- Experte warnt: Hunde nicht bei Hitze mit Wasser über dem Rücken abzuspritzen
- möglicher „Lupeneffekt“ durch Sonnenstrahlen auf nassem Fell
- soll zu Verbrennungen führen können
- nicht wissenschaftlich bewiesen
Die Sommer werden immer heißer. Das ist auch für unsere Haustiere ein Problem. Um der Hitzegefahr entgegen zu wirken, gibt es bei hohen Temperaturen besondere Verhaltensempfehlungen für Tierhaltende. So sollten sich Mensch und Tier überwiegend im Schatten aufhalten, körperliche Anstrengungen vermeiden, viel Flüssigkeit zu sich nehmen und sich und das vierbeinige Familienmitglied mit feuchten Tüchern oder Wasser abkühlen.
Doch vor der häufig verwendeten Abkühlmethode, dem wuffenden Freund kaltes Wasser über den Rücken zu spritzen, rät Hundeverhaltensforscher Alan Peiró jetzt auf seinem TikTok-Account dringend ab. Warum der Hundeexperte vor dieser unter Fellnasenbesitzern beliebten Abkühlmethode so eindringlich warnt und welche Alternativen es gibt, Hunde bei großer Hitze abzukühlen, verrät Dir Deine Tierwelt.
Warum es gefährlich sein soll, Hunde mit Wasser abzuspritzen
Hätte Alan Piero vor der völlig sinnlosen „barkyourmindchallenge“ gewarnt, bei der Fellnasen ähnlich wie bei der „Ice-Bucket-Challenge“ mit eiskaltem Wasser überschüttet werden, wäre das ja nachvollziehbar gewesen. Aber warum ist es falsch, Hunde bei großer Hitze durch Wasser auf dem Rücken abzukühlen? Zumal es doch unsere wuffenden Freunde genießen, abgespritzt zu werden und begeistert nach dem Wasser aus dem Gartenschlauch schnappen und gar nicht genug davon kriegen?
Als Grund nennt der Verhaltensforscher den sogenannten „Lupeneffekt“. Auf nassem Fell können sich Sonnenstrahlen wie durch eine Lupe bündeln und punktuell zu starker Hitzeeinwirkung bis hin zu Verbrennungen führen.
Gegenüber der britischen Zeitschrift „Express“ sagt der Experte wörtlich: „Was wir tun, ist, Wasser in der inneren Schicht des Fells einzuschließen. Und wenn die Sonne darauf trifft, überhitzt es noch mehr. Es ist, als würde man einen Lupeneffekt erzeugen.“ Besonders Fellnasen mit „doppeltem Fell“, das heißt, einer dicken Unterwolle, wie zum Beispiel Huskys, Pudel oder Deutsche Schäferhunde können laut Expertenmeinung so schnell überhitzen. Welche weiteren Hunderassen noch besonders stark unter der Hitze leiden, liest Du hier.
Für Alan Peiró ist es entscheidend, die tatsächlichen Bedürfnisse der Hunde zu verstehen und den gesunden Menschenverstand anzuwenden. Der Hundeexperte hat einen schlichten Ratschlag für jedes Frauchen und jedes Herrchen: „Bevor Sie das tun, was Sie in den Sozialen Medien sehen, fragen Sie sich: Ist es das, was mein Hund braucht?“

Alternativen, um Hunde bei großer Hitze abzukühlen
Abkühlen durch Wasser ist schon der richtige Weg. Der Hundeexperte rät aber dazu, Hunde bei großer Hitze am besten durch das Nassmachen des Bauches oder der Pfoten abzukühlen. Das verhindert den „Lupeneffekt“, und die Fellnasen können nicht überhitzen. Die Vierbeiner sollten anschließend aus der direkten Sonne genommen werden und im Schatten abkühlen.
Weitere Alternativen, um Hunde bei großer Hitze abzukühlen oder kühl zu halten, sind:
- darauf zu achten, dass das wuffenden Familienmitglied nicht austrocknet, indem mehrere Wasserschalen im Haus verteilt werden und das Trinken auch kontrolliert wird.
- Spaziergänge in kühlere Tageszeiten zu verlegen und Flüsse, Seen oder kleine Bäche in die Gassi-Runden einzubinden. Doch Vorsicht vor Bakterien in stehenden Gewässern und zu heißem Asphalt
- Zulassen, dass sich der wuffende Freund ähnlich wie man selber bei Hitze lieber ausruhen und entspannen möchte. Wenn es zu langweilig wird, können ruhige Spiele oder leichte Übungen für Abwechslung sorgen.
- selbstgerechtes Hundeeis, gefrorene Leckerlis oder Spielzeug als Zeitvertreib anbieten
- Spezielle Kühlmatten (Affiliate-Link), kühlende Mäntel oder eine gefrorene Wasserflasche, die in eine Decke eingewickelt ist, bieten ebenfalls die gewünschte Abkühlung.
- Auch Ventilatoren sind eine gute Idee. Hierbei ist aber darauf zu achten, dass das pelzige Familienmitglied niemals der direkten Zugluft ausgesetzt ist.
- Planschbecken, Gartenschlauch (Vorsicht: Wasser, das sich noch im Schlauch befindet, kann extrem aufgeheizt sein) und Sprenger können – unter Aufsicht – die Fellnasen ebenfalls abkühlen und für mächtigen Spaß bei Mensch und Tier sorgen.
Auch wenn es eigentlich selbstverständlich sein sollte: Hunde dürfen bei großer Hitze niemals unbeaufsichtigt im Auto gelassen werden. Den jährlichen Meldungen zufolge haben einige Hundebesitzer dieses aber leider noch immer nicht verinnerlicht.

Fazit: Ist die Warnung vor dem „Lupeneffekt“ wirklich realistisch?
Dass Hunde bei großer Hitze durch den „Lupeneffekt“ bei nassem Fell überhitzen oder sich gar verbrennen, ist bisher wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Weder in der Fachliteratur noch durch tierärztliche Studien. Der „Lupeneffekt“, also das Bündeln von Sonnenstrahlen durch Wassertropfen, ist zwar physikalisch möglich, aber ob er bei unseren pelzigen Mitbewohnern tatsächlich zu messbaren Verbrennungen führt, ist (noch) fraglich. Somit warnt Alan Pieró zurzeit eher vor einem theoretisch möglichen Risiko als vor einem tatsächlich nachgewiesenen Gefahren-Faktor.
Aber natürlich ist es sinnvoll, die Fellnasen nach dem Absprühen durch Wasser nicht in der prallen Sonne stehenzulassen, sondern sie im Schatten abkühlen zu lassen und mit einem Handtuch etwas abzutrocknen. Aber Vorsicht: Bitte den Hund nicht mit dem Handtuch komplett einwickeln, da sich darunter Stauhitze bilden kann.
Denn ein Hitzeschlag ist für unsere wuffenden Freunde ein akuter und lebensbedrohlicher Notfall. Wie Du diese gefährliche Überhitzung erkennst und was dann schnellstmöglich zu tun ist, erfährst Du hier.
Unsere Ratgeber ersetzen nicht die veterinärmedizinische Beratung bei Deinem Tierarzt. Sie dienen lediglich der Information und sollen einen Überblick über Krankheiten, Verletzungen und deren Behandlung liefern. Wenn Dein Tier Symptome zeigt, die auf Verletzungen, Krankheiten oder Unwohlsein hinweisen, solltest Du unbedingt eine Tierarztpraxis oder eine Tierklinik aufsuchen.




