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Familienzuwachs – und plötzlich muss der Hund gehen

Jedes Jahr landen Tausende Hunde in deutschen Tierheimen – oft aus Gründen, die für Außenstehende unverständlich erscheinen. Einer davon: Familienzuwachs. Sobald ein Baby unterwegs ist, müssen viele Halter entscheiden, ob ihr Hund noch in das neue Familienleben passt.

Tierheime schlagen Alarm, denn immer mehr frischgebackene Eltern geben ihre Vierbeiner aus Angst oder Überforderung ab. Viele Hunde werden ins Tierheim gebracht, weil Eltern fürchten, dass sie zur Gefahr für ihr Kind werden könnten.

Dabei gibt es keine eindeutigen Zahlen dazu, wie häufig Hunde tatsächlich Babys oder Kleinkinder verletzen. Doch die Sorge bleibt, denn ein Hund sei niemals zu 100 Prozent berechenbar, weiß Gundula Scheibe, Mitarbeiterin des Tierheims in Delitzsch.

Angst vor Übergriffen – berechtigt oder übertrieben?

Die Pfleger in Sachsen erhalten fast täglich Anfragen von Familien, die ihren Hund wegen eines Babys abgeben möchten. Oft genüge ein einziger Vorfall, um einen Hund endgültig loswerden zu wollen. So erging es zum Beispiel auch Fellnase Cicero, der einst in einer Familie lebte. Als er nach einem Hundetrainer schnappte, fiel die Entscheidung: Er müsse weg – schließlich lebten Kinder im Haushalt, berichtet der „MDR“.

Seitdem sitzt er im Tierheim, mittlerweile seit mehr als sechs Jahren. Auch die Mischlingshündin Mia musste ihr Zuhause verlassen, als ein weiteres Kind erwartet wurde. Heute lebt sie im Tierheim Delitzsch und gilt als unberechenbar. Beim Spaziergang mit ihren ehrenamtlichen Betreuern trägt sie einen Maulkorb, denn sie zeigt schnell, wenn ihr jemand nicht passt. Ihre Geschichte ist keine Seltenheit – von den 27 Hunden im Delitzscher Tierheim wurde rund ein Drittel wegen Familienzuwachses abgegeben, schätzt Gundula Scheibe.

Zusammenleben von Kind und Hund: Social Media ist nicht die Realität

Während sich in den Tierheimen die Käfige füllen, zeigen Plattformen wie TikTok und Instagram das perfekte Gegenteil: Bilder von Babys, die eng an Hunde gekuschelt schlafen, oder von Vierbeinern, die liebevoll über kleine Hände lecken. Doch das sei nicht die Realität, warnt Gundula Scheibe.

Wenn sie solche Posts sehe, würden sich ihr die Nackenhaare sträuben. Denn ein Hund bleibe ein Tier – und seine Reaktionen seien nicht immer vorhersehbar.

Hund schnüffelt an einem Baby.
Foto: unsplash.com/Zachary Kadolph (Symbolfoto)

Die falsche Darstellung auf Social Media könnte dazu führen, dass Eltern unvorsichtig werden oder zu hohe Erwartungen an das Zusammenleben von Hund und Kind haben. Das Delitzscher Tierheim rät daher zur Vorsicht: Hunde sollten niemals unbeaufsichtigt mit Babys gelassen werden. Besonders große Hunde seien besser für Familien mit älteren Kindern geeignet – ab etwa zehn Jahren.

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Ein Leben lang Verantwortung

Die Entscheidung für ein Haustier sollte immer gut überlegt sein – besonders in Hinblick auf mögliche Veränderungen im Leben. Familienzuwachs bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein Hund oder eine Katze weichen muss. Mit der richtigen Vorbereitung und Geduld kann das Zusammenleben von Kind und Tier harmonisch verlaufen. Doch wer sich einmal für ein Haustier entschieden hat, sollte sich bewusst sein, eine lebenslange Verantwortung übernommen zu haben.

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