HomeHundeIst Dein Hund ein Balljunkie? So kannst Du es ihm abgewöhnen

Ist Dein Hund ein Balljunkie? So kannst Du es ihm abgewöhnen

Auch Hunde können süchtig werden – etwa nach Ballspielen. Du hast Angst, dass sich Dein Vierbeiner zum Balljunkie entwickelt? Pia Groening ist Hundetrainerin und verrät, wie Du die Ballsucht Deines Hundes in den Griff bekommst.

Manche Hunde lieben es, mit dem Ball zu spielen, und andere sind bereits süchtig. Wie bei uns Menschen ist auch beim Hund eine Sucht nicht erstrebenswert. Denn sie führt dazu, dass der Hund um sich herum alles ausblendet.

So hatte ich mal einen Fall, wo der Hund beim Spaziergang keinerlei Kontakt mehr aufgenommen hat mit anderen Hunden oder Menschen – obwohl er vor der Sucht recht kontaktfreudig war. Das ging so weit, dass er vor Laternen oder parkende Autos gelaufen ist, während er den Ball in der Ballschleuder seines Menschen fixiert hat. Er hat also jegliches Körpergefühl verloren und sich in ungesunde Situationen gebracht. Denn auch entgegen kommende Hunde hat er nicht mehr beachtet.

Diese wiederum haben manchmal aggressiv reagiert, weil der Hund mit ihnen nicht kommuniziert hat oder auch Individualdistanzen unterschritten hat. Insgesamt neigte der Hund zur Ängstlichkeit und war sehr stressanfällig.

Ein weißer Hund trägt auf einer Wiese einen Tennisball im Maul.
Foto: pixabay.com/LaBruixa (Symbolfoto)

Ich hatte bisher einen Ball-Junkie: ein Grosser Münsterländer, den ich zehnjährig aus dem Tierschutz übernommen habe. Dieser ist sogar mal mit dem Kopf durch eine Glastür gedonnert, weil dahinter der Ball gelegen hat. Ansonsten hat er sehr stark zum Bellen geneigt und war insgesamt unausgeglichen und stressanfällig.

Unterm Strich können wir festhalten: Wenn der Ball die Kommunikationsfähigkeit des Hundes und dessen Bemühen um seine Gesundheit unterdrückt, dann ist es Zeit, etwas zu ändern!

Wie wird ein Hund ein Balljunkie?

So 100 % steht das nicht fest. Es sind oft Rassen, die zum Apportieren beziehungsweise für Beutespiele)oder zum Hüten gezüchtet sind. Hinzu kommt die Bereitschaft, sich in Situationen hineinsteigern zu können – nicht nur auf den Ball bezogen.

Das in Kombination mit einem Hundebesitzer, der exzessiv den Ball wirft oder gar mit einer Schleuder schleudert, kann zu einem Ball-süchtigen Hund führen. Und das ist gar nicht so selten – eine aktuelle Studie geht davon aus, dass jeder dritte Hund spielsüchtig ist.

Ein Hund springt nach einem Ball.
Foto: unsplash.com/Jake Hutchison (Symbolfoto)

Soll ich den Ball präventiv dann ganz weglassen?

Nein. An sich hat das Spiel viele wichtige Funktionen im Zusammenleben mit dem Menschen als auch um es als Belohnung zu nutzen. Es kann außerdem eine Ersatz-Hetzbefriedigung verschaffen. Du solltest allerdings das Wurfspiel kurz halten und zum Beispiel maximal drei Mal hintereinander werfen. Zudem solltest Du Deinem Hund beibringen, dass er auch mal auf Signal bleibt und erst auf Deine Freigabe hin hinter dem Ball herlaufen darf.

Was kann ich tun, wenn mein Hund bereits ein Ball-Junkie ist?

Generell gilt, dass der Ball nicht zur ständigen Verfügung da liegt oder/und täglich zum Einsatz kommt. Als erstes macht es Sinn, ein Wortsignal und ein Handzeichen zu etablieren, das bedeutet, dass der Ball nun weggepackt wird und in nächster Zeit nicht zum Einsatz kommt. Ich hatte da zum Beispiel „Schluss!“ als Wort und dann meine Handflächen über Kreuz bewegt als Sichtzeichen.

Dann wird der Ball in die Tasche gesteckt und nicht mehr hervor geholt. Dies frustriert Deinen Hund und könnte schlimmstenfalls sogar Aggression auslösen. Wenn Du Letzteres befürchtest, dann konsultiere bitte einen verhaltenstherapeutisch arbeitenden Tierarzt oder sehr guten(n) Hundetrainer(in).

Hund jagt einen Ball.
Foto: pixabay.com/Karsten_Kettermann (Symbolfoto)

Wenn Du den Ball einsteckst, wird Dein Hund eventuell bellen oder anders seinen Frust zum Ausdruck bringen. Deswegen mache den Aufbau in einer Umgebung, wo Du keinen Stress mit Nachbarn und Co. erwartest. Optimalerweise machst Du dann sofort etwas mit Deinem Hund, wo die Energie alternativ hinfließen kann, wie einen Spaziergang, eine Radtour, eine Kletterpartie auf umgefallen Baumstämmen, ein Futtersuchspiel oder Ähnliches.

Der Ball im Hundemaul wirkt oft auch wie eine Art Schnuller. Deswegen macht es Sinn, dem Hund in für ihn aufregenden Situationen eine Alternative anzubieten. Das kann ein anders geformtes Spielzeugs oder ein Kauartikel sein. Manch ein ehemaliger Raucher berichtet etwa, dass ihm oft auch die Gewohnheit fehlt, an etwas mit seinem Mund zu ziehen und so ein Dampfer ein adäquater Übergang von der Zigarette zur kompletten Abstinenz ist.

Ball für Rückruf- und Entspannungstraining

So kann man sich das beim Hund auch vorstellen – allerdings geht es gar nicht darum, dass er komplett clean wird. Ich habe bei meinem Ball-Junkie den Ball als Belohnung für eine Art Notfallrückruf eingesetzt. Mit diesem Rückruf konnte ich ihn sogar noch abrufen, wenn er bereits rammelnd auf einer läufigen Hündin gehockt hat. Das ist die positive Seite, wenn der Hund für sein Spielzeug nahezu alles tun würde.

Hund-will-mit-aufgerissenem-Maul-gelben-Ball-fangen
Foto: AdobeStock/Lunja (Symbolfoto)

Diesen Rückruf habe ich allerdings höchsten ein Mal in der Woche genutzt. Außerdem war das Signal zum Wegpacken des Balls gut etabliert, so dass wir nach dem Einsatz des Balls dann gut weitergehen konnten.

Auch Gehorsamkeitsübungen am Ball (im Fuss dran vorbei, vom fliegenden Ball abrufen, bleiben beim Ballwurf etc.) haben wir durchgeführt, damit der Hund in der Gegenwart des Balles ansprechbar geworden ist. Eine weitere Möglichkeit ist es, in der Gegenwart des Balles Entspannung zu üben. Das beginnst Du am besten zu Hause in einer Situation, wo eh Entspannung angesagt ist, zum Beispiel während der abendliche Kuschelrunde auf dem Sofa vor dem Fernseher.

Hier kann dann der Ball so hingelegt werden, dass er für den Hund präsent ist, er aber nicht dran kommt. Kann er sich gut in dieser Situation entspannen, dann wird der Ball immer erreichbarer für den Hund.

Außerdem übe ich auch an anderen Orten und in anderen Situationen, dass der Hund sich entspannen und auf anderes fokussieren kann, obwohl der Ball zum Beispiel am Boden liegt oder gar jemand anderes damit spielt.

Hund liegt mit Ball auf dem Sofa
Foto: AdobeStock/ Jeff Bergen/peopleimages (Symbolfoto)

Fazit: Wenn Du einen Ball-Junkie hast und die oben beschriebenen Maßnahmen ergreifst, dann wird Dein Hund in den ersten Tagen unruhiger sein. Das ist normal. Denn er ist auf Entzug. Halte durch! Nach circa drei Wochen solltest Du eine Veränderung bei Deinem Hund feststellen. Er wird vermutlich ausgeglichener sein. Seine Ängste, Aggressionen oder Stressanfälligkeit werden geringer.

Ist dies nicht der Fall, dann hole Dir professionelle Hilfe!

Über unsere Gastautorin

Pia Groening ist seit 2004 hauptberuflich selbstständig im Bereich Hundetraining – ihr Schwerpunkt ist das Antijagdtraining und die Beschäftigung von jagdlich interessierten Hunden. Aktuell führt Pia drei Spaniel und einen Deutsch Langhaar. Pia bietet ein kostenloses Webinar zum Thema „Das Jagdverhalten – wie kann ich seine Entwicklung beeinflussen?“ an, in dem Du noch einiges mehr rund um das Thema Spiel mit dem Hund erfahren kannst. Für Deine Tierwelt schreibt sie Gastbeiträge über Hundeerziehung.

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