Eisbecher aus der Kühltruhe holen, Lieblingsserie an – und zusammen mit dem Hund auf dem Sofa dem Verflossenen hinterhertrauern: Hunde sind vermutlich die besten Seelentröster, wenn es darum geht, ein gebrochenes Herz zu heilen. Aber wie geht es Deinem Hund, wenn Du Liebeskummer hast, trauert auch er bei und nach der Trennung? In diesem Artikel erfährst Du, wie Du eine Trennung mit Hund bewältigst und was bei Trennungsangst hilft.
Wer bekommt den Hund nach der Trennung?
Viele Paare schaffen sich irgendwann zusammen einen Hund an – vor allem, wenn sie in einer gemeinsamen Wohnung leben. Doch was, wenn irgendwann die Luft raus ist und die Beziehung in die Brüche geht?
Rechtlich ist ziemlich eindeutig geklärt, wer den Hund bekommt. Wurden Haustiere während einer Ehe angeschafft, gelten sie als Teil des Hausrats. Das heißt, im Falle einer Trennung muss der gemeinsame Hund dann zwischen den beiden Partnern geteilt werden. Außerdem gilt: Wessen Name im Kaufvertrag steht, der bekommt den Hund.
Auch der Hund muss also eine Trennung durchleben und ja, auch er trauert bei einer Trennung ähnlich wie ein Mensch. Er durchläuft eine Trauerphase und kann Trauerverhalten zeigen. Hat er doch einen Menschen, zu dem er eine enge Bindung hat, vielleicht für immer verloren. Oder er sieht ihn nur noch am Wochenende. Wie kann man die Trauer eines Trennungshundes abmildern?
Zunächst einmal sollte gut überlegt werden, wer den Hund mitnimmt. Meist hat er eine Lieblingsperson. Bleibt der Hund bei ihr, erleichtert ihm das die Trennung und auch einen eventuellen Umzug.
Vermissen Hunde den Ex?
„Ich glaube ganz fest daran, dass sich ein Hund, sobald er in eine Familie kommt, eine Bezugsperson aussucht“, sagt DeineTierwelt-Hundeexpertin Riccarda Kreickmann im Podcast „Pet-Talks: Hund“. „Das äußert sich nicht unbedingt dadurch, auf wen er besser hört, sondern er geht bevorzugt zu dieser Person, wenn es ihm schlecht geht oder er gekrault werden will.“ Verliert der Hund diese Person dann bei einer Trennung, kann es sein, dass er stärker trauert.
Sie rät Ex-Partnern, genau darauf zu achten, wenn es um die Entscheidung geht, wer den Hund mitnimmt. Allerdings dürfe man auch Faktoren wie Job und Zeit nicht außer Acht lassen. Ist diese Entscheidung einmal getroffen, so die Expertin, komme der Hund mit der neuen Situation in der Regel gut klar.
Besonders anhängliche und intelligente Hunderassen, wie der Chihuahua, der Deutsche Schäferhund und der Labrador Retriever, gehen besonders enge Bindungen ein. Schäferhund und Labrador brauchen zudem viel Beschäftigung. Hier kann es sein, dass sie ihre Bezugspersonen stärker vermissen.
Auch bei der Trennung von ihrem Besitzer können Hunde trauern

Auch Hunde, die den Besitzer wechseln, leiden unter der Trennung von ihrem Herrchen bzw. Frauchen – wie lange und wie stark, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Einige Hunde gewöhnen sich schnell an die neue Situation, bei anderen hält die Trauer nach einer Trennung Wochen oder sogar Monate an.
Wenn Hunde als Welpen zu früh von ihrer Hundefamilie getrennt wurden, kann diese Erfahrung zu stärkeren Verlustängsten führen. Hunde trauern nämlich nicht nur bei einer Trennung von ihrem Lieblingsmenschen, sondern auch, wenn sie von anderen vertrauten Hunden, ihren Rudelmitgliedern, getrennt werden.
Wie äußert sich Vermissen beim Hund?
Trennungshunde können Verhaltensauffälligkeiten wie Nervosität oder Aggressivität zeigen. Das hängt mitunter von ihrer Persönlichkeit ab und auch davon, mit wie viel Stress die Trennung verbunden war. Wenn Hunde jemanden vermissen, wandern sie unruhig umher, bellen ununterbrochen oder zerstören Dinge. Auch wenn Dein Hund wenig frisst oder sich zurückzieht und viel schläft, kann das eine Trauerphase sein. Schenke ihm dann besonders viel Aufmerksamkeit und gib ihm genügend Zeit, sich auf die veränderte Situation einzustellen.
Wie kann ich meinen Hund nach einer Trennung unterstützen?
Am leichtesten gelingt die Trennung mit Hund, wenn bestehende Routinen beibehalten werden, wie die gewohnten Fütterungszeiten, Spaziergänge und Spielzeiten. Manchmal ist auch das Wechselmodell eine Option. Der Hund kann dann wie ein gemeinsames Kind regelmäßigen Kontakt zu beiden Bezugspersonen haben oder sogar in beiden Haushalten leben. Das hängt natürlich immer von der jeweiligen Situation ab und ob das getrennte Paar überhaupt noch in Kontakt bleiben möchte. Manchmal ist es auch besser, den Kontakt zum Ex komplett abzubrechen.
Obwohl bei der Trennung vom Partner der gemeinsame Hund erst mal trauert, kann er in den meisten Fällen die Situation schon bald gut bewältigen. Falls nicht, kannst Du auch Deinen Tierarzt um Rat fragen.
Nach der Trennung vom Partner – Hunde leben im Hier und Jetzt
„Unsere Hunde leben im Hier und Jetzt“, sagt DeineTierwelt-Hundeexpertin Riccarda Kreickmann. „Auch in einer Beziehung gibt es ja Phasen, in denen ein Partner mal nicht da ist.“ Und auch das verkraften die meisten Hunde eigentlich gut – von anfänglichem Trennungsschmerz, unmittelbar nach dem die Tür ins Schloss gefallen ist, einmal abgesehen.
Trotzdem komme es immer mal vor, dass Hunde bei und nach einer Trennung ein verändertes Verhalten zeigen und trauern. „Aber das liegt daran, dass auch wir Menschen uns in einer Trennungsphase verändern. Wir sind traurig, wir weinen vielleicht viel, haben weniger Energie.“ Hunde merken, dass mit Herrchen oder Frauchen etwas nicht stimmt. Schließlich sind sie sehr gut darin, unsere Emotionen zu lesen.
Was „denken“ unsere Hunde eigentlich? Sie denken nicht wie wir, nehmen vieles aber sehr genau wahr. Geht es uns nicht gut, reagieren sie darauf – zum Beispiel, indem sie sich tröstend zu uns auf die Couch kuscheln.
Mehr dazu im Podcast
Du willst wissen, wie Riccarda mit ihrem Hund die Trennung von ihrem Ex gemeistert hat oder brauchst weitere Tipps, wie Du mit Deinem Vierbeiner über Deine Verflossene hinwegkommst? Dann solltest Du unbedingt diese Folge von „Pet-Talks: Hund“ anhören:
Hunde bleiben nicht gerne allein – wie kommt es zu Trennungsangst
Hunde trauern aber nicht nur bei einer endgültigen oder sehr langen Trennung, z. B. wenn eine wichtige Bezugsperson das gemeinsame Zuhause verlässt. Auch das Alleinbleiben fällt ihnen oft schwer.
Besonders während der Corona-Pandemie, nach Monaten im Home-Office und Home-Schooling, mussten sich Hunde wie Halter erst an die veränderte Situation gewöhnen. Raus aus dem Haus und rein ins Büro oder Klassenzimmer – für die Vierbeiner bedeutete das, dass sie wieder mehrere Stunden am Stück alleine bleiben mussten. Sie waren das aber kaum noch gewöhnt und bekamen vermehrt: Trennungsangst.
Die gute Nachricht ist aber, dass man die Bellos langsam wieder ans Alleinsein gewöhnen kann. Verlässlichkeit und Routine helfen hier weiter.



