Woran denkst Du, wenn Du den Ausdruck „Crazy Cat Lady“ hörst? Als erstes vielleicht an eine allein lebende, leicht durchgeknallte Frau, die außer ihren 20 Katzen keine Sozialkontakte hat. Dieses Vorurteil kommt nicht von ungefähr. Schließlich gibt es in Filmen und Serien zahlreiche Beispiele einer „verrückten Katzenfrau“.
Jetzt erhält das Stereotyp Einzug in politische Diskussionen. Der Auslöser: Ein Zitat von J.D. Vance, republikanischer Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten. Vance hatte Kamala Harris 2021, die für die Demokraten als Präsidentin kandidiert, als „childless cat lady“ bezeichnet – also als kinderlose Katzenfrau. Im Juli tauchten Vances Aussagen plötzlich wieder auf und sorgten sofort für heftige Reaktionen.
Die „kinderlose Katzenfrau“ als politisches Narrativ
In einem „Fox“-Interview sagte Vance, das Land werde unter anderem von Demokraten und „einem Haufen kinderloser Katzenfrauen regiert, die unzufrieden mit ihrem Leben und ihren Entscheidungen sind und deshalb den Rest des Landes ebenfalls unzufrieden machen wollen“. Und weiter: „Es ist einfach ein grundlegender Fakt – schau Dir Kamala Harris, Pete Buttigieg, AOC (Alexandria Ocasio-Cortez, Anmerkung der Redaktion) an – die gesamte Zukunft der Demokraten wird von Menschen ohne Kinder kontrolliert.“
Es ergebe doch keinen Sinn, das Land Menschen zu übergeben, die keine wirklichen Aktien darin hätten. Nach seiner Aussage präzisierte Vance: Er habe speziell die demokratische Partei dafür kritisieren wollen, dass sie „Anti-Familie“ und „Anti-Kind“ geworden sei.
Aber ist der Vorwurf überhaupt akkurat? Beim Beispiel von Kamala Harris zeigt sich: nein! Sie lebt zwar mit Katzen zusammen, ist aber weder alleinstehend, noch kinderlos – lebt sie mit Ehemann Douglas Emhoff und ihren Stiefkindern zusammen, die sie „Mamala“ nennen. Ob es nun stimmt oder nicht, die Bezeichnung als (Crazy) Cat Lady schürt erstmal ein negatives Bild.
Woher kommt das Bild der Crazy Cat Lady?
Verrückte Katzenfrauen spielen in der Popkultur seit Jahrzehnten eine Rolle. Da gibt es Eleanor Abernathy bei den „Simpson“ oder Angela bei „The Office“. Schon 2004 mimte Robert DeNiro für einen Sketch in der Latenight-Show „Saturday Night Live“ eine Frau, die mit 80 Katzen zusammen lebt. Die Frauen gelten im besten Fall als schrullig, im schlimmsten als mental instabil.
Doch warum halten diese alleinstehenden Frauen ausgerechnet Katzen – und keine Hunde?
Warum gibt es keine Crazy Dog Lady?
Die Katze galt schon im alten Ägypten als Symbol für Weiblichkeit – und für Macht. Diese wurde aber offenbar oft als Bedrohung wahrgenommen, die es zu unterdrücken galt. Später wurden Katzen mit „Hexen“ in Verbindung gebracht. Den Samtpfoten wurden vor allem im Mittelalter in Europa eher gefährliche Attribute zugeschrieben, so „CNN“.
Schon 1880 schrieb eine Zeitung in Schottland: „Die alte Magd wäre nicht typisch für ihre Klasse ohne die Katze.“ Denn wenn sie schon keinen Mann abkriege, müsse sie ihre Aufmerksamkeit einem niederen Tier widmen. Einer ähnlichen Auffassung war man 1881 offenbar auch in den USA: Kinderlose Frauen hätten das Hauptziel ihrer Existenz verfehlt, zitiert „NPR“ „Potter‘s American Monthly“. „Die Tradition verbindet sie mit Katzen und Papageien, die sie mit all der Zuneigung, die in ihrem verwelkten Herzen übrig ist, überschütten soll.“

Dass das Vorurteil der unglücklichen Katzenfrau längst überholt ist, ist seit 2019 sogar wissenschaftlich belegt. Denn Katzenhalter seien nicht depressiver, ängstlicher oder einsamer als Menschen ohne Katzen, so die Forschenden der UCLA. „Wir fanden keine Beweise, die das ‚Cat Lady‘-Stereotyp unterstützt hätten.“
Taylor Swift spricht sich als „Childless Cat Lady“ für Kamala Harris aus
Mittlerweile hat sich die Bedeutung der Crazy Cat Lady stattdessen eher ins Positive umgekehrt. Frauen mit oder ohne Kinder bezeichnen sich stolz als Cat Ladys. Prominentestes Beispiel weiblicher Katzenfans: Taylor Swift. Die US-Sängerin stellte sich nach der TV-Debatte zwischen Harris und Trump per Instagram-Post offiziell hinter die demokratische Präsidentschaftskandidatin. Zu einem Bild, das Swift mit einer ihrer Katzen zeigt, schreibt sie:
„Ich habe recherchiert, und ich habe meine Wahl getroffen. Ihr müsst Eure eigenen Recherchen machen und Eure eigene Wahl treffen. (…) Mit Liebe und Hoffnung, Taylor Swift”. Und darunter der Nachsatz: „Childless Cat Lady“. Ihr Post hat innerhalb weniger Stunden mehr als 7,7 Millionen Likes gesammelt.
„Childless Cat Ladys für Kamala“
Auch die Demokraten machen sich Vances Narrativ zunutze: Im offiziellen Shop, mit dessen Erlösen die Wahlkampf von Kamala Harris und Vize-Kandidat Tim Walz unterstützt wird, gibt es T-Shirts mit der Aufschrift „Childless Cat Ladys for Kamala“ zu kaufen. Zahlreiche Gegenbewegungen zu Vances Aussagen sind gestartet, darunter digitale Meetings zur Unterstützung der demokratischen Präsidentschaftskandidatin.
So kamen etwa Ende Juli unter der Leitung von Christine Pelosi, politische Beraterin und Tochter von Nancy Pelosi, und Nikky Fried, Vorsitzende der Demokraten in Florida, etliche Frauen und ihre Katzen virtuell zusammen. Sie tauschten dem „Guardian“ zufolge Tipps aus, wie sie Harris im Wahlkampf unterstützen können. Ihre Botschaft: „Die Cat Ladys schlagen zurück!“
Ob sie den Ausgang der Wahl am 5. November ausschlaggebend beeinflussen können, bleibt abzuwarten. Studien der Michigan State University zeigen, dass in dem Bundesstaat rund 18 Prozent der Frauen keine Kinder haben. Für die gesamten Staaten sei der Anteil zwar etwas anders, aber insgesamt lasse sich sagen, dass immer mehr Erwachsene kinderfrei bleiben – und Politiker daher aufpassen sollten, wen sie gegen sich aufbringen. Natürlich haben von den Kinderlosen nicht alle eine Katze. Die Daten zeigten aber: Erwachsene, die keine Kinder haben, sind eher liberal eingestellt.



