Ein Hund, der seit drei Jahren nicht vom Grab seines Herrchens weicht. Ein weiterer, der tagelang vor dem Krankenhaus wartet, bis sein Herrchen wieder rauskommt. Geschichten wie diese beweisen: Hunde sind ihren Menschen treu ergeben. Und sie trauern, wenn diese plötzlich nicht mehr da sind.
Auch auf TikTok sorgt ein emotionaler Clip seit einigen Wochen für feuchte Augen: Darin zeigt sich ein Hund scheinbar so traurig über den Tod seines Kumpels, dass er nur noch rumliegt und „weint“. Zwei Millionen User haben das Video bereits geliked.
Aber ist das Verhalten, das wir bei dem Hund in dem Clip beobachten können, wirklich Trauer?
„Wenn ein Halter vor dem Haustier stirbt, kann das eine verwirrende, traurige und schwierige Zeit sein, sogar wenn geklärt wurde, wer sich jetzt um das Tier kümmert“, sagt Hundetrainer Russell Hartstein gegenüber dem Züchterverband American Kennel Club (AKC). Zwar können die meisten Hunde nicht verstehen, dass ein Mensch oder Tier gestorben ist – aber sie spüren deren Abwesenheit und können sie vermissen.
So erkennst Du, ob Hunde trauern
„Meine Definition von Trauer ist, dass das überlebende Tier Stress zeigt durch Verhalten, das sich merklich von seiner Routine unterscheidet“, so Anthropologie-Professorin Barbara J. King. Auch die Untersuchung einer Tierschutzorganisation hat ergeben, dass mehr als die Hälfte der Hunde nach dem Tod eines Begleiters Verhaltensänderungen zeigen.
Ob Dein Hund gerade um einen Menschen oder ein anderes Tier trauert, erkennst Du also unter anderem an stressbedingten Verhaltensweisen. Zu den Anzeichen gehören:
- Hecheln
- Winseln
- Bellen
- Herumstromern
- Unruhe
Auch Appetitverlust, Gewichtsabnahme, mangelnde Energie, mehr Schlaf, Lustlosigkeit, Anhänglichkeit und fehlendes Interesse für Bewegung können Zeichen für Trauer bei Hunden sein. Viele Hunde ziehen sich außerdem zurück, wenn sie einen Spielgefährten verlieren.

So kannst Du Deinem Hund bei Trauer helfen
Du hast die Vermutung, dass Dein Hund gerade um einen Verlust trauert? Dann kannst Du ihn unterstützen, indem Du die gewohnten Routinen möglichst beibehältst. Zusätzliche Streicheleinheiten und die Lieblingsspiele können Deinen Hund ablenken. Auch Bewegung und ausgiebige Gassirunden heben die Laune.
Allerdings kann es einige Wochen oder sogar Monate dauern, bis Dein Vierbeiner wieder ganz der alte ist. Denn wie lange die Trauerphase dauert, hängt vom einzelnen Hund ab. Genauso wie die Frage, wann es Zeit für einen neuen vierbeinigen Kumpel wird. Experten raten allerdings dazu, mit der Anschaffung eines neuen Haustiers zu warten, bis das Tier die gröbste Trauer überwunden hat.
„Ich habe keine Zweifel, dass Hunde uns genauso sehr vermissen wie wir sie, und wie wir brauchen sie Zeit um einen tiefen, emotionalen Verlust zu verarbeiten“, sagt etwa Sally Morgan, Physioherapeutin für Menschen und Tiere.
Solltest Du allerdings beobachten, dass die körperliche oder emotionale Gesundheit Deines Hundes leidet, bring ihn vorsichtshalber zum Tierarzt.



