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Kieferorthopädie für Hunde: Wenn Fellnasen eine Zahnspange brauchen

Zahnkorrekturen aus kosmetischen Gründen werden bei unseren wuffenden Freunden nicht durchgeführt. Auch Hunde können unter schmerzhaften Fehlstellungen des Gebisses leiden und von einer Zahnspange profitieren. Alle zum Ablauf der Behandlung, wann genau sie nötig ist und wie viel sie kostet.

Das Wichtigste in Kürze:
  • nur bei medizinischer Notwendigkeit wie Fehlstellungen, Schmerzen und Fressproblemen
  • frühe Behandlung nötig, unter Narkose
  • Kosten: circa 350 bis 2.000 Euro
  • oft nicht versichert, Zusatzpakete prüfen

Zahnkorrekturen aus kosmetischen Gründen sind bei Menschen üblich. So ist es ein gewohntes Bild, wenn bei Teenagern hinter dem Lächeln eine Zahnspange zum Vorschein kommt. Bei unseren wuffenden Mitbewohnern ist diese Maßnahme zur Korrektur des Gebisses jedoch weniger bekannt. Gibt es also tatsächlich auch Zahnspangen für Hunde?

Erst wenn Hunde unter der Zahnfehlstellung leiden, greift der tiermedizinische Kieferorthopäde mittels Zahnspange ein. Vor allem bei kurznasigen Hunden wie Mops oder Französische Bulldogge können genetisch bedingte Zahnfehlstellungen zu gesundheitlichen Problemen führen. Aber auch der häufig vorkommende Über- oder Unterbiss bei Fellnasen bedarf einer solchen kieferorthopädischen Korrektur.

Tierarzt untersucht die Zähne eines kleinen weißen Hundes
Foto: freepik.com/Image by Freepik (Symbolfoto)

Im Welpenalter während des Zahnwechsels kann es häufig zu Komplikationen kommen. Entweder wächst das Gebiss nicht gerade oder noch vorhandene Milchzähne kommen den nachwachsenden Zähnen so in die Quere, dass das gesamte Gebiss schief wird.

Wann braucht Dein Hund eine Zahnspange?

In besonders problematischen Fällen reiben sich die Zähne aneinander ab, bohren sich in das Zahnfleisch und in den Gaumen oder bilden Lücken, in denen sich Essensreste sammeln können. Entzündungen und Schmerzen sowie der Gang zum tiermedizinischen Kieferorthopäden sind dann quasi vorprogrammiert.

Wenn Du ein verändertes Verhalten Deines Vierbeiners wie

  • ängstlicheres oder aggressives Verhalten,
  • Schluckbeschwerden,
  • Futterverweigerung,
  • abseitiges Kauen,
  • Kopfreiben an Gegenständen,
  • Schmerzäußerungen beim Fressen oder Zähneputzen,
  • Meiden von Hartfutter,
  • oder einen reduzierten Spieltrieb

feststellst, solltest Du das von indem Tierarzt abklären lassen, empfiehlt die „Tierzahnheilkunde Hamburg“.

Deine Tierwelt erklärt Dir, wie Hunde von einer Zahnspange profitieren können, welche Behandlungsmethoden es gibt und wie hoch die Kosten dafür ungefähr sind.

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Hunde-Zahnspangen: Behandlungsmethoden

Ähnlich wie beim Menschen ist es auch bei den Vierbeinern entscheidend, Zahnfehlstellungen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Denn ist der Hundekiefer erst einmal ausgewachsen, lassen sich Fehlstellungen im Gebiss nur noch sehr schwer korrigieren.

Wie wir Menschen können auch Hunde mit einer Zahnspange behandelt werden, um krumme Zähne zu korrigieren. Hierfür benutzt der tiermedizinische Kieferorthopäde verschiedene Instrumente und Methoden. So kommen „feste Aufbissschienen“, „Dehnschrauben“, „Metallbögen“, „Draht-Brackets“ oder alternativ eine „Gummiband-Bracket-Kombination“ zum Einsatz.

Die Behandlung erfolgt unter Narkose, die Dauer hängt vom diagnostizierten Problem und dem Alter der Fellnase ab. Der Erfolg ist ausschließlich von der korrekten Durchführung der kieferorthopädischen Maßnahme abhängig.

Wie wird die Zahnspange beim Hund eingesetzt?

Für Tierarzt Klaus Flaig ist die Behandlung mit „Brackets“ mittlerweile „zur unspektakulären Routine“ geworden, erklärt er gegenüber der „Neuen Westfälischen“. Ähnlich wie beim Menschen wird bei dieser Behandlungsmethode zunächst an den betroffenen Stellen der Zahnschmelz angeraut, darauf kommt ein „Haftmittler“, anschließend werden die „Brackets“ angeklebt und mit einem Gummiband verbunden.

Zusätzlich wird in manchen Fällen ein Stück von der Schleimhaut entfernt. Nach erfolgter Behandlung bekommt der vierpfotige Patient eine Halskrause, damit er sich das Gummiband nicht mit den Pfoten abreißen kann. Die Fellnase kann normales Futter erhalten, nur nichts, womit sie sich die „Brackets“ ausbeißen kann. Normalerweise haben die Hunde nach zehn Tagen alles überstanden und die Zahnspange kann wieder entfernt werden.

Hund mit Zahnspange
Foto: Adobe Stock/Dmitrii (Symbolfoto)

Etwas aufwendiger ist die Behandlungsmethode mit „Dehnschrauben“. Diese werden im Kiefer implantiert und je nach Absprache mit dem Tierarzt wöchentlich oder zwei-wöchentlich vom Tierbesitzer mit einem speziellen Schlüssel gedreht, um den Abstand zwischen den Zähnen zu korrigieren. Laut Tierarzt Klaus Flaig sollte diese Behandlungsmethode jedoch innerhalb der ersten elf Lebensmonate durchgeführt werden. Danach ist der Kiefer ausgewachsen und lässt sich nicht mehr dehnen.

Weitere Möglichkeiten zur Korrektur des Hundegebisses

Eine weitere weit verbreitete Hunde-Zahnspange ist auch die sogenannte „Aufbissschiene“. Diese wird mit einem speziellen Kunststoff in den Oberkiefer eingeklebt oder mit Drahtklammern befestigt. Bei jedem Kauen übt sie jetzt Druck auf den Zahn aus und bringt ihn somit in die richtige Stellung. Ein Verstellen der Schiene ist nicht nötig.

Bei einfachen Zahnfehlstellungen kann auch die „Umstellungstherapie“ helfen. Hierbei wird versucht, fehlgestellte Zähne durch tägliche Kauspiele mithilfe von Gummibällen oder durch Fingermassage in die richtige Position zu bringen. Das geht so: Teilweise könne es in manchen Fällen schon helfen, wenn der Hund dreimal täglich etwa 15 Minuten lang gezielt auf einem Gummiball oder ähnlichem kaue, so „Kinship“. Durch den stetigen Druck könnten sich die Zähne mit etwas Glück und Geduld in die richtige Stellung rücken lassen. Hat er kein Interesse daran, kann eine Zahnspange hilfreich sein.

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Kosten für eine Zahnspange bei Hunden

Wenn Hunde eine Zahnspange benötigen, ist dieses, wie auch beim Menschen, immer mit Kosten verbunden. Die Zahnspange wird der Fellnase unter Narkose eingesetzt und später wieder entfernt. Zusätzlich sind die Art der gewählten Zahnspange, passende Materialien, handwerkliches Geschick und wohl durchdachtes Vorgehen wichtige Faktoren für eine erfolgreiche Behandlung und für die letztendlichen Gesamtkosten.

Wenn alles gut läuft, kostet eine Zahnspangenbehandlung je nach Aufwand und gewählter Tierarztpraxis zwischen 350 und 1.200 Euro. Kommen jedoch Komplikationen hinzu, kann sich die Rechnungssumme auch schnell auf 2.000 Euro erhöhen.

In den meisten Hunde-Krankenversicherungen sind die Kosten für Zahnspangen nicht abgedeckt. Wählbare „Zahnzusatz-Pakete“ decken dann zwar laut den Versicherungsbedingungen auch „Zahnkorrekturen“ ab. Ob dann aber auch wirklich „Zahnspangen“ darunter fallen, solltest Du persönlich nachfragen.

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Fazit

Auch Hunde können manchmal eine Zahnspange gebrauchen. Doch im Gegensatz zum Menschen kommen diese bei unseren fellnasigen Freunden niemals aus ästhetischen Gründen zum Einsatz. Wenn die Zähne schief stehen oder der Biss nicht richtig passt, kann dies bei dem Vierbeiner zu Schmerzen, Schwierigkeiten beim Fressen oder sogar zu Verletzungen im Maulbereich führen. In solchen Fällen hilft die tiermedizinische Orthopädie mit unterschiedlichen Behandlungsmethoden dabei, die Zähne wieder in die richtige Position zu bringen.

Wie beim Menschen ist es jedoch elementar, solche Probleme frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig korrigierende Maßnahmen zu ergreifen. Ob dabei die Kosten der Behandlung von der Hunde-Krankenversicherung abgedeckt sind, sollte vom Tierhalter erfragt werden, da in den meisten Vertragsunterlagen zwar von Zahnkorrektur geschrieben wird, nicht aber, welche Behandlungen darunter fallen.

Neben der rechtzeitigen Erkennung eventueller Zahnfehlstellungen innerhalb der tierärztlichen Routineuntersuchungen ist auch die regelmäßige und gründliche Zahnpflege bei unserem wuffenden Liebling wichtig. Worauf Du dabei besonders achten solltest, erfährst Du hier und hier.

Wichtiger Hinweis

Unsere Ratgeber ersetzen nicht die veterinärmedizinische Beratung bei Deinem Tierarzt. Sie dienen lediglich der Information und sollen einen Überblick über Krankheiten, Verletzungen und deren Behandlung liefern. Wenn Dein Tier Symptome zeigt, die auf Verletzungen, Krankheiten oder Unwohlsein hinweisen, solltest Du unbedingt eine Tierarztpraxis oder eine Tierklinik aufsuchen.

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