Hundesport: Obedience – Kommunikation in Perfektion

Hundesport wird unter Zwei- und Vierbeinern immer beliebter und ist eine spannende Ergänzung zum täglichen Spaziergang. Egal ob Flyball, Dog Dance oder Agility: Gemeinsame Bewegung bringt Spaß, fördert die Gesundheit und kann die Beziehung zwischen Mensch und Hund nachhaltig stärken.

Zu einer der bekanntesten Hundesportarten in Deutschland gehört das vielfältige Obedience, das Mensch und Hund viel Konzentration sowie eine gute Körperbeherrschung abverlangt. Doch woher kommt der erfolgreiche Hundesport? Welche Hunderassen sind besonders geeignet? Und was muss man beim Obedience beachten? Wir klären auf.

Was ist Obedience?

Wie viele andere Hundesportarten stammt Obedience ursprünglich aus Großbritannien und ist dort seit 1951 als offizielle Sportart anerkannt. In Deutschland zählt Obedience zu den vergleichsweise jungen Hundesportarten: Die erste eigenständige und bis heute mehrfach überarbeitete Prüfungsordnung veröffentlichte der VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen) 2002.

Übersetzt bedeutet Obedience „Gehorsam“ und wird häufig als „Hohe Schule der Unterordnung“ verstanden. Mit dieser Bezeichnung können sich jedoch nicht alle Anhänger der Hundesportart identifizieren: So wird oft betont, dass es beim Obedience nicht darum geht, dass der Hund sich unterordnet. Vielmehr dreht es sich um eine perfekt abgestimmte Kommunikation zwischen zwei gleichberechtigten Partnern.

Die heute 45-jährige Softwareentwicklerin Stefanie Niekamp begeisterte sich schon früh für Obedience. Bereits 1998 nahm sie an der ersten Prüfung in Deutschland teil (diese wurde noch nach dänischem Reglement durchgeführt) und qualifizierte sich später mehrfach für die Obedience EM und WM.

„Für mich ist Obedience ein Balanceakt zwischen Exaktheit und Freude“, erklärt die zweifache Hundehalterin. „Zum einen muss man die einzelnen Übungen mit größtmöglicher Präzision ausführen. Zum anderen sollte der Hund nicht einfach wie eine Maschine laufen, sondern Spaß an der Sache haben und das auch nach außen ausstrahlen.“

Mit Basis-Übungen wie „Sitz“, „Platz“ oder „Bleib“ beinhaltet Obedience viele Übungen, die bereits aus der klassischen Hundeerziehung bekannt sind. Auch Fuß laufen und das Apportieren von unterschiedlichen Materialien (Holz, Metall, Kunststoff) gehören zum grundlegenden Repertoire der Hundesportart. Besonders wichtig ist beim Obedience zudem die Kontrolle auf Distanz: Zwei- und Vierbeiner müssen lernen, sich allein durch Hör- und Satzzeichen über größere Entfernung zu verständigen.

Warum Obedience?

Leider wird Obedience immer wieder scherzhaft als „Leckerli-Ausbildung“ betitelt. Das trifft aber keinesfalls den Kern des Hundesports: Zwar trainiert man beim Obedience unterschiedliche Gehorsamsübungen, als Belohnung sollte aber nicht immer zwingend ein Leckerli herhalten.

„Der Hund muss beim Obedience lernen, auch ohne Belohnung zu arbeiten“, erklärt die frühere Leistungsrichterin Stefanie Niekamp. „Gerade in echten Prüfungssituationen kann man seinen Hund nur wenig von außen motivieren. Er sollte deshalb bereits im Training daran gewöhnt werden, ohne direkten Leistungsanreiz zu arbeiten. Ansonsten kann es passieren, dass er sich während einer Prüfung sehr stark verunsichert fühlt. Dann ist es häufig gar nicht so einfach, ihn anschließend wieder aufzubauen.“ Der größte Motivator beim Obedience sollte also immer der Spaß an der Arbeit selbst sein.

Bestrafungen, ein herrischer Befehlston und antiquierte Erziehungsmethoden sind beim Obedience absolut tabu. Stattdessen lernt der Hundehalter, seinem Vierbeiner erwünschtes Verhalten auf liebevolle und spielerische Weise beizubringen. Ein freudiger Ausdruck des Hundes ist beispielsweise ein wichtiges Bewertungskriterium auf Wettkämpfen.

„Durch Obedience kann sich ein sehr enges Verhältnis zwischen Mensch und Hund entwickeln. Darüber hinaus entfällt die Alltagserziehung zu einem großen Teil, da ein gut trainierter Obedience Hund überall salonfähig ist“, erläutert die 45-jährige Obedience-Expertin und weist zudem auf die gesundheitlichen Vorteile hin: „Im Gegensatz zu anderen Hundesportarten geht es nicht so schnell auf die Knochen und Gelenke. Deshalb kann es häufig sehr lange betrieben werden. Persönlich habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass Hunde durch regelmäßiges Obedience-Training sowohl körperlich als auch geistig deutlich länger fit bleiben.“

Eignet sich Obedience auch für mich und meinen Hund?

Die sogenannten Pylonen sind der Startpunkt für den Richtungsapport. ©Dirk Niekamp

Da Obedience zu einem großen Teil Kopfarbeit ist, eignet es sich in der Regel für Hunde aller Rassen, Größen und Altersstufen. Wie bei jeder anderen Hundesportart gibt es dennoch ein paar Wesenszüge und Eigenschaften, die das Training erleichtern können.

„Da man seinen Hund während der Prüfung nur wenig motivieren kann, ist ein hoher Spieltrieb von Vorteil“, erklärt Stefanie Niekamp. „Zudem benötigen Hunde ein gutes Durchhaltevermögen und sie sollten ihrem Hundeführer Korrekturen nicht krumm nehmen. Auch nach Fehlern muss sich der Vierbeiner trauen, weiterzumachen.“

Eher zweitrangig ist hingegen die körperliche Gesundheit. Hürden kommen beim Obedience nur begrenzt zum Einsatz. Deshalb kann der Hundesport bis zu einem gewissen Grad auch von Menschen und Hunden mit körperlichen Beeinträchtigungen ausgeübt werden. Bei Wettkämpfen sind alle Richter dazu angewiesen, physische Einschränkungen besonders zu berücksichtigen.

Viel wichtiger als die körperlichen sind die geistigen und emotionalen Fähigkeiten des Hundeführers. „Wenn man mit Obedience anfangen möchte, braucht man viel Liebe zum Detail und Geduld“, betont Stefanie Niekamp.

Zudem muss man lernen, sich gut in seinen Vierbeiner hineinzuversetzen. Fühlt sich der Hund missverstanden oder von überzogenen Erwartungshaltungen unter Druck gesetzt, geht der Spaß an der Zusammenarbeit schnell verloren und langfristige Erfolge bleiben aus.

Wie funktioniert Obedience in der Praxis?

Wer mit Obedience beginnen möchte, sollte eine gute Hundeschule oder einen Hundesportklub besuchen: Hier werden sowohl Anfänger- als auch Fortgeschrittenen-Kurse angeboten. Eine Einteilung erfolgt in der Regel entsprechend der vier unterschiedlichen Leistungsgruppen (Beginner, Klasse 1, Klasse 2, Klasse 3), nach denen auch bei Turnieren unterschieden wird.

In der Beginner-Klasse geht es zunächst darum, verschiedene Gehorsamsübungen wie Leinenführigkeit, Freifolge, Abrufen oder Apport zu üben. Wichtig ist zudem die soziale Verträglichkeit des Hundes: Er muss sich bereitwillig abtasten und sein Gebiss untersuchen lassen. Auch anderen Hunden gegenüber sollte er sich tadellos verhalten.

In fortgeschrittenen Klassen werden die Aufgaben zunehmend anspruchsvoller. Bei der Distanzkontrolle lernen Hund und Hundeführer, sich über eine wachsende Distanz zu verständigen und unter anderem mit größtmöglicher Präzision zwischen den Kommandos „Sitz“, „Platz“ und „Steh“ zu wechseln. Eine schöne Übung, um die Bindung zwischen Mensch und Hund zu fördern, ist auch die Geruchsidentifikation: Aus mehreren identischen Objekten muss der Hund den Gegenstand auswählen, der vom Hundeführer zuvor berührt wurde.

„Wenn man für Obedience-Prüfungen trainiert, sollte man im optimalen Fall bereits von Beginn an wissen, bis zu welcher Stufe man seinen Hund führen möchte. Anfänger neigen häufig dazu, sich nur mit der Prüfungsordnung der Beginner-Klasse auseinanderzusetzen. Wichtig ist es jedoch, das Gesamtziel im Hinterkopf zu behalten und das eigene Training daran anzupassen“, rät Stefanie Niekamp.

Was braucht man für Obedience?

Wer mit seinem Vierbeiner auf eigene Faust Obedience betreiben möchte, benötigt ein grundlegendes Basis-Zubehör. Dazu zählen Markierungen, Pylonen (Kegel), eine Hürde (gerne auch in Eigenarbeit gefertigt), ein Metallapportel und kleine Holzuschnitte zur Geruchsunterscheidung. Im Vergleich zu Agility ist der Bedarf an zusätzlichen Gegenständen aber vergleichsweise gering.

Beim Üben sollte man stets darauf achten, seinen Schützling nicht zu überfordern, erklärt die ausgebildete Leistungsrichterin: „Die Aufmerksamkeitsspanne ist von Hund zu Hund ganz unterschiedlich. Während einige Vierbeiner mit einem täglichen Training von fünf bis zehn Minuten ausreichend bedient sind, können sich andere Hunde bis zu einer Stunde konzentrieren.“

Wie funktionieren Obedience Prüfungen und Wettbewerbe?

Richtig aufregend für Zwei- und Vierbeiner wird es mit der Teilnahme an einer Obedience-Prüfung oder einem Wettbewerb. Voraussetzung für die Zulassung ist jedoch eine erfolgreich absolvierte Begleithundeprüfung.

Die Obedience-Prüfung besteht aus zehn unterschiedlichen Übungen, die – anders als bei der Begleithundeprüfung – nicht nach einem fest vorgegeben Schema absolviert werden. Vom sogenannten Ringsteward erfährt der Hundeführer den genauen Ablauf erst während der Prüfung.

Doch auch Wettbewerbssituationen sind nicht „jederhunds“ Sache. Mutiert Ihre Fellnase bei Prüfungen zum Nervenbündel, sollten Sie die Teilnahme an weiteren Turnieren noch einmal überdenken. Denn letztendlich geht es beim Obedience für alle Beteiligten nur um eins: Den Spaß am gemeinsamen Hundesport.

 

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