Nur ein tierischer Mitbewohner? Für die meisten Menschen sind ihre Hunde oder Katzen weitaus mehr. Unsere pelzigen Freunde leisten uns in fast allen Lebenslagen Beistand und sind vor allem in seelischen Stress-Situationen eine enorm wichtige und emotionale Unterstützung. Doch nicht nur das: Für viele Menschen ersetzen Samtpfote und Fellnase sogar Freunde oder Partner.
So stimmen in einer aktuellen Umfrage der „Uelzener Versicherung“ 90 Prozent der Hundebesitzer und 89 Prozent der Katzenbesitzer der Aussage zu, dass Tiere immer häufiger Ersatz für menschliche Beziehungen sind. Und neun von zehn der insgesamt 1.101 Befragten sind davon überzeugt, dass der Umgang mit Tieren oft leichter ist als der mit Menschen.
Eine Studie der Universität Basel fand zudem bereits 2022 heraus, dass das Streicheln eines Hundes zu ähnlich kognitiven Reaktionen führen kann wie die soziale Interaktion mit einem Menschen. Denn durch Kuscheln oder Streicheln — sei es mit einem Zwei- oder Vierbeiner — wird das als „Liebeshormon“ bezeichnete Oxytocin ausgeschüttet.

Hund und Katze helfen gegen Einsamkeit
Doch so überraschend ist das Verlangen nach tierischer Begleitung nicht, denn Einsamkeit ist in Deutschland zu einer Art „Volkskrankheit“ geworden. Laut der im April erschienenen „Zeitverwendungsstudie des Statistischen Bundesamtes“ ist jeder sechste Deutsche oft einsam. Dieses Gefühl, das wohl viele zum ersten Mal in den Corona-Lockdowns kennengelernt haben, ist auch nach deren Ende nicht verschwunden. Auch wenn das Gefühl der Einsamkeit durch Corona sicherlich verstärkt wurde, begonnen hatte das Empfinden der Verlassenheit deutlich früher.
Denn laut der „Zeitverwendungsstudie“ verbringen die Menschen immer mehr Zeit in den sozialen Netzwerken und vor dem Fernseher. Mittlerweile haben „virtuelle“ Freunde einen hören Stellenwert als solche aus „Fleisch und Blut“. „Likes“ und „Follower“ aktivieren das Belohnungssystem im Gehirn und dienen somit als Ersatz für echte soziale Beziehungen.
Doch da wir Menschen nun mal soziale Lebewesen sind, werden in diesen Zeiten die Mensch-Haustier-Beziehungen immer intensiver, die Fellnasen und Samtpfoten als soziale Wesen immer wichtiger für Menschen. Gerade für die Zweibeiner, die alleine leben. In rund 41 Prozent der Haushalte in Deutschland lebte 2022 nur eine Person. Damit ist der Anteil der Alleinlebenden mehr als doppelt so hoch wie noch 1950.

Sind Haustiere einfacher als Menschen?
Es ist schon bezeichnend, dass in der Studie neun von zehn Befragten angegeben hatten, dass die Beziehung zu einem Haustier deutlich entspannter ist als die zu einem Menschen. Tatsächlich sind Beziehungen mit und zu Menschen kompliziert. Sie bestehen aus anstrengenden Diskussionen, Grundsatzverhandlungen über Dies und Das, Vorwürfen, emotionalen Erpressungen und immer wieder aus Kompromissen. Und weil ein Mensch nun mal ein Mensch ist, ist dieser auch unberechenbar. Was heute gut ist, muss es nächste Woche schon lange nicht mehr sein.
Wie einfach ist doch da die Mensch-Haustier-Beziehung. Regelmäßiges Fressen und Spaziergänge, Kuschel- und Spieleinheiten, gesundheitliche Vorsorge und ein bisschen Fell- und Krallenpflege. Das reicht schon aus, um von dem pelzigen Mitbewohner mit bedingungsloser Liebe überschüttet zu werden. Kein Gejammer, keine Widerworte und keine Nervereien.
Auch wenn sich beim Thema Sauberkeit und eingeschränkter Freizeitgestaltung das Pendel eher wieder zum menschlichen Partner bewegt, zählt laut der Studie der „Uelzener Versicherungen“ unterm Strich jedoch die Freude über den pelzigen Mitbewohner mehr als alle Belastungen durch ihn.

Beim Ergebnis dieser Studie müssen Männer ganz stark sein
Auch in den USA laufen zahlreiche Studien zum Thema Mensch-Haustier-Beziehung. In einer davon befragte die auf Tierfutter spezialisierte Firma „Burns Pet Nutritation“ 2.022 Hundeeltern über ihre Dating-Vorlieben. Das Ergebnis ist wenig schmeichelhaft für die Männer-Welt. Denn vor die Wahl zwischen Mann und Fellnase gestellt, würden sich 60 Prozent aller Frauen dafür entscheiden, bei ihrem vierbeinigen Liebling zu bleiben. Eine Liebe, die wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Denn laut dem Journal „Royal Society of Open Science“ verstehen sich Frauen und Hunde deutlich besser als Männer und Hunde.
Seit wir vor circa 15.000 Jahren mit der Domestizierung von Hunden und Katzen begonnen haben, ist viel in der Mensch-Haustier-Beziehung passiert. Von reinen vierbeinigen Gehilfen auf dem Hof, im Stall oder im Haus haben sich unsere pelzigen Mitbewohner zu Freunden entwickelt.
Für Ada Daniel sind Fellnase sogar noch mehr. Die 108-jährige Britin nennt den Besitz Hunde anstelle von eigenen Kindern als Geheimnis für ihr hohes Lebensalter…



