Sie sind beliebte Hunderassen, gelten aber bei Tierschützern schon lange als „Qualzuchten“: Hunderassen mit extrem platten Nasen, wie etwa Mops und Englische Bulldogge. Im Hundemarkt von DeineTierwelt dürfen Züchter deshalb ab dem 20. Dezember keine Hunde dieser beiden Rasse mehr inserieren.
Aber warum genau leiden die Vierbeiner unter ihren angezüchteten Merkmalen? Und gäbe es Wege, doch noch zu einer gesunden Zucht dieser Rassen zu gelangen?
Darüber haben wir mit dem Tierarzt Dr. Jan-Peter Bach gesprochen. Er war lange Zeit Mitarbeiter der Klinik für Kleintiere der Tierärztlichen Hochschule Hannover und ist seit April 2022 als Fachreferent für Tierschutz und Tiergesundheit beim „Verband für das Deutsche Hundewesen” (VDH) beschäftigt. In dieser Funktion setzt er sich täglich mit der Vermeidung erblicher Krankheiten bei Hunden auseinander.
DeineTierwelt nimmt aufgrund des hohen Vorkommens zuchtbedingter Gesundheitsprobleme bei den Rassen Mops und Englische Bulldogge keine Inserate für Hunde dieser Rassen mehr an. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema?
Das Brachycephale Obstruktive Atemwegssyndrom, das bei vielen Hunden ausgeprägt brachycephaler, also kurznasiger Rassen zu Problemen mit der Atmung führt, ist sicherlich die schwerste zuchtbedingte Krankheit beim Hund. Ich kann diesen Schritt daher schon verstehen. Wir haben uns im „VDH“ allerdings für eine andere Vorgehensweise entschieden.
Wie gehen Sie denn im „VDH“ damit um?
Generell ist es so, dass die dem „VDH“ angeschlossenen Zuchtvereine für Hunde, die zur Zucht eingesetzt werden, bestimmte Untersuchungen vorschreiben. Das sind häufig Gentests, aber zum Beispiel auch Röntgen- oder Herzultraschalluntersuchungen. Damit soll sichergestellt werden, dass alle im Verein eingesetzten Zuchttiere gesund sind und dadurch das Risiko erblicher Krankheit für die Welpen so gering ist wie möglich.
Auch für die stark brachycephalen, also kurznasigen Rassen gibt es natürlich vorgeschriebene Untersuchungen. Besonders wichtig sind hier aus meiner Sicht geeignete Belastungstests, um sicherzustellen, dass die Tiere keine Probleme mit der Atmung haben.

Wie laufen solche Belastungstests ab?
Es gibt verschiedene seit vielen Jahren eingesetzte Tests, bei denen die Hunde zum Beispiel eine bestimmte Strecke in einer vorgegebenen Zeit laufen müssen. Wir haben in den vergangenen Jahren in Zusammenarbeit mit den Kleintierkliniken mehrerer deutscher tiermedizinischer Universitäten auch einen Fitnesstest auf einem Laufband entwickelt.
International sehr etabliert sind die Belastungstests der tiermedizinischen Fakultät der Universität Cambridge für Mops, Englische und Französische Bulldogge. Diese Tests bieten auf Initiative des „VDH“ inzwischen auch Tierärzte in Deutschland an.
Was genau wird bei diesem Test untersucht?
Beim „Cambridge-Test“ liegt der Fokus auf der Untersuchung der Atemgeräusche vor und nach Belastung. Dazu wird der Hund durch den Tierarzt untersucht, dann wird er belastet und anschließend werden die Atemgeräusche nochmal abgehört. Besonders das Abhören der Atemgeräusche nach der Belastung war in Studien ein sehr gutes Kriterium, um Hunde mit einer eingeschränkten Atmung zu identifizieren.
Kann jeder Tierarzt solche „Cambridge-Tests“ durchführen?
Nein, diese Tests dürfen nur von Tierärztinnen und Tierärzten durchgeführt werden, die speziell für diese Untersuchungen geschult wurden. Wir haben zu diesem Zweck eine Tierärztin und einen Tierarzt von Prof. Jane Ladlow von der Universität Cambridge ausbilden lassen. Sie ist eine weltweit anerkannte Spezialistin für das Brachycephale Atemwegssyndrom.
Diese beiden können nun wiederum weitere Tierärzte in Deutschland ausbilden. Das ist zwar einerseits aufwändig, garantiert aber auch einen Qualitätsstandard bei den Untersuchungen. Das ist uns sehr wichtig.
Dürfen nur im „VDH“ gezüchtete Hunde diese Untersuchungen durchführen?
Nein, die Untersuchungen sind grundsätzlich auch Züchtern außerhalb des „VDH“ zugänglich. Ich würde mich sogar freuen, wenn auch diese vermehrt auf solche Tests zurückgreifen.
Ist denn davon auszugehen, dass sich über diese Tests eine Verbesserung der Gesundheit der kurznasigen Hunde erreichen lässt?
Die Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Davon, dass sich mit Einsatz dieser Tests gesündere Hunde züchten lassen, gehen wir aus. Sonst wäre die ganze Maßnahme ja unnötig. In Cambridge laufen gerade Untersuchungen, die die Gesundheit von Hunden, die unter Einsatz dieser Tests gezüchtet wurden, mit der Gesundheit von ohne Auflagen gezüchteten Hunden vergleichen. Das wird hier von wissenschaftlicher Seite Aufschluss geben.

Bezogen auf Deutschland wird sich ein starker Effekt nur erreichen lassen, wenn genug Hunde untersucht werden. Voraussetzung dafür ist, dass nicht nur „VDH“-Hunde getestet werden. Bei der Französischen Bulldogge ist es zum Beispiel so, dass nur etwas ein Prozent der in Deutschland jedes Jahr neu hinzukommenden Hunde im „VDH“ gezüchtet werden. Nur bei diesen Hunden können wir sicherstellen, dass geeignete Tests zum Einsatz kommen. Ich würde mir da von der Politik wünschen, dass auch außerhalb der kontrollierten Zucht mehr für die Gesundheit der gezüchteten Hunde getan wird.
Was kann man sonst noch tun?
Ein ganz wichtiger Punkt ist Aufklärung. Hundeinteressenten sollten sich vor der Entscheidung für einen Hund erstmal damit auseinandersetzen, ob ein Hund wirklich in ihr Leben passt. Dann sollten sie entscheiden, was für ein Hund es sein soll, und woher sie ihn bekommen möchten. Das schließt auch die gesundheitliche Seite ein: Wenn man sich für einen kurznasigen Hund entscheidet, muss man wissen, welche Krankheiten bei diesen Hunden vorkommen. Und man sollte den Züchter fragen, was er gegen das Auftreten der Erkrankungen tut.
Über eine Sache muss man sich keine Illusionen machen: Solange die Nachfrage nach bestimmten Hunden groß ist, wird diese auch bedient – gerade bei brachycephalen Hunden inzwischen zum großen Teil durch Hunde von profitorientierten Vermehrern und Händlern, häufig im Ausland. Da spielt die Gesundheit der gezüchteten Hund in der Regel keine Rolle. Dieses Problem bekommen wir nur in den Griff, wenn Hundeinteressenten sich vorab vernünftig informieren und Hunde aus unseriösen Quellen einfach nicht mehr kaufen.



