HomeNewsFalsche Liebe: Hunde-Entführer fordern 1 Million Schweizer Franken

Falsche Liebe: Hunde-Entführer fordern 1 Million Schweizer Franken

Ein junger Norweger hatte sich als Liebhaber des Schweizer Bänkers Rolf Wegmüller ausgegeben – und war eigentlich hinter seinem Vermögen her. Gemeinsam mit einem Komplizen entführte er Wegmüllers Hunde und forderte eine Million Schweizer Franken Lösegeld…

Was anfing wie eine Romanze der Neuzeit, entpuppte sich schnell als Albtraum. Der 30-jährige Norweger K. schrieb Rolf Wegmüller (59), Kundenberater einer großen Schweizer Bank und langjähriger ehemaliger Gemeinderat aus Schlieren im Kanton Zürich in der Schweiz, über die sozialen Medien an und machte ihm monatelang glaubhaft, seine große Liebe zu sein.

Sie telefonierten täglich, trafen sich regelmäßig und schienen trotz des hohen Altersunterschieds harmonisch zu sein. Doch in Wahrheit war K. Teil eines perfiden Plans, den Wegmüller erst viel zu spät durchschaute. Auf den ersten Blick schien alles perfekt. Wegmüller, ein großer Hundefreund, genoss die Zuneigung seines vermeintlichen Partners – und schenkte ihm schnell sein Vertrauen.

Schock: Auf einmal sind die Hunde weg

Eines Tages war der Schock groß: Seine beiden Bolonka-Zwetna-Hunde Quentin und Qamar waren plötzlich verschwunden. In der Wohnung fand er einen Erpresserbrief vor. Die Forderung: Eine Million Schweizer Franken (ungerechnet mehr als eine Million Euro) für die Rückkehr der Hunde. Völlig verzweifelt sprach Wegmüller mit K., der sich scheinbar mit ihm gemeinsam über das Verschwinden empörte.

rolf-wegmueller-mit-seinem-hund-quentin
Foto: Polizei Stettin

Sie verließen zusammen die Wohnung, doch im Treppenhaus brach der Schweizer zusammen. Die Angst um seine geliebten Hunde war zu groß. „Ich war wie gelähmt“, erinnert sich Wegmüller im Interview von „20min“.

Noch am selben Tag erhielt Wegmüller eine SMS von den Entführern. Als er ein Lebenszeichen der Hunde forderte, drohten sie ihm mit einem Foto, das die abgetrennten Köpfe seiner Vierbeiner zeigen sollte. Stattdessen erhielt er wenig später ein Bild von Quentin und Qamar mit einem Ortsschild an der Grenze zu Polen. Die Situation wurde immer unerträglicher.

Liebhaber entpuppt sich als Betrüger

Dann kam die nächste Wendung: K. teilte Wegmüller plötzlich mit, dass seine Mutter ins Krankenhaus eingeliefert worden sei und er deshalb abreisen müsse. Erst als Wegmüller einige Tage später mit der vermeintlich erkrankten Mutter telefonierte und herausfand, dass sie gar nicht im Krankenhaus war, wurde ihm klar: K. war Teil des kriminellen Plans.

Wegmüller wandte sich an die Kantonspolizei Zürich, welche die Ermittlungen aufnahm. Über SMS blieben Opfer und Täter in Kontakt – ein entscheidender Glücksfall für Wegmüllers geliebte Hunde. In Berlin sollte die Übergabe der Hunde und des Lösegeldes stattfinden. Nur kurz bevor K. ein Flugzeug nach Berlin besteigen konnte, nahm in die örtliche Polizei am Flughafen Zürich fest.

Polizei stellt Hunde-Diebe

Die Schweizer Polizei alarmierte die Kollegen in Stettin über das Büro für internationale Zusammenarbeit. Kurze Zeit später schlugen die polnischen Beamten der Abteilung zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität in Stettin zu: Sie konnten den Komplizen anhand einer Handynummer orten. Anschließend durchsuchten sie etliche Wohnblocks und konnten schließlich den Mittäter ausfindig machen und verhafteten, erzählte Wegmüller dem Schweizer „Blick“. Doch die Hunde hatte er nicht bei sich.

Es folgten Stunden des weiteren Bangens für Wegmüller: „Nach drei Stunden sagte der Mann, wo die Hunde waren – in zwei schwarzen Transporttaschen vor einer Garage.“ Und: Es stellte sich später heraus, dass der Norweger K. und der 38-Jährige Komplize aus Polen ein Verhältnis hatten und den Plan für die Hunde-Entführung lange zusammen ausgeheckt hatten, so „20min“. Selbst das Opfer habe den Komplizen flüchtig gekannt.

Tränenreiches Wiedersehen

Gegen einen 38-jährigen Stettiner wurden zwei Anklagepunkte erhoben, teilte die Stettiner Polizei mit. Der Staatsanwalt stellte ihn unter Polizeiaufsicht und verbot ihm die Ausreise sowie den Kontakt zum Geschädigten und seinem Mittäter. Der Norweger sitzt laut „Swissinfo“ währenddessen in Untersuchungshaft.

Der Tierschutzverein Stettin kümmerte sich zwei Tage lang um die beiden Vierbeiner. Wegmüller, der sofort mit seinem Bruder nach Polen reiste, erlebte den wohl emotionalsten Moment seines Lebens. Die Angst wich einer überwältigenden Erleichterung – Wegmüller brach in Tränen aus, als er seine beiden treuen Begleiter in einem Gebäude der Stadtpolizei Stettin endlich wieder in die Arme schließen konnte.

Rolf Wegmüller hat seine Hunde Quentin und Qamar wieder
Foto: Polizei Stettin

„Als ich sie sah, konnte ich nicht mehr an mich halten. Ich bin vor Freude zusammengebrochen“, erzählt er. „Meine Kleinen sind endlich wieder da! Ich kann gar nicht mehr ohne sie sein.“

Trotz des Glücks, seine Hunde wieder in den Armen zu halten, bleibt der emotionale Schaden. „Ich habe komplett das Vertrauen verloren. Dass ich so hintergangen wurde, tut unglaublich weh.“ Aber egal, was passiert: Quentin und Qamar sind sein Herz und seine Seele – und das wird sich nie ändern.

Neueste Artikel

15 wirklich eklige Dinge, die nur Menschen mit Hund tun

Hundemenschen sind sich garantiert einig: Ein Leben mit den Vierbeinern hat mehr Sonnen- als Schattenseiten. Kein Wunder, dass der...

Ähnliche Artikel