Katzen sind als kleine Diven auf vier Pfoten bekannt. Und so schreiben manche Katzeneltern das Phänomen, dass sich ihre Samtpfote ihre Fressen aus dem Napf angelt und lieber vom Boden weiter frisst, gerne als eine Marotte ab. Und tut damit der kleinen Samtpfote unbewusst unrecht. Denn dafür, dass die Katze ihren Napf nicht leer frisst oder das Futter hinausbefördert, gibt es oft 25 Gründe: 24 Schnurrhaare und ein zu tiefer oder schmaler Fress-Napf.
Und für dieses Verhalten gibt es einen Namen: „Whisker Stress“ – also „Schnurrhaar Stress“. Gemeint ist damit der Stress, der entsteht, wenn die Katze aus einem tiefen Napf frisst und die Schnurrhaare währenddessen permanent an den Rand des Futternapfes stoßen. Und das ist für die Samtpfote äußerst unangenehm.
Denn die Schnurrhaare sind sehr sensibel – die Reize werden direkt an das Gehirn weitergegeben. Stößt die kleine Samtpfote daher beim Fressen immer an den Rand des Napfes, wird jedes Mal ein Signal an das Gehirn gesendet. Um diesen „Whisker Stress“ zu vermeiden, angeln viele Miezen ihr Fressen aus dem Napf und fressen es lieber direkt vom Boden.
Warum sind die Schnurrhaare von Katzen so empfindlich?
Die Schnurrhaare („Vibrissae“) der kleinen Vierbeiner sind tief verwurzelt und enden in gut durchblutetem Gewebe, das über zahlreiche Muskeln und Nerven verfügt. Sie sind daher äußerst empfindlich. Schon kleinste Ablenkungen von der Normalstellung sorgen dafür, dass Erregungsdaten über sogenannte „Propriozeptoren“ am Ende der Schnurrhaare direkt an das Gehirn weitergeleitet und die Reize dann dort ausgewertet werden. Somit können Katzen über diese Sinnesorgane sogar kleinste Luftbewegungen erfassen.
Die Schnurrhaare funktionieren außerdem wie kleine Fühler, mit denen die Katze zum Beispiel ertasten kann, ob sie durch ein Loch passt oder nicht. Denn die Schnurrhaare sind von Spitze zu Spitze so breit, wie die kleinste Öffnung durch die eine Katze hindurch passt.

Auch helfen die Schnurrhaare zur Orientierung in der Dunkelheit und vor allem bei nächtlichen Jagdausflügen. Ist die Katze so nah an ihrem Beutetier, dass sie es nicht mehr sehen kann, streckt sie die Schnurrhaare aus, um die Stelle zu fühlen, an der sie den tödlichen Biss ansetzen muss.
„Whisker Stress“ stört daher den Empfang dieser hochempfindlichen Antennen im Gesicht unserer Samtpfoten und flutet das Gehirn mit Reizen, die für Miezi während des Fressens unangenehm sind.
Fakten über die Schnurrhaare
- Katzen haben 24 Schnurrhaare – zwölf auf jeder Seite der Nase
- in der Regel sind Schnurrhaare acht bis zwölf Zentimeter lang
- Schnurrhaare sind länger und steifer als das restliche Fell der Katze
- Schnurrhaare können sich vor- und rückwärts bewegen
- sie zeigen nach vorne, wenn Miezi etwas erforscht oder ausprobiert – aber auch, wenn sie sich fürchtet
- die Samtpfote legt die Schnurrhaare in Abwehrhaltung an und zeigt so, dass sie etwas nicht berühren möchte
- Schnurrhaare sollten sie nicht geschnitten werden, obwohl sie nachwachsen

Wie kannst Du „Whisker Stress“ vermeiden?
Wenn Miezi also Fleischbrocken mit dem Maul oder der Pfote aus dem Napf angelt und vom Boden weiter frisst, Dich nach Futter anbettelt, obwohl im Napf noch etwas ist oder das Futter sogar ganz verschmäht, ist das nicht: „Tzz tzz tzz – eben typisch Katze“.
Sie will Dir mit ihrem Verhalten auf ihre Art sagen, dass sie vermutlich unter „Whisker Stress“ leidet und dass es jetzt an Dir liegt, ihr zu helfen: Indem Du ihr Futter- und Trinknäpfe anbietest, bei denen die Schnurrhaare nicht an den Rand stoßen und bei denen es daher nicht unangenehm ist, das Köpfchen hineinzustecken. Deine Miezi wird es Dir schnurrend danken.
Und dann lernst Du die nächste Lektion der Katzensprache: Sind die Schnurrhaare nicht ausgebreitet und liegen eng am Maul, ist Miezi im entspannten „Samtpfoten Standby-Modus“.



