Im Sommer kann aus harmlosem Hecheln schnell ein medizinischer Notfall werden. Denn Hunde regulieren ihre Körpertemperatur fast ausschließlich über das Maul. Die Zunge spielt dabei eine Schlüsselrolle – sie zeigt, wie stark das Tier bereits überhitzt ist.
Wer die Warnzeichen kennt, kann Schlimmeres verhindern und im Ernstfall richtig reagieren. Besonders auffällig: Bei beginnender Überhitzung verändert sich die Form der Zunge deutlich. Sie wird länger, flacher und nimmt ein spaten- oder löffelartiges Aussehen an. Das ist kein Zufall, sondern eine evolutiionäre Anpassung, um die Verdunstungsfläche zu vergrößern.
Warum Hunde über die Zunge abkühlen – und wie das funktioniert
Während Menschen schwitzen, setzen Hunde fast ausschließlich auf Hecheln zur Temperaturregulation. Dabei atmen sie schnell und flach durch Maul und Nase, um warme Luft abzuführen. Die feuchte Oberfläche von Zunge, Rachen und Nasengängen sorgt durch Verdunstung für den nötigen Kühleffekt. Dieser Vorgang senkt die Körpertemperatur bei moderater Belastung zuverlässig, berichtet „Kinship“.
Je heißer es wird, desto aktiver wird dieses Kühlsystem – und desto stärker verändert sich die Zunge. Sie wird lang und flach, die Spitze oft auffällig spatenförmig. Damit vergrößert sich die Oberfläche, über die Wärme abgegeben werden kann. Auch die Speichelproduktion nimmt zu, um die Verdunstung zu unterstützen. Doch dieses System hat seine Grenzen – und diese sollten Halter kennen.
Woran Du Hitzestress beim Hund sicher erkennst
Solange Dein Hund locker hechelt und bei Reizen wie Spiel oder Geräuschen sofort reagiert, ist meist alles im grünen Bereich. Kritisch wird es, wenn das Tier plötzlich nicht mehr aufhört zu hecheln, sich nicht mehr ablenken lässt oder sich flach auf kühlen Untergrund legt.
Ein angespannter Gesichtsausdruck oder zurückgezogene Lefzen können täuschen – sie wirken wie ein Lächeln, bedeuten aber Überforderung.
Spätestens wenn die Zunge spatenförmig heraushängt, die Körperspannung nachlässt und das Tier sichtbar überfordert wirkt, solltest Du reagieren. Erste Maßnahmen: Wasser anbieten, Schatten aufsuchen, Bewegung sofort einstellen. Weitere Alarmzeichen sind übermäßiges Sabbern, warme Ohren oder Unruhe. Dann hilft nur noch: Kühlen, nicht zudecken – und den Tierarzt anrufen.
Hitzschlag beim Hund: Das ist zu tun
Erreicht die Körpertemperatur Deines Hundes über 41 Grad Celsius, spricht man von einem medizinischen Notfall. Jetzt drohen Kreislaufversagen, neurologische Ausfälle oder innere Blutungen. Typisch sind klebriges Zahnfleisch, dunkle Zunge, Apathie oder plötzliche Schwächeanfälle. Wird nicht gehandelt, kann das Tier bewusstlos werden oder Krampfanfälle entwickeln.
In solchen Fällen gilt: Sofortiges Handeln kann Leben retten. Halter sollten ihren Hund an Bauch, Leisten, Pfoten und Nacken umgehend mit Wasser befeuchten. Kaltes Wasser darf dabei auch verwendet werden, selbst wenn frühere Empfehlungen davon abrieten. Aktuelle Studien zeigen, dass es für gesunde Tiere unbedenklich ist und helfen kann, die Sterblichkeit deutlich zu senken.
Danach heißt es: sofort zum Tierarzt. Wer diese Anzeichen von extremer Hitze beim Hund richtig erkennt, kann einem Notfall vorbeugen und dem Tier aktiv bei der Hitzeregulierung helfen.




