HomeRatgeberHundetrainerin klärt auf: Ist es schlimm, wenn Dein Hund buddelt?

Hundetrainerin klärt auf: Ist es schlimm, wenn Dein Hund buddelt?

Dein Hund kann auf der Gassi-Runde an keinem Maulwurfshügel oder Mauseloch vorbeigehen, ohne das Erdreich umzupflügen? Dann fragst Du Dich bestimmt, ob das in Ordnung ist. Hundetrainerin Pia Gröning ist Expertin für Jagdhunde und beantwortet für DeineTierwelt regelmäßig wichtige Hunde-Fragen.

Du gehst mit Deinem Hund spazieren und ihr lauft an einem brachliegenden Feld entlang. Ein Mäuschen verschwindet in ihrem Loch. Dein Hund hüpft aufgeregt hinterher und beginnt mit der Buddelei. Vielleicht schießt Dir als erstes der Gedanke in den Kopf, ob Dein Hund sich bald auch für anderes Getier interessieren wird – also falls er das nicht eh schon tut.

Du fragst Dich: Soll ich ihm den Spaß gönnen oder muss ich es ihm verbieten? Da kann ich Dich beruhigen – die Mäusejagd unterscheidet sich von der Jagd auf Hase und Co. Sie haben nichts miteinander zu tun.

Die Jagdverhaltenskette für Wild sieht nämlich so aus:

Jagdverhalten Hund

Die Mäusejagd hingegen so:

Mausejagd Hund

Das heißt: Nach Mäuschen buddeln ist nicht automatisch der Beginn einer Jagd-Karriere.

Nicht jeder Hund frisst Mäuse

Und: Nicht jede Mäusejagd endet unbedingt tödlich für den Nager. Trotzdem kann es sein, dass Dein Hund sie tötet zum Beispiel durch Erschlagen beim sogenannten Mäuselsprung, bei der Buddelbewegung oder weil Dein Hund sie „abschluckt“.

Die Geschicklichkeit des einzelnen Hundes variiert zwischen „Massenmörder“ und „hat noch nie eine Maus bekommen“. Auch ob Dein Hund eine Maus frisst, nachdem er sie gefangen hat, ist nicht gewiss. Als ehemaliger Straßenhund, der sich selbst ernähren musste, ist die Wahrscheinlichkeit hoch.

Und ist Buddeln jetzt gut oder schlecht?

Dazu einige Punkte:

  • Buddelnde Hunde nehmen anderes Wild nicht wahr – also wenn sie gerade buddeln.
  • Sie haben eine Jagdmöglichkeit, wo kein Abschuss droht.
  • Wenn sie mal nicht gehorchen, kannst Du als Hundebesitzer den Hund problemlos wieder einsammeln.
  • Buddeln ist eine natürliche Beschäftigung für Deinen Hund.
Hund buddelt
Foto: unsplash.com/Lawrence Chismorie (Symbolfoto)

Ist die Mäusejagd gefährlich für Deinen Hund?

An sich macht die Mäusejagd Deinen Hund glücklich. Sie lastet ihn körperlich und mental aus. Das wirkt sich positiv auf die gesamte Gesundheit Deines Vierbeiners aus. Allerdings kann es auch Nachteile haben, wenn Deine Fellnase buddelt und dabei Mäuse jagt: Sehr ausdauernde Buddler können ihre Vorderbeine überstrapazieren, was Verletzungen verursachen kann. Und: Wenn Dein Hund die selbst erbeutete Maus frisst, dann könnten Würmer ein Thema sein. Ansonsten hat er sich seine Portion BARF-Futter selbst organisiert. Falls Dein Hund zu Gewichtsproblemen neigt, ziehst Du ihm die Maus bei der Fütterung wieder ab.

Anders sieht es aus, wenn Dein Hund gefundene Mäusen verspeist. Hier ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich höher, dass er seine Gesundheit gefährdet. Denn die Maus könnte an Gift gestorben sein – und das würde Dein Vierbeiner bei dem Verzehr mit aufnehmen.

Haben Mäuse eigentlich Gefühle?

Bis hierher habe ich eher nüchtern zu dem Mausetod geschrieben. Doch mir liegt eine Sache sehr am Herzen: Mäuse haben ebenso Gefühle wie unser Hund oder wir – weswegen ich Tierversuche an Mäusen ebenso schrecklich finde wie an anderen Tieren. Die Maus wird nicht sterben wollen. Sie hat genauso Todesangst wie jedes andere sterbende Lebewesen auch. Deswegen sollte dieser ethische Gedanke in Deiner Entscheidungsfindung, ob Dein Hund buddeln darf oder nicht, unbedingt mit einfließen.

Fühlt sich noch jemand anderes von der Buddelei gestört?

Es könnte sein, dass sich noch jemand andere von der Buddelei gestört fühlt. Dabei ist der Ort des Geschehens absolut entscheidend – und wie er wieder verlassen wird. Bestellte Äcker oder Wiesen, fremde Vorgärten und private Grundstücke sind natürlich tabu. Überall da, wo andere sich schnell fortbewegen – zum Beispiel Reiter, spielende Kinder und Hunde – kann ein Buddel-Krater zur Gefahr werden.

Bedenke auch sich ändernde Situationen wie zum Beispiel Dunkelheit. Die beste Unfallprävention ist, das Loch wieder zuzuschütten, bevor Du mit deinem Hund den Ort des Geschehens verlässt. By the Way: Hunde lernen sehr stark ortsgebunden. Du kannst in Deinem Garten das Buddeln deswegen an einer bestimmten Stelle zulassen und im restlichen Garten verbieten.

Ist Dein Hund ein Buddel-Junkie?

Buddeln kann süchtig machen. Habe deswegen immer im Blick, dass Dein Hund ansprechbar bleibt, wenn er buddelt. Wenn das bereits nicht mehr der Fall ist, findest Du eine Anleitung in meinem Trailer zum Antijagdtraining Onlinekurs ab Minute 19.

Buddeln wird auch als so genanntes Übersprungsverhalten gezeigt. Das tut Dein Hund dann, wenn er sich in einem Konflikt befindet – zum Beispiel wenn er ruhig warten soll, während Du Dich unterhältst. Oder es kommt ein Mensch auf ihn zu, den er gruselig findet. In diesem Fall dient Buddeln des Stressabbaus und nicht dazu, Beute zu machen.

Fazit: Darf der Hund jetzt buddeln – oder nicht?

Ich lasse meine Hunde an einem ganz bestimmten Ort buddeln, den wir auch nur zu diesem Zweck aufsuchen. Meine Hund dürfen nur so lange buddeln, wie sie ansprechbar sind – ansonsten verlassen wir umgehend diesen Ort. Da meine Hunde bisher nie eine Maus gefangen haben, gönne ich ihnen den Spaß der Buddelei ab und zu. Immerhin ist dies auch für mich ein entspannter Moment, wo alle Beteiligten zufrieden und glücklich sind. Ob und wo Du Deinem Hund das Buddeln erlaubst, solltest Du also individuell für Dich und Deinen Vierbeiner abwägen.

Du willst mehr Tipps von Hundetrainerin Pia Gröning lesen? Hier findest alle ihre Gastbeiträge.

Über unsere Gastautorin

Pia Grönings Leben dreht sich rund um das Thema (Jagd)hund. Die Buch- und DVD-Autorin lebt nicht nur mit zwei Spanieln aus dem Tierschutz und einem Vorstehhund zusammen, sondern trainiert seit 20 Jahren hauptberuflich andere Menschen mit ihren Hunden. Hierbei gibt sie wöchentliche Kurse in ihrer Hundeschule & Seminarzentrum Pfotenakademie Ruhrgebiet, reist durch die deutschsprachigen Länder als Seminarreferentin und ist seit einigen Jahren auch mit effektiven Onlinekursen Die Jagdscheininhaberin leitet außerdem zusammen mit ihrer Trainerkollegin Anke Lehne das Zusatzmodul Jagdverhalten – eine Weiterbildung für Hundetrainer*innen.
Effizienz kombiniert mit einem tierfreundlichen Training über Belohnung, stehen bei Pia im Vordergrund! Die studierte Erwachsenenbildnerin konzentriert sich auf das Antijagdtraining, damit verbunden die Beschäftigung von (Jagd-)Hunden und generell das Thema Tierschutzhunde. Sie ist die perfekte Ansprechpartnerin für alle kleinen und großen Herausforderungen, die das Zusammenleben mit dem Hund mit sich bringt! Für DeineTierwelt schreibt sie Gastbeiträge über Hundeerziehung.

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