Es ist keine Frage, ob es passiert. Es ist nur eine Frage, wann es passiert. Denn: Durchfall bekommen im Prinzip jeder Hund und auch fast jede Katze einmal im Leben – das sagt die bekannte amerikanische Tierärztin Dr. Karen Becker. Und das hat oft einen einfachen Grund: Unserem Haustier ist etwas im wahrsten Sinne des Wortes auf den Magen geschlagen.
Das heißt: In den meisten Fällen haben Hund oder Katze schlicht etwas gegessen, was sie nicht vertragen. Dann will der Körper diesen Feind so schnell wie möglich loswerden – und schon ist der Durchfall da. Übrigens: Hunde sind davon eher betroffen als Katzen, da sie wahllos alles mögliche in sich reinstopfen. Katzen hingegen sind wählerischer – auch in Sachen Futter.
Achtung! – Neues Futter kann Durchfall verursachen
Auch eine plötzliche Ernährungsumstellung kann ein Auslöser für Durchfall sein. Insbesondere dann, wenn Hund oder Katze über einen längeren Zeitraum Tag für Tag mit dem gleichen Fressen gefüttert wurden: „Das ist einer der Gründe, warum ich Ernährungsvielfalt empfehle“, so Dr. Becker auf „healthy pets“ „Unser Körper ist darauf ausgelegt, jeden Tag verschiedene Nahrungsmittel zu essen ohne Durchfall zu bekommen. Das gilt auch für Dein Haustier. Wenn Du Deinem Hund oder Deiner Katze Tag für Tag das gleiche Futter gibst und dann plötzlich auf eine neue Diät umsteigst, ist Durchfall fast garantiert.“

Dabei ist dann eigentlich nicht das neue Futter schuld, so die Expertin: „Es liegt daran, dass der Darm Deines Haustieres darauf konditioniert wurde, nur eine Art von Futter zu verarbeiten.“ Eine abwechslungsreiche Nahrung kann dagegen die Widerstandsfähigkeit des Verdauungssystems verbessern: „Bis zu 80 Prozent des Immunsystems Deines Haustieres befindet sich im Magen-Darm-Trakt. Je mehr Du Dich auf eine gute Darmgesundheit konzentrierst, desto gesünder wird Dein Haustier insgesamt.“
Ernährung umstellen? – Aber langsam!
Aber Vorsicht: Eine Ernährungsumstellung braucht Zeit! „Ich kann nicht sagen, wie oft ich Kunden hatte, die ihr altes Tierfutter weggeworfen und ihren Hund oder ihre Katze sofort auf ein neues Futter umgestellt haben“, erzählt Dr. Becker. „Sie landen oft im Notfall-Tierkrankenhaus mit einem geschwächten Haustier, das aufgrund der plötzlichen Ernährungsumstellung schrecklichen Durchfall hatte.“
Eine langsame Umstellung heißt daher wirklich – langsam: „Bei den meisten Hunden dauert sie Tage bis Wochen und für Katzen oft Wochen bis Monate“, so die Expertin. „Ich empfehle Dir, zunächst zehn Prozent neues Essen zu füttern. Das mischst Du über mehrere Tage mit 90 Prozent des alten Futters. Wenn Dein Tier die Umstellung gut verträgt, kannst Du auf 20 Prozent neu zu 80 Prozent alt umstellen“, rät Dr. Becker.

Auch Stress kann Durchfall auslösen
Und was tun, wenn die wählerische Katze das neue Futter nicht mag? „Beginne damit 1/16 Teelöffel altes Futter durch 1/16 Teelöffel neues Futter zu ersetzen. Dabei solltest Du den neuen Geschmack gründlich in das alte Futter mischen. So lehnen auch anspruchsvolle Tiergaumen das neue Futter nicht ab.“ Übrigens: Auch Leckerlis können Magen-Darm-Probleme verursachen. „Füttere deshalb zuerst nur ein oder zwei winzige, erbsengroßen Häppchen neuer Leckereien.“, empfiehlt Dr. Becker.
Es gibt aber noch andere Ursachen für Durchfall bei Haustieren – zum Beispiel Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Allergien oder Stress und Angst. Auch eine Bauchspeicheldrüsenentzündung, eine Dünndarm-Bakterienüberwucherung oder eine Entzündung des Dickdarms können Durchfall als Symptom haben. Auch Parasiten wie Giardien können der Auslöser sein. Dr. Becker rät: „Hat Dein gesundes Haustier ohne Ernährungsumstellung plötzlich Durchfall, solltest Du genau hinsehen. Es kann sein, dass der Stuhl dann wieder wie von selbst fester wird – und nach wenigen Tagen kommt der Durchfall zurück. Dann solltest Du Deinen Tierarzt darum bitten, nach einer Giardia-Infektion zu suchen.“
Achtung: Durchfall und Verstopfung nicht verwechseln
Ganz wichtig, so die Expertin: Es gibt ganz unterschiedliche Symptome für Durchfall. Ein sehr weicher Kot ist ein klassisches Anzeichen. Aber: „Viele Tierhalter verwechseln Verstopfungen mit Durchfall, weil sie sehen, wie die Katze oder der Hund gebeugt dasitzen – und es scheint nicht viel zu passieren. Denn: Durchfall stört die normalen rhythmischen Kontraktionen und Empfindungen des Magen-Darm-Traktes. Das führt dazu, dass Dein Hund oder Dein Kätzchen das ständige Bedürfnis verspürt, es zu beseitigen. Deshalb beugt und strengt sie sich an.“
Wenn eine Hauskatze dann eigentlich Durchfall hat, ist es leicht festzustellen: Überprüfe einfach die Katzentoilette. „Bei Outdoor-Katzen und Hunden kann es etwas schwieriger zu diagnostizieren sein. Wenn Du Deinen Hund oder Deine Katze draußen gebeugt siehst, solltest Du nach losem, braunem oder wässrigem Stuhl suchen. Wenn Du das finden, hat Dein Haustier eher Durchfall als eine Verstopfung.“

Welpen und ältere Tiere haben ein höheres Risiko
Andere Symptome, die mit Durchfall einhergehen können, sind Lethargie, Appetitlosigkeit, Fieber und Dehydrierung. Typischerweise haben junge, gesunde Haustiere einmal Durchfall – und das war’s. „Wenn Dein Hund oder Deine Katze jedoch chronische Durchfallanfälle hat, läuft sie Gefahr, geschwächt und krank zu werden“, so Dr. Becker.
Vor allem Welpen und Kitten sowie ältere Tiere haben ein hohes Risiko, dass sie bereits bei einem einmaligen Durchfall dehydrieren. Wenn Dein Hund oder Deine Katze nach einem Durchfall in Ordnung und gesund erscheint, reicht es, sie einfach sorgfältig im Auge zu behalten. „Aber wenn Du eine Lethargie oder Fieber oder Verhaltensänderung bemerkst, solltest Du Deinen Tierarzt anrufen.“
Das gilt auch, wenn ein Haustier immer wieder kurz oder länger als drei Tage unter Durchfall leidet. „Wenn Du Blut im Stuhl bemerkst oder Dein Haustier deutlich geschwächt ist, solltest Du sofort zum Tierarzt!“
Zwölf Stunden-Fasten beruhigt Magen und Darm
In den meisten Fällen können Tierhalter den Durchfall aber zu Hause behandeln, so Dr. Becker: „Wenn Dein Hund oder Deine Katze ansonsten gesund und sein Verhalten normal ist, ist meine Empfehlung, zwölf Stunden lang Futter zurückzuhalten. Ein kurzfristiges Fasten gibt dem Magen-Darm-Trakt die Möglichkeit, sich auszuruhen, zu regenerieren und wiederherzustellen. Gewebe können nur heilen, wenn sie sich ausruhen.“ Wichtig dabei: Hund und Katze müssen in dieser Zeit ausreichend Wasser trinken können.
Nach der Fastenzeit rät die Expertin zu Schonkost. „Ich empfehle gekochte, fettfreie, gemahlene Pute oder Truthahn und 100-prozentig reines Kürbispüree. Alternativ kannst Du gekochte Süßkartoffeln oder gekochte weiße Kartoffeln nehmen.“

Keine Besserung? Dann zum Tierarzt!
Viele Tierärzte empfehlen immer noch eine Diät aus Hackfleisch und Reis – davon rät Dr. Becker ab: „Selbst das magerste Hackfleisch enthält Fett. Und das kann die Störung in Magen und Darm noch verschlimmern. Reis ist ein sehr stärkehaltiges Kohlenhydrat, das einen hohen glykämischen Index hat. Dazu kommt er hinten oft so raus, wie er vorne reingegangen ist. Das heißt er stellt keine löslichen Ballaststoffe zur Verfügung, um einen gereizten Magen-Darm-Trakt zu beruhigen.“
Wenn der Durchfall nicht aufhört oder ständig wiederkehrt, müssen Hund oder Katze zum Tierarzt. Dann sollten die Halter eine Stuhlprobe mitbringen. „Sonst muss Dein Tierarzt möglicherweise manuell eine Probe entnehmen.“ Neben dem Kot wird der Tierarzt das Blut untersuchen – so kann er feststellen, ob ein Parasitenbefall, eine Bauspeicheldrüsenentzündung oder eine Infektion vorliegen. Ist das Tier bereits dehydriert, kann eine Zuführung von Flüssigkeit notwendig sein.
Vorbeugung ist die beste Medizin
Auch bei Durchfall gilt: Vorbeugung ist die beste Behandlung. Bei Deinem Welpen solltest Du darauf achten, was er auf den Gassirunden alles frisst. Sind die Welpen von einer Straßenhündin, haben sie oft Parasiten.
Aber: Es gibt kein universelles Entwurmungsmittel. Ob Spulwurm, Bandwurm oder Giardien – gegen alle helfen jeweils unterschiedliche Medikamente mit verschiedenen Dosierungsplänen. „Und einfach mal raten – das ist eine schlechte Medizin. Es kann dazu führen, dass sich Dein Haustier schlechter fühlt. Deshalb: Frage Deinen Tierarzt, welchen spezifischen Parasiten Dein Hund oder Deine Katze hat.“
Bei Katzen solltest Du darauf achten, ob sie Zimmerpflanzen anknabbern. Stelle potenziell giftige Zimmerpflanzen außerhalb der Reichweite Deines Haustieres auf. Vor allem junge Tiere sind von Natur aus neugierig auf ihre Umwelt und untersuchen sie mit dem Mund.



