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Kann ich als Vegetarier meinen Hund mit Fleisch ernähren?

Selbst auf Fleisch oder komplett auf tierische Produkte verzichten, den Hund aber genau damit füttern – ist das inkonsequent? Oder artgerecht? DeineTierwelt hat mit zwei Hundehaltern gesprochen, die dabei unterschiedliche Ansätze haben.

Dem Hund Fleisch füttern oder nicht – diese Frage stellen sich viele Menschen gar nicht. Anders sieht es allerdings bei Hundehaltern aus, die sich selbst vegan oder vegetarisch ernähren. Was für oder gegen eine fleischlose Ernährung von Hunden sprechen könnte, hat DeineTierwelt mit zwei Hundehaltern besprochen: Eine ernährt sich vegetarisch und ihren Hund mit Fleischprodukten, einer ernährt sich und seinen Hund vegan.

Theresia (27) wohnt mit ihrem Freund und Hündin Elsa in Köln. Sie selbst ernährt sich schon ihr Leben lang vegetarisch und zwischendurch auch immer mal wieder vegan, genau wie ihr Partner seit einigen Jahren.

„Ich habe schon als Baby Beikost mit Fleisch immer ausgespuckt, vermutlich, weil ich die Konsistenz nicht mochte. Als ich als Kind dann zusätzlich mitbekommen habe, dass hinter dem Fleisch auf dem Teller ein Tier steckt, war es für mich noch unvorstellbarer, Fleisch zu essen“, erzählt sie im Gespräch mit DeineTierwelt. „Weil die Tierliebe einfach so groß war – und ist.“

Im Oktober 2020 ist dann Elsa bei dem Paar eingezogen. Die Parson-Jack-Russell-Hündin ist elf Monate alt, stammt von einer Züchterin aus dem Emsland – und isst als einzige im Haushalt Fleisch. „Als wir Elsa geholt haben, stand auch eine vegane Ernährung im Raum. Wir haben uns darüber viele Gedanken gemacht, gerade weil auch immer mehr veganes Futter für Hunde angeboten wird.“

„Wir finden es artgerechter, unseren Hund mit Fleisch zu füttern“

Trotzdem entschieden sich die beiden dagegen, ihre Hündin vegan zu ernähren. „Wir sind einfach der Meinung, dass es für den Hund artgerechter ist, ihm Fleischprodukte zu geben, weil er quasi ursprünglich ein Fleischfresser ist.“

Hündin Elsa wird von ihren Vegetarier-Haltern mit Fleisch gefüttert.
Foto: privat

„Dabei war es uns von Anfang an super wichtig zu gucken, welches Fleisch in dem Futter ist und woher es kommt.“ Sie haben sich viele Alternativen angeschaut und sich dann zuerst für Trockenfutter entschieden. „Das hat sich für mich am Anfang einfacher gestaltet, weil ich natürlich auch ein Problem mit dem Kontakt mit Fleisch hatte, weil ich mein Leben lang nie Fleisch zubereitet habe. Deshalb war es für mich erstmal eine Überwindung.“

Hundefutter möglichst mit hochwertigem Bio-Fleisch aus Deutschland

Mittlerweile bekommt Elsa auch Nassfutter, das genau wie die Leckerchen nur aus Fleisch besteht, das nicht aus Massentierhaltung kommt, bestenfalls bio ist und in Deutschland produziert wird. „Das ist uns bei der Ernährung sehr wichtig.“ So haben sie für Elsa mittlerweile einen guten Weg und hochwertige Produkte gefunden, die sie „guten Gewissens füttern können.“

„Am Anfang ist es mir wirklich schwer gefallen, Fleisch zu füttern, mittlerweile ist es aber deutlich besser.“ Was es ihr leichter macht: hochwertiges Futter, das zum Beispiel auch nicht so unangenehm rieche, wie man es sonst von nassem Hundefutter im Kopf habe. „Wir würden uns wahrscheinlich auch weiter vegetarisch oder vegan ernähren, haben uns aber für Elsa anders entschieden.“

Dass sie ihrem Hund Fleisch füttern würden, war bei der Überlegung, Elsa aufzunehmen, aber kein Hindernis. Nur Elsa zu BARFen, also rohes Fleisch zu füttern, käme für sie nicht infrage: „Ich könnte nicht mit rohem Fleisch hantieren.“

„Damit es unserem Hund gut geht, sollen keine anderen Tiere leiden“

Auch Marian (29) und seine Freundin informierten sich schon über die vegane Ernährung von Hunden, bevor sie vor fast zwei Jahren Kantu bei sich in Köln aufnahmen. Der Tierschutzhund stammt aus Rumänien und bekommt von seinem Herrchen und seinem Frauchen rein pflanzliches Futter.

Hund Kantu
Foto: privat

Das war nicht immer so: „Am Anfang bekam er normales Futter speziell für Junghunde.“ Nach Gesprächen mit Tierärztinnen entschied das Paar, das sich seit rund drei Jahren vor allem aus ökologischen Gründen vegan ernährt, bei Kantu pflanzliches Hundefutter zu probieren.

„Denn letztlich durchlaufen alle Alleinfuttermittel, die in Deutschland verkauft werden, Tests und werden auf ihren Nährstoffgehalt überprüft.“ Dabei seien die Hauptbestandteile von Hundefutter mit und ohne tierische Produkte ohnehin sehr ähnlich, zum Beispiel Linsen und Karotten.

Wichtig, dass es dem Hund mit der veganen Ernährung gut geht

Also bestellten die beiden ein passendes Hundefutter, das „Kantu geschmeckt und augenscheinlich gut vertragen hat“. Um auf Nummer sicher zu gehen ließen sie ein großes Blutbild machen und weihten ihren Tierarzt ein, der seitdem zusätzlich ein Auge auf Kantus Nährstoffversorgung hat.

„Wir Menschen merken bestimmte Mängel ja schnell, indem wir uns zum Beispiel schlapp fühlen. Unsere Hunde können das nicht so leicht kommunizieren“, erklärt Marian. Deshalb sei es wichtig, seinem Hund gegenüber sensibel zu sein, zu wissen, wie es ihm geht und auf die Tierärzte zu hören.

Und wenn Kantu irgendwann doch wieder Fleisch fressen müsste? „Eine schwierige Frage“, gibt Marian zu. „Gerade sind wir froh, dass wir uns vor der Entscheidung drücken können, weil es so funktioniert. Aber aus Liebe zu unserem Hund würden wir schon alles möglich machen, damit es ihm gut geht.“

Tierärztin: Vegane Ernährung kann für manche Hunde sinnvoll sein

Und was sagen Tierärzte zu dem Thema? In einigen Fällen könne eine vegane Ernährung für Hunde sinnvoll sein, erklärt Tierärztin Ina Krafzel bei „DeineTierwelt TV“ – zum Beispiel wenn ein Hund allergisch gegen tierisches Eiweiß sei. Dabei müsse man allerdings auf eine entsprechende Futterzusammenstellung und eine langsame Umstellung achten.

Pauschal empfehlen würde sie eine vegane Ernährung für Hunde nicht. Mit einer individuellen Ernährungsberatung und regelmäßigen Kontrollen, beispielsweise des Blutbilds, sei das aber durchaus möglich.

„Wenn die Hunde es nicht vermissen und es sich gesundheitlich nicht negativ auswirkt, kann man sie konsequent auch vegan ernähren“, lautet auch die Einschätzung von Prof. Dr. Dagmar Borchers.

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