noch einmal überdenken. Ein dreckiger Stall bringt beispielsweise nicht nur unangenehme Gerüche mit sich, sondern kann zu Huf- und Atemwegsproblemen führen.
Zudem gibt es immer wieder unseriöse Händler, die schwer vermittelbare Tiere anbieten. Mithilfe von einfachen Tricks, stellen sie die Pferde ruhig und sorgen für ein vorbildliches Verhalten beim Probereiten. Eine böse Überraschung erleben die neuen Besitzer häufig erst nach dem Pferdekauf. Um sicherzugehen, dass Ihr es mit einem seriösen Anbieter zu tun habt, könnt Ihr Euch nach Referenzen erkundigen und andere Käufer zu ihren Erfahrungen befragen.
Beim Putzen und Satteln dabei sein
Zum Probereiten gehört sehr viel mehr als ein fünfminütiger Galopp über den Reitplatz. Schließlich wollt Ihr Euch ein ganzheitliches Bild machen und herausfinden, ob die Chemie zwischen Pferd und Reiter stimmt.
Damit Ihr einen Eindruck bekommt, wie sich das Pferd im Alltag verhält, solltet Ihr es gemeinsam mit dem Besitzer von der Koppel holen und anfragen, ob Ihr beim Putzen, Trensen und Satteln helfen könnt. Auf diese Weise merkt Ihr recht schnell, ob das Pferd gut erzogen ist oder keine Gelegenheit auslässt, seinen Menschen zum Narren zu halten.
Beim Putzen könnt Ihr das Pferd zudem aus nächster Nähe betrachten und wichtige Körperteile wie Rücken oder Beine abtasten. Zuckt das Tier bei bestimmten Berührungen zusammen oder fällt Euch etwas Ungewöhnliches auf, empfiehlt es sich, beim Halter nachzufragen. Im Rahmen einer späteren Ankaufuntersuchung dürft Ihr auch gerne den Tierarzt zu Rate ziehen.
Den Verkäufer vorreiten lassen
Hat sich das Pferd seelenruhig putzen und satteln lassen, kann man es meistens kaum erwarten, sich endlich auf den Pferderücken zu schwingen und loszureiten. Nichtsdestotrotz solltet Ihr Euch zu Eurer eigenen Sicherheit noch ein Weilchen gedulden und dem aktuellen Besitzer Vorrang lassen. Denn egal wie lieb und zutraulich sich das Pferd gibt, den wahren Charakter bekommt man häufig erst im Sattel zu spüren. Wer beim Zuschauen merkt, dass sich das Pferd nur schwer kontrollieren lässt und launisch auf die Vorgaben des Reiters reagiert, sollte sich gut überlegen, ob ein Proberitt wirklich Sinn macht oder die eigenen Fähigkeiten übersteigt.
Beim Vorreiten kann man sich zudem einen guten Überblick über den aktuellen Ausbildungsstand des Tieres verschaffen. Neben den gängigen Grundlagen solltet Ihr Euch auch ganz spezielle Lektionen zeigen lassen, die für Eure spätere Zusammenarbeit mit dem Pferd unabdingbar sind. Beobachtet kritisch, ob das Tier sowohl Grundlagen als auch weiterführende Übungen meistert. Werden einzelne Lektionen gar nicht oder lediglich auf einer Hand ausgeführt, solltet Ihr den Reiter darauf hinweisen und freundlich um eine Erklärung bitten.
Achtet darüber hinaus auf den allgemeinen Gemütszustand des Pferdes: Lässt es sich schnell ablenken oder reagiert in einigen Situationen schreckhaft, deutet dies auf einen eher schwierigeren Charakter hin. Macht das Tier hingegen einen hoch konzentrierten Eindruck und arbeitet fleißig mit, kann man dies als positives Vorzeichen deuten.
Konzentriert Euch beim Probereiten auf Altbewährtes

Nachdem Ihr Euch von den Fähigkeiten des Pferdes überzeugt habt, könnt Ihr endlich selbst einen Proberitt wagen. Ein bisschen Aufregung ist dabei ganz natürlich. Deshalb solltet Ihr es langsam angehen und in den ersten Runden auf dem Reitplatz zunächst ein Gespür für das Pferd entwickeln. Fühlt Ich Euch sicher, könnt Ihr der Reihe nach alle Grundgangarten durchprobieren und Euch im Anschluss auf spezielle Lektionen konzentrieren, die Euch wichtig sind. Auf Experimente solltet Ihr besser verzichten. Pferde sind sehr sensibel und merken schnell, wenn Ihr Euch unsicher fühlt und die Kontrolle über die Situation verliert. Bleibt deshalb beim Altbewährten. Komplexe Abläufe könnt Ihr immer noch eintrainieren, wenn Ihr das Pferd ausgiebig kennengelernt habt und sein Verhalten einschätzen könnt. Viel wichtiger als extravagante Kunststücke ist eine stimmige Chemie zwischen Pferd und Reiter. Fühlt Ihr Euch auf dem Pferderücken rundum wohl und lässt sich das Tier auf Eure Vorgaben ein, stehen die Zeichen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit gut.
Um zu sehen, wie das Pferd auf unterschiedliche Umweltreize reagiert, könnt Ihr den Verkäufer um einen kurzen Ausritt ins Gelände bitten. Damit böse Überraschungen ausbleiben, solltet Ihr Euch vorab über alle Eigenheiten des Tieres aufklären lassen und den Besitzer bitten, Euch auf einem Zweitpferd oder Fahrrad zu begleiten.
Probereiten: Man sieht sich immer zweimal
Ein Pferdekauf ist ein hochemotionales Thema. Hat man sich beim Probereiten in das Pferd verliebt, möchte man es häufig am liebsten sofort mit nach Hause nehmen.
Um sich ein realistisches Bild vom Tier zu machen, solltet Ihr jedoch ein oder zwei weitere Besichtigungstermine vereinbaren und Euch von einer neutralen und fachkundigen Person begleiten lassen. Beim ersten Aufeinandertreffen mit dem potenziellen Traumpferd ist man meistens aufgeregt und kann kleinere oder größere Eigenarten des Tieres schnell übersehen.
Das richtige Kennenlernen findet häufig erst beim zweiten und dritten Besuch statt. Um das Pferd in einer möglichst alltagsgetreuen Situation zu erleben, solltet Ihr es beim Folgetreffen selbstständig von der Weide beziehungsweise aus dem Stall holen und alleine putzen und satteln. Auf diese Weise merkt Ihr schnell, ob Ihr auch alleine mit dem Pferd klarkommt oder es in Eurem Beisein zum störrischen Esel mutiert.
Gerade für schwächere Reiter sind ein oder zwei weitere Besuche vor dem Pferdekauf besonders wichtig. Beim ersten Besichtigungstermin schwingt man sich erst nach dem Vorreiten des Züchters oder Händlers in den Sattel – dann ist das Pferd bereits abgeritten und entsprechend leichtgängig. Wenn das Tier hingegen direkt von der Koppel oder aus dem Stall kommt, muss es sich vielleicht erst mal austoben und will richtig Gas geben. Mancher Anfänger merkt erst dann, dass sich das potenzielle Traumpferd gar nicht so leicht führen lässt, wie ursprünglich angenommen.
Ohne Probereiten kein Pferdekauf
Leider hört man immer wieder, dass Interessenten aufs Probereiten verzichten wollen oder ausschließlich Freunde und Bekannte vorreiten lassen möchten. Davon solltet Ihr unbedingt absehen. Zeigt sich das Pferd beim Verkäufer oder einer guten Freundin leichtgängig und von seiner besten Seite, ist das noch lange keine Garantie dafür, dass auch Ihr problemlos mit dem Tier zurechtkommt. Wer nicht bereit ist, aufs zukünftige Pferd aufzusitzen und ein paar Runden auf dem Reitplatz zu drehen, sollte die Anschaffung eines eigenen Pferdes noch einmal überdenken und gegebenenfalls auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.




Ein guter Artikel! Danke dafür.
Ich finde das toll ich habe ein Pferde ausprobiert und habe es sofort gekauft.
Wirklich sehr hilfreiche Tips.
Werde ich mir auf jeden Fall beim Pferdekauf zu herzen nehmen.
😁🐴