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Krallen schneiden – muss das sein?

Wir schneiden uns zwar regelmäßig die Fingernägel, aber bei unseren Hunden, Kaninchen, Wellensittichen und Meerschweinchen gucken wir nicht unbedingt jede Woche auf die Krallen. Denn in den meisten Fällen geschieht die Pflege der Krallen durch das Tier: Durch Abrieb, also das ständige Abscheuern der Krallen beim Laufen, Klettern, Rennen, Kratzen, Buddeln und Scharren. Leider muss man manchmal trotzdem selbst zur Krallenschere greifen bzw. den Tierarzt bitten, dies zu tun.

Zu lange Krallen bei Hunden: Das sind die Ursachen

Bei Hunden berührt die Daumenkralle den Boden nicht und wird daher nicht abgeschliffen. Diese Kralle findet man an den Vorderpfoten innen, etwas höher als die anderen Krallen. Man sollte sie kurz halten, damit der Hund sich nicht verletzen kann, denn eine zu lange Kralle kann leicht irgendwo hängen bleiben.

Im dichten Fell eines langhaarigen Hundes fällt die Kralle oft nicht auf, darum bitte bei Langhaar-Hunderassen wie dem Golden Retriever besonders gut darauf achten. Die übrigen Krallen nutzen sich bei ausreichender Bewegung auf wechselnden Untergründen in der Regel von selbst ab. Eine Ausnahme bilden kranke, alte und schwache Hunde, die sich nur noch eingeschränkt bewegen können. Bei diesen Vierbeinern sollten die Krallen regelmäßig gekürzt werden.

Kratzbaum oder Kratzbrett sind für Wohnungskatzen unerlässlich

Bei Katzen ist das Schneiden eigentlich nicht nötig, weil sie ihre Krallen an Kratzbäumen, Bäumen und gelegentlich auch an Möbelstücken oder Tapeten schärfen und pflegen.

Im Normalfall ist die Kralle in einer Hautfalte verborgen, so dass die Stubentiger beim Laufen auf glattem Boden ganz lautlos sind.

Fangen sie eine Maus, schnellen die Krallen jedoch hervor, und auch beim Spiel können die Miezen entscheiden, ob sie „ernst“ machen oder sanft bleiben.

Katzenkrallen werden nur in seltenen Fällen geschnitten – zum Beispiel, wenn Erkrankungen der Krallen oder des Krallenbettes vorliegen. Auch alte und kranke Katzen kratzen brauchen Unterstützung, weil sie ihren Kratzbaum nicht so intensiv nutzen wie gesunde und junge Tiere.

Das Schneiden zum Schutz vor Verletzungen oder Beschädigung der Möbel ist fragwürdig, weil es für eine Katze nicht „normal“ ist, gekürzte Krallen zu haben. Schließlich muss die Mieze im Notfall schnell einen Baum hinaufklettern können, um sich in Sicherheit zu bringen – mit gekürzten Krallen schafft sie das nicht. Kinder können durch Katzenkrallen lernen, dass sie die Bedürfnisse von anderen Lebewesen respektieren müssen.

Krallen schneiden bei Kleintieren und Vögeln

Bei Kaninchen und Meerschweinchen, die nicht draußen gehalten werden, bietet der Käfig häufig zu wenig Möglichkeiten zum Scharren und Kratzen, sodass die Krallen zu lang werden. Weiche Einstreu wie Heu oder Sägespäne bieten einfach nicht genug Widerstand für die harten Krallen. Es ist also sinnvoll, Holzstücke zum Kratzen in den Stall zu geben oder den Tieren auf hartem Boden Freilauf zu gewähren.

Einmal schief gewachsene Krallen (sehr häufig bei Meerschweinchen) werden nicht ausreichend abgerieben und müssen daher regelmäßig gekürzt werden. Es besteht außerdem eine erhöhte Verletzungsgefahr, wenn die Tiere beim Freilauf in der Wohnung mit ihren Krallen in einem Teppich hängen bleiben. Dabei können sie sich dann ein Füßchen zerren.

Auch unsere geflügelten Haustiere haben Krallen und müssen diese abnutzen. Aus diesem Grund sollte man nicht nur Sitzstangen einer Sorte in den Käfig hängen, sondern unterschiedliche Stangen mit verschiedenen Durchmessern und Oberflächen wählen. Ein Sisalseil zum Klettern ist ebenfalls geeignet. Reicht dies nicht aus, ist die Krallenpflege nötig, um Verletzungen durch Hängenbleiben vorzubeugen.

Krallen schneiden – so geht’s

Am besten nimmt man eine spezielle Krallenschere, die die Kralle nicht mit zwei glatten Schneiden quetscht, sondern allseitig umschließt und dann abkneift. Krallenscheren haben deshalb eine runde Schneide. Hier gibt es verschiedene Modelle – man muss nur herausfinden, mit welchem Modell man selbst am besten arbeiten kann.

Bei hellen Krallen ist es einfach, die Gefäße im Inneren zu sehen. Man wählt einen Abstand von ein bis zwei Millimetern zum durchbluteten Bereich, damit es weder schmerzhaft ist noch blutet (Entzündungsgefahr!).

Bei dunklen Krallen ist es schwieriger: Hier arbeitet man sich langsam von der Spitze der Kralle aus vor, indem man zunächst die Krallenzange vorsichtig aufsetzt und dann langsam den Druck etwas erhöht. Manchmal lässt sich am Zucken des Tieres erkennen, dass man sich bereits im durchbluteten Bereich befindet – dann bitte nicht schneiden!

Viele Haustiere wehren sich allerdings bereits beim Festhalten so heftig, dass sich das nicht ohne Weiteres feststellen lässt. Im Zweifelsfall sollte man sich das Schneiden der Krallen von seinem Tierarzt zeigen lassen, damit kein Unglück passiert.

Das könnt Ihr tun, wenn Ihr eine Kralle zu kurz geschnitten habt

Falls Ihr zu tief angesetzt und Euer Tier verletzt habt, verfallt bitte nicht in Panik. Auch Tierärzten kann ein solcher Fehler unterlaufen. Denkt daran, dass die Kralle mit unseren Fingernägeln vergleichbar ist – Ihr habt Eurem Vierbeiner keinen Finger abgeschnitten! Stillt die Blutung, tröstet Euer Tier und beobachtet die Verletzung in den folgenden Tagen.

Wenn Ihr unsicher seid, ob Ihr die Wunde verbinden müsst oder sie nicht aufhört zu bluten, sucht bitte den Tierarzt auf. Das gilt natürlich auch für schwerwiegende Verletzungen, etwa wenn Ihr abgerutscht seid und die Pfote oder eine Zehe verletzt habt.

1 Kommentar

  1. Normalerweise habe ich die Krallen meiner Kaninchen immer selbst geschnitten, da man die Adern durch die hellen Krallen sehr gut erkennen konnte. Nun habe ich aber ein schwarzes Weibchen aufgenommen, die auch vereinzelte schwarze Krallen hat. Ich werde hier für das erste Mal zum Tierarzt gehen und ihn nach weiteren Tipps fragen. Zur besseren Abnutzung werde ich ein Stück Holz ins Gehege legen – danke für diese gute Idee!

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