HomeRatgeberMein Kaninchen frisst nicht mehr! Wie ernst ist die Lage wirklich?

Mein Kaninchen frisst nicht mehr! Wie ernst ist die Lage wirklich?

Die absolute Horror-Vorstellung für alle Kaninchenbesitzer: Das Kaninchen frisst nicht mehr. Da schrillen sofort alle Alarmglocken. Denn: Kaninchen und andere Nagetiere leiden meist stumm. Verweigern sie die Nahrungsaufnahme, ist das bei Kaninchen ein relativ gutes Indiz für eine Erkrankung. DeineTierwelt erklärt, auf welche Symptome Du achten solltest und wie Du Deinem Nager am besten helfen kannst.

Kaninchen sind Fluchttiere und zeigen durch ihr Verhalten deswegen erst sehr spät, wenn ihnen etwas fehlt. Das hat die Natur so eingerichtet, um mögliche Fressfeinde nicht auf die geschwächte Beute aufmerksam zu machen.

Da Kaninchen idealerweise in Gruppen oder zumindest mit einem Partnertier gehalten werden, ist es natürlich nicht immer so leicht, nachzuvollziehen, wer wie viel gefressen hat. Deswegen sollte die Fütterung Deiner Kaninchen keine Sache von ein paar Sekunden sein, sondern unter aufmerksamer Beobachtung erfolgen, damit Du eventuelle Veränderungen direkt bemerkst.

Warum ein Kaninchen nicht frisst, kann viele verschiedene Ursachen haben. Der Hauptgrund ist aber in der Regel Schmerz. 

Kaninchen frisst nicht: Zahnprobleme sind ein häufiger Grund

Besonders Zwergkaninchen haben sehr häufig Zahnprobleme, da ihre Zähne ihr Leben lang wachsen und durch ungeeignete Fütterung nicht genug abgenutzt werden. Hierbei geht es nicht darum, dass das Futtermittel hart genug ist, sondern um die Dauer, die das Kaninchen am Tag frisst, da sich die Zähne nur aneinander abreiben können.

Kaninchen im Garten
Foto: pixabay.com/Schanin (Symbolfoto)

Durch die leicht nach innen gekippte Zahnstellung der Backenzähne können sich Spitzen bilden, die schmerzhaft ins Zahnfleisch bohren. Ist das der Fall, fressen Kaninchen weniger. Deswegen genügt es nicht, bei der allgemeinen Untersuchung nur auf die Schneidezähne zu schauen. Achte darauf, dass Dein Tierarzt sich auch die Backenzähne Deines Tieres ansieht.

Kaninchen können nicht erbrechen

Wenn man den Magen-Darm-Trakt weiter verfolgt, gibt es viele weitere Quellen für schmerzhafte Zustände. Der Muskel am Mageneingang ist sehr stark ausgeprägt, weswegen Kaninchen nicht erbrechen können. Bei einer Fehlgärung im Dünn- oder Dickdarm kann Gas somit nicht entweichen und so zur sehr schmerzhaften Überdehnung des Magens führen (Tympanie).

Wer sein Kaninchen gut kennt, wird eine Tympanie an der harten Bauchdecke und der ungewöhnlich geblähten Körperform leicht erkennen. Dann solltest Du unbedingt zum Tierarzt gehen. Fehlgärungen entstehen entweder durch fehlerhafte Fütterung (viel Kohl ohne vorherige Gewöhnung oder getreidehaltige Pellets), einen mangelhaften Weitertransport der Nahrung bei einer Verstopfung oder durch eine Störung der Darmbakterien.

Bei leichten bis mittelschweren Aufgasungen wird Dein Tier medikamentell mit so genannten Antizymotika, also Schaumbrechern, behandelt. In sehr schweren Fällen kann eine Entgasung über eine Sonde in den Magen versucht werden.

Auch Verstopfungen halten Kaninchen vom Fressen ab

Eine weitere Erkrankung, die Dein Kaninchen vom Fressen abhalten kann, ist eine Verstopfung (Obstipation), die im schlimmsten Fall in einen Darmverschluss gipfelt. Das erkennst Du ebenfalls an einer schlechten Futteraufnahme, einem eventuell schmerzhaftem Bauch und fehlendem Kotabsatz. Auch hier gilt: Sofort zum Tierarzt. Trinkt das Kaninchen zu wenig oder putzt es sehr ausgeprägt sein Partnertier und schluckt dabei das Fell ab, kann es schnell zu dieser Erkrankung kommen. Ein Vorbote für Verstopfungen sind so genannten „Köttelketten“, also zusammenhängenden Hasenkötteln.

Erkannt werden kann eine Obstipation nur durch ein Röntgenbild, am besten nach vorheriger Kontrastmitteleingabe. Durch das Kontrastmittel wird die Engstelle im Darm deutlich besser erkannt als in einer reinen Röntgenaufnahme.

Anschließend bekommt das Tier ein leichtes Schmerzmittel, etwas Öl und in der Regel ein Medikament, welches die Darmmotorik sanft anregt. Liegt kein Darmverschluss vor, ist die wichtigste Grundlage der Therapie die Zwangsfütterung von Brei mit einer Spritze, um den Weitertransport der Nahrung im Verdauungstrakt zu fördern.

Frisst ein Kaninchen nicht, wird die sensible Darmflora gestört

Dass ein Kaninchen nicht frisst, ist deswegen so fatal, weil es eine sehr ausgefeilte Darmflora hat, bestehend aus Bakterien und Einzellern. Durch mangelnde Versorgung mit Nahrung sterben diese „Tierchen“ im Blind- und Dickdarm des Kaninchens ab.

Diese so genannte Dysbiose führt dann dazu, dass es im Darm Deines Kaninchens trotz Beseitigung der Krankheitsursache (z.B. einer Zahnerkrankung) danach zu den oben beschriebenen Fehlgärungen kommt. Aus diesem Grund geben Tierärzte vorsorglich gerne so genannte Probiotika wie ProPre-Bac, um einer Entgleisung der Darmflora vorzubeugen.

Baby-Kaninchen auf dem Rasen
Foto: unsplash.com/Yossi Goldberg (Symbolfoto)

Zusätzlich ist eine konstante Nahrungsaufnahme essentiell, um die Darmbakterien am Leben zu erhalten. Ordnet Dein Tierarzt eine Zwangsfütterung mit Päppelfutter an, ist es deswegen ratsam, sich genau an seine Anweisungen zu halten und keine Fütterung auszulassen, auch nicht in der Nacht.

Bei veränderter Futteraufnahme liegt oft ein Notfall vor

Grundsätzlich ist die Futteraufnahme für ein Kaninchen lebenswichtig. Sobald es das nicht mehr tut, ist Dein Tier ein medizinischer Notfall und muss umgehend, egal ob am Wochenende oder nachts, in einer Tierklinik oder Praxis vorgestellt werden.

Erfahrenere Kaninchenbesitzer haben bei leichten Veränderungen das nötige Wissen und die Hausapotheke, um vorsorglich selbst tätig zu werden. Sobald aber Verhaltensänderungen auftreten und das Tier matt erscheint, sollte man immer zum Tierarzt gehen.

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