HomeSCHWERPUNKTIllegaler Welpenhandel unterm Auslandstierschutz-Deckmantel

Illegaler Welpenhandel unterm Auslandstierschutz-Deckmantel

Wer einen Hund aus dem Auslandstierschutz aufnimmt, tut das eigentlich in der Annahme, einem geretteten Tier ein besseres Leben zu ermöglichen. Doch immer öfter nutzt auch die Welpen-Mafia diese Masche, um ihre wie am Fließband produzierten Welpen an gutgläubige Menschen zu verkaufen.

Keinen Welpen von möglicherweise dubiosen Züchtern, sondern aus dem Auslandstierschutz aufnehmen – da kann doch nichts schiefgehen, oder? Leider ist auch da mittlerweile Vorsicht geboten. Denn: Längst nicht jede Organisation, die vermeintlich gerettete Hunde nach Deutschland vermittelt, ist so seriös, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat.

Mittlerweile arbeitet die Welpen-Mafia immer öfter auch unter dem Deckmantel des Auslandstierschutzes. Dann geben sich die illegalen Welpenhändler als vermeintliche seriöse Organisationen aus. Von diesem Vorgehen berichten unter anderem Ralph Rückert und Johanne Bernick von der Kleintierpraxis Ralph Rückert aus Ulm.

In einem Blogartikel und auf Facebook berichten sie von Balou, einem kleinen Welpen, der bei ihnen Mitte Februar wegen Giardien behandelt worden war. Wenige Tage später starb er an Parvovirose – genau wie seine Geschwister, die mit einem Transporter aus Rumänien gekommen waren.

Organisationen scheinen auf den ersten Blick seriös

Das Besondere an diesem Fall: Die Welpen wurden von einer auf den ersten Blick seriös wirkenden Auslandstierschutz-Organisation nach Deutschland gebracht. Erst, als die Tierärzte genauere Nachforschungen anstellten, wurden sie stutzig. So legen zum Beispiel die Einträge im Impfpass nahe, dass Balou und seine Geschwister vermutlich vorsätzlich älter gemacht wurden, um früher als eigentlich erlaubt nach Deutschland gebracht werden so können. „Dieses Ältermachen von Tierschutz-Welpen ist uns vor kurzer Zeit verdachtsweise schon einmal untergekommen”, berichten die Tierärzte.

Besonders verdächtig erschien ihnen aber folgende Situation: Von Balous Besitzern hatten sie erfahren, dass sich auch einer von Balous Geschwistern zur gleichen Zeit in stationärer Behandlung in einer anderen Tierklinik befand. Als sie dort allerdings anriefen und nachfragten, sagten die Mitarbeiter, die „Tierschutzorganisation” habe ihnen untersagt, Informationen in diesem Fall weiterzugeben. „Da bleibt einem schon die Spucke weg”, sind die Ulmer Tierärzte fassungslos.

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Welpen-Mafia kassiert mit Tierschutz-Masche ab

Das Problem ist auch großen – seriösen – Tierschutzorgansiationen wie dem „Deutschen Tierschutzbund” bekannt. So würden die Vermehrer beispielsweise immer häufiger Mischlingswelpen „produzieren”, die erst nach Südeuropa gebracht und von dort als „Tierschutznotfälle” nach Deutschland vermittelt werden.

„Das illegale Geschäft mit Tieren und vor allem Tierbabys floriert”, schreibt auch die Tierschutzorganisation „Peta”. „Selbst unter dem Deckmantel des Tierschutzes verdienen Kriminelle mit der vermeintlichen Rettung von Tieren – die in vielen Fällen jedoch keine ist – viel Geld.”

Das Tierheim Passau macht auf Facebook ebenfalls auf das Problem des illegalen Welpenhandels unter dem Deckmantel des Auslands-Tierschutzes aufmerksam. Oft hätten die Tiere gefälschte Papiere und Traces – Dokumente, die für den Import von Tieren innerhalb der EU nötig sind –, die korrupte Tierärzte ihnen ausstellen würden.

Dubiosen Auslandstierschutz erkennen

Wie aber erkennt man als Interessentin oder Käufer falsche Auslandstierschutz-Orgnisationen? Ralph Rückert und Johanne Bernick raten allen, die einen Hund aus dem Auslandstierschutz aufnehmen wollen, die jeweiligen Organisationen möglichst genau unter die Lupe zu nehmen.

1. Kontakt und Erreichbarkeit

Dabei kann es zum Beispiel helfen, sich vom örtlichen Tierheim eine vertrauenswürdige Organisation empfehlen zu lassen. Eine gute Organisation sei telefonisch erreichbar und beantworte alle wichtigen Fragen zu den Tieren, zum Transport und den gesundheitlichen Vorkehrungen, so „Peta”.

2. Internetauftritt

Schau Dir außerdem genau den Internetauftritt einer Organisation an: Ist sie aktuell, informiert über Notfälle, Pflegestellen und Vermittlungen? Kommst Du an Informationen über Partner-Tierheime im Herkunftsland? Gibt es ein seriöses Impressum?

Wichtig ist auch die Aussagekraft der Hundeprofile. Vorsicht ist zum Beispiel geboten, wenn alle Hunde angeblich „pflegeleichte Familienhunde” sind. Das kann kaum der Realität entsprechen.

3. Eingetragener, gemeinnütziger Verein?

Versuche, Dir ein bestmögliches Bild von der Tierschutzarbeit vor Ort zu machen. Überprüfe in jedem Fall auch, ob es sich um einen eingetragenen Verein handelt und dieser als gemeinnützig anerkannt ist.

Je nach Onlineplattform müssen die Tierschutzorganisationen außerdem nachweisen, dass sie legal Tiere vermitteln dürfen.

4. Kennenlernen und Vertrag

Gute Organisationen legen zudem Wert darauf, dass ihre Hunde in ein passendes Zuhause vermittelt werden. Sie besuchen die Interessenten deshalb im Vorfeld und sprechen ausführlich mit ihnen. Die Übergabe sollte außerdem in jedem Fall vertraglich geregelt werden, bevor der Hund einzieht. Im Idealfall erfolgt nach einigen Wochen ein zweiter Besuch, bei dem geschaut wird, dass Hund und Halter gut zusammenpassen und es dem Hund wirklich gut geht.

5. Tiergesundheit

Seriöse Organisationen haben auch die Gesundheit der Hunde im Blick. Sie vermitteln nur geimpfte Tiere mit gültigem Heimtierausweis, Microchip, Wurmkur sowie gegebenenfalls Parasitenbehandlung.

6. Alter

Achte auch hier auf das Alter der Hunde: Welpen aus dem EU-Ausland dürfen frühestens mit 15 Wochen nach Deutschland kommen.

Hinweis in eigener Sache: Das DeineTierwelt-Magazin ist ein Angebot des Unternehmens DeineTierwelt, das selbst eine Online-Plattform zur Vermittlung von Haustieren betreibt. Die Redaktion arbeitet unabhängig davon nach rein journalistischen Standards. Was DeineTierwelt gegen den illegalen Welpenhandel unternimmt, kannst Du unter anderem hier nachlesen.

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