Leider kursiert noch immer das Vorurteil, dass sich Katzen nicht erziehen lassen. Das ist so nicht ganz richtig: Die meisten Miezen sind sehr klug und begreifen schnell, was ihr Mensch von ihnen erwartet. Schwieriger ist es hingegen, die Katze dazu zu bringen, das erwünschte Verhalten auch umzusetzen. Im Gegensatz zu vielen Hunderassen haben Katzen nicht den unbedingten Willen, ihrem Menschen gefallen zu wollen. Für die artgerechte Katzenerziehung muss man deshalb viel Zeit einplanen und darf sich von Rückschlägen nicht entmutigen lassen.
Damit Ihr wisst, worauf Ihr bei Eurer Katze achten müsst, haben wir die wichtigsten Grundregeln für eine gelungene Erziehung zusammengestellt.
Lern Deine Katze kennen
Die Basis für eine erfolgreiche Katzenerziehung ist gegenseitiges Vertrauen. Ihr solltet deshalb viel Zeit mit Eurer Katze verbringen und ein enges Verhältnis zu ihr aufbauen. Regelmäßige Spiel- und Kuschelstunden – sofern von der Mieze erwünscht – sind dabei besonders wichtig. Je intensiver Ihr Euch mit der Katze beschäftigt, desto besser lernt Ihr die Samtpfote kennen und könnt die Erziehungsmaßnahmen an ihre speziellen Eigenheiten und Bedürfnisse anpassen.
Bedenkt: Viele Verhaltensweisen liegen in der Natur der Katze
Natürlich hat es niemand gern, wenn die Mieze Möbel zerkratzt oder nachts lautstark im Wohnzimmer herumtobt. Man muss sich jedoch vor Augen führen, dass viele Verhaltensweisen zur Natur der Katze gehören und sich nicht ohne Weiteres abtrainieren lassen. So zählt Krallenwetzen bei allen Samtpfoten zum täglichen Pflegeprogramm und die nächtliche Erkundungstour durchs Wohnzimmer ist auf die Nachtaktivität der Tiere zurückzuführen.
Selbstverständlich müsst Ihr deshalb nicht tatenlos zusehen, wenn sich die Katze an der frisch tapezierten Wand vergreift. Ihr solltet ihr stattdessen eine Alternative aufzeigen und das angeborene Verhalten in erwünschte Bahnen lenken. Macht der Katze beispielsweise deutlich, dass sich ein Kratzbaum noch viel besser zur Krallenpflege eignet, als die neu tapezierte Wohnzimmerwand und darüber hinaus noch tolle Spiel- und Klettermöglichkeiten bereithält.

Katzenerziehung: Bei richtigem Verhalten loben und belohnen
Wer seine Samtpfote artgerecht erziehen möchte, braucht eine Menge Geduld. Die meisten Katzen sehen es nämlich nicht ein, sich von ihrem Menschen etwas sagen zu lassen. Deshalb testen sie ihre Grenzen immer wieder aufs Neue aus. Vergreift sich die Mieze zum gefühlt zwanzigsten Mal an der Tapete, solltet Ihr tief durchatmen und Ruhe bewahren. Werdet niemals laut oder handgreiflich.
Eure Katze bekommt sonst Angst und reagiert schlimmstenfalls aggressiv. Nehmt die Mieze stattdessen liebevoll auf den Arm und tragt das Kätzchen auf den Kratzbaum. Wetzt es seine Krallen am Sisal, dürft Ihr das erwünschte Verhalten mit Streicheleinheiten oder einem Leckerli bestätigen. In der Regel merkt die Samtpfote sehr schnell, wie sie an ihre Belohnung kommt und wird den Kratzbaum schon bald der Tapete vorziehen.
Legt ein Kommando fest
Um der Katze unerwünschtes Verhalten deutlich zu machen, könnt Ihr innerhalb Eurer Familie ein übergeordnetes Kommando einführen. Springt das Kätzchen auf den Tisch oder kratzt an einer Tapete, lässt sich der Mieze beispielsweise mit einem ernst aber ruhig gesprochenen „Nein“ verdeutlichen, dass sie etwas Falsches getan hat. Natürlich könnt Ihr auch andere Formulierungen wie „Stopp“ oder „Halt“ verwenden. Wichtig ist jedoch, dass man sich auf ein bestimmtes Kommando einigt und dieses stets auf ähnliche Weise betont. So weiß Eure Mieze immer ganz genau, woran sie ist.
Katzenerziehung: Schnelle Reaktionen sind wichtig
Wenn Ihr Eurer Katze unerwünschtes Verhalten abtrainieren möchtet, ist schnelles Handeln Pflicht. So merkt Eure Mieze sofort, dass Ihr wachsam seid und ihr nichts durchgehen lasst. Außerdem könnt Ihr Missverständnissen vorbeugen: Wer seine Samtpfote zu spät tadelt, muss nämlich damit rechnen, dass die Katze nicht genau zuordnen kann, was sie nun eigentlich falsch gemacht hat und deshalb die falschen Schlüsse zieht.

Seid konsequent
Bei aller Liebe für Eure Samtpfote dürft Ihr eins nicht vergessen: Damit Eure Katze genau weiß, was erlaubt ist und was nicht, muss Eure Erziehung konsequent sein. Kommt eine neue Katze ins Haus, solltet Ihr Euch mit Eurer Familie zusammensetzen und klare Verhaltensregeln für Eure Mieze festlegen. Bezieht auch Kinder in die Unterhaltung mit ein und erklärt nachvollziehbar, warum die Katze manche Dinge darf und manche eben nicht.
Sind die Regeln einmal klar definiert, müssen sie von allen Personen im Haushalt durchgesetzt werden. Es hilft nichts, wenn Ihr Eurer Mieze verbietet auf dem Küchentisch zu schlafen und Eure Kinder zwei Stunden später einfach darüber hinwegsehen. Inkonsequentes Verhalten führt dazu, dass Eure Katze Euch nicht ernst nimmt und ihre Grenzen immer wieder austestet. Unterschiedliche Vorgaben können die Mieze zudem komplett verwirren, sodass sie gar nicht mehr weiß, was richtig und was falsch ist.
Wasserpistolen verwenden: Ja oder nein?
In vielen Ratgeber-Artikeln zum Thema Katzenhaltung werden Wasserpistolen als wirkungsvolle Erziehungshilfen empfohlen. Da die meisten Katzen von Natur aus eher wasserscheu sind, ist ein Spritzer aus der Pistole in vielen Fällen sehr wirkungsvoll und kann helfen, der Katze unerwünschtes Verhalten abzutrainieren. Dennoch gibt es viele Argumente, die gegen die Verwendung von Wasserpistolen, Sprühflaschen und Co. sprechen.
Häufig wird betont, dass man seinen Stubentiger mit Wasserpistolen anonym und gleichzeitig schmerzfrei bestrafen kann. Das ist so nicht ganz richtig: Katzen sind intelligent und wissen nach einigen Schüssen ziemlich genau, wem sie die unangenehme Dusche zu verdanken haben. Zudem ist das Nassspritzen mit Wasser gar nicht so harmlos, wie es oft vermittelt wird. Viele Katzen finden es nicht nur unangenehm, sondern reagieren richtig panisch, wenn sie vom Wasser getroffen werden. Schlimmstenfalls kann es passieren, dass die Mieze ihren Menschen selbst als Bedrohung wahrnimmt und sich aggressiv gegen ihren vermeintlichen Angreifer wehrt. In den meisten Fällen ist es daher sinnvoll, auf den Gebrauch von Wasserpistolen zu verzichten und die Mieze im Gegenzug für erwünschtes Verhalten zu loben.

Gewalt hat in der Katzenerziehung nichts zu suchen!
Verbale und körperliche Gewalt ist in der Katzenerziehung völlig fehl am Platz. Wenn Ihr Eure Samtpfote beim kleinsten Vergehen anschreit und gegebenenfalls sogar handgreiflich werdet, müsst Ihr Euch nicht wundern, wenn die Katze jegliches Vertrauen verliert. Katzen sind sensible Tiere und merken sich häufig auf Lebenszeit, wer ihnen Leid zugefügt hat. Eine einzige gewalttätige Handlung kann das Verhältnis zwischen Mensch und Tier stark belasten und bei der Mieze Angstzustände oder aggressives Verhalten auslösen.
Ein liebevoller Umgang und viel Geduld sind die Grundlagen für eine erfolgreiche Katzenerziehung. Um Missverständnisse auszuschließen, solltet Ihr die Mieze von Beginn an immer wieder konsequent an Ihre Regeln erinnern. Auf diese Weise erspart Ihr Euch in den folgenden Monaten und Jahren eine Menge Stress und könnt Euch auf ein harmonisches und friedliches Zusammenleben mit Eurer Katze freuen.



