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Hundefutter aus Insekten – eine gute Idee?

Es soll nachhaltig sein und zudem für Hunde mit einer Lebensmittelallergie auch gut verträglich: Hundefutter aus Insekten. Doch ist das Insektenfutter für die Vierbeiner wirklich gesund? Eine Tierärztin gibt Antwort.

Insekten liefern hochwertiges Protein, besitzen hypoallergene Eigenschaften und sind obendrein auch noch ökologisch nachhaltig. Kein Wunder also, dass Hundefutter aus Insekten zunehmend als praktikable Alternative zu herkömmlichen Tierfutter anerkannt ist.

Insekten wie die Schwarze Soldatenfliege (Hermetia illucens) und Mehlwürmer (Tenebrio molitor) haben beispielsweise eine Proteinverdaulichkeit von rund 80 Prozent und sind damit ähnlich gut verdaulich wie die traditionellen Proteinquellen Rind und Huhn. Das zeigt unter anderem eine Studie aus dem Jahr 2021.

Die Forschung zeigt, dass Diäten, die Insektenprotein enthalten, die Gesundheit von Hunden nicht beeinträchtigen. Im Gegenteil: Futter mit Insektenprotein kann die Gesundheit und die Nährstoffaufnahme sogar verbessern. Zudem ist das Insektenfutter hypoallergen und dadurch attraktiv für Hunde mit Nahrungsmittelallergien.

Maden und andere Insekten sind fester Bestandteil bei Prüfungen im Dschungelcamp von „RTL“.
Foto: pixabay.com/Pete Linforth (Symbolfoto)

Auch für die Umwelt bringt Hundefutter aus Insekten Vorteile: Im Vergleich zur herkömmlichen Viehzucht erfordert die Insektenzucht weniger Land und Wasser und produziert weniger Treibhausgasemissionen. Viele Halter suchen gezielt nachhaltige Tiernahrung, weltweit betrachtet wächst der Markt für Haustierfutter auf Insektenbasis deshalb rasant.

Insektenfutter: Wirklich besser für die Umwelt?

Allerdings führe der vermehrte Insektenkonsum in tropischen Ländern zu einer Preissteigerung, wodurch mehr Insekten aus der Natur genommen werden müssten – zulasten der Nachhaltigkeit. Die Lösung: nachhaltige Erntepraktiken. Doch die natürliche Population wird durch Umweltverschmutzung, Pestizide und Habitatänderungen bedroht.

Für den ansteigenden Verzehr von Insekten, werden mehr Tiere benötigt als die Natur zu bieten hat. Darum müssten die Insekten in Massenkulturen vermehrt und gehalten werden, nicht nur für Hundefutter, auch für den menschlichen Konsum.

Doch auch das ist ein Problem, sagt Biologe Dr. Mark Benecke im Gespräch mit dem „Deutschlandfunk“: „Diese Massenkulturen brechen zusammen.“ Denn früher oder später müsse man „unglaublich viele Chemikalien und Medikamente“ wie in der Massentierhaltung einsetzen. Dann müsse man den Produktionskreislauf unterbrechen und reinigen. Auch aus ethischer Sicht sei es fraglich: Denn auch Insekten spüren Schmerzen.

Angesichts der voranschreitenden Klimakrise gehe die Insektenproduktion in puncto Nachhaltigkeit zu kleine Schritte. Er plädiert daher für eine pflanzliche Lebensweise. „Wenn wir jetzt von Rindfleisch auf Insekten umstellen, dann ist das viel zu langsam. Dann gibt es keine biologischen Netze mehr.“ Insekten als Nahrungsquelle seien besser als herkömmliches Fleisch von sogenannten Nutztieren, aber es reiche nicht einmal ansatzweise, um gegen den Klimawandel anzukämpfen.

Hundefutter aus Insekten: gesund, aber unbeliebt?

Hundefutter aus Insekten ist also für die Vierbeiner gut verdaulich. So richtig akzeptiert haben Haustierbesitzer diese Alternative dennoch nicht. Studien zeigen, dass das vor allem an kultureller Wahrnehmung und einer allgemeinen Abneigung gegen Insekten liegen könnte.

Fazit

Hundefutter auf Insektenbasis bietet im Vergleich zu herkömmlichem Tierfutter vergleichbare ernährungsphysiologische Vorteile und hypoallergene Eigenschaften. Die Umweltvorteile sind allerdings aufgrund der Herstellung schwer umsetzbar. Auch aus ethischer Sicht ist das Insektenfutter nicht besser als Futter aus Fleisch von Lamm, Rind oder Huhn. Kontinuierliche Forschung und Verbraucheraufklärung werden entscheidend sein, um Akzeptanzbarrieren zu überwinden. Ob sich das Insektenfutter also künftig auf dem Tiermarkt etablieren wird, ist fraglich.

Frag Anna

Anna Dellwig kommt ursprünglich aus Hamburg. Seit 2017 lebt sie in Hannover und arbeitet seit 2023 als Tierärztin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Parallel zu ihrer beruflichen Tätigkeit schreibt sie dort an ihrer Doktorarbeit. Seit 2024 ist Anna Teil des Tierschutz-Teams bei Deine Tierwelt. Außerdem schreibt sie in unserer Rubrik „Frag Anna“ Gastbeiträge zu Themen rund um Tiergesundheit.

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