Der Traum vom selbst gezogenen, gekörten Hengst haben vermutlich viele Züchter. Auch Hobby- Züchter wie ich bilden da meist keine Ausnahme. Allerdings muss man sich immer darüber im Klaren sein, was es eigentlich bedeutet, einen Hengst zu halten.
Hengste zu sozialisieren ist selbstredend machbar – vor allem dann, wenn man seinen eigenen Reitstall betreibt und dort über alles selbst entscheiden kann. Leider ist das nicht in jedem Stall möglich, sodass man sich ganz ehrlich und kritisch fragen muss: Ist die Hengsthaltung artgerecht, stressfrei und ohne überdurchschnittlichen Mehraufwand machbar?
Wenn Hengstverhalten zum Problem wird
In meinem Fall wäre das leider nicht machbar gewesen, da ich in einem Pensionsstall stehe und unsere Weiden und Paddocks alle aneinandergrenzen. Ich kann also nicht entscheiden, wann welche Pferde auf den angrenzenden Wiesen stehen. Einen Hengst zu einem „nicht-hengstigen“ Verhalten zu erziehen ist meines Erachtens nicht möglich, denn auch wenn mein Hengst mit einem Wallach sozialisiert ist und diesen ganz normal behandelt, reagiert er auf fremde Wallache und eben auch auf Stuten so, wie es die meisten Hengst nun einmal tun würden.

Jedes Pferd hat einen individuellen Charakter und dieser kann nicht immer mit Erziehung verändert oder im Zaum gehalten werden. Ich müsste also permanent unseren Stallbesitzern im Nacken sitzen und den Weide- und Paddockplan kontrollieren. Ein Pensionsstall bedeutet nämlich automatisch auch immer Rücksicht auf andere, denn alle wollen ihre Pferde dort ohne Sorge halten.
Kastration im eigenen Reitstall, nicht in der Klinik
Natürlich bietet die Kastration eines Hengstes in der Klinik eine sterile Umgebung, jedoch haben wir im heimischen Stall die Möglichkeit, ihn am Folgetag direkt wieder auf die Koppel lassen zu können und ihn weder dem Reisestress auszusetzen, noch ihm seinen Weidefreund oder den allgemeinen Auslauf zu nehmen. Mein Tierarzt und ich haben über die verschiedenen positiven und negativen Aspekte gesprochen und sind zu dem Schluss gekommen, dass es so für mein Pferd das Entspannteste sein würde.
Wenn die Hengste noch jung kastriert werden, dann ist das Risiko dabei noch recht gering. Je älter die Hengste sind, desto höher ist eben auch das Risiko und ab einem gewissen Alter empfehlen die Tierärzte, die Hengste in die Klinik zu bringen, um schnellstmöglich auf Komplikationen eingehen zu können.
So läuft eine Kastration ab
Morgens haben wir bereits ein wenig Frühsport gemacht, danach ging es für vier Stunden auf die Weide, wo er sich noch einmal richtig ausgetobt hat. Für die Kastration musste er nicht nüchtern sein, jedoch wurde mir davon abgeraten, ihm vorab eine größere Menge Kraftfutter zu füttern.
Als mein Tierarzt und seine Assistentin kamen, vergewisserten sie sich, ob er auch wirklich kastrierbar ist, sprich ob er beide Hoden hat. Danach wurde er direkt sediert, während der Tierarzt ihm eine Braunüle setzte und fixierte. Leicht schwankend durch die Sedierung ging es dann den kurzen Weg von der Box in unsere Longierhalle. Dort erhielt er dann die Narkosespritze und legte sich hin.
Mithilfe eines Stricks hob ich das Bein an, während die Assistentin die Narkose überprüfte und mein Tierarzt mit der Kastartion begann. Nachdem er die gesamte Region gesäubert und desinfiziert hatte, ging der Rest rasend schnell und war deutlich weniger blutig, als ich es erwartet hätte. Die Wunde wurde dann noch mit einem selbst-auflösenden Faden genäht.

Danach mussten wir abwarten – die Braunüle lag immer noch im Hals, um ihn im Notfall, beispielsweise bei einem Kreislauf Kollaps, unterstützen zu können. Nachdem er aufgestanden war, sich ein wenig orientiert hatte und langsam wieder aufwachte, bekam er noch drei Spritzen: Schmerzmittel, Antibiotikum und entzündungshemmende Medikamente. Damit war die Prozedur abgeschlossen und er durfte zurück in die Box. Erst einmal mit einem Maulkorb, da er natürlich nach der Narkose nicht sofort wieder fressen durfte.
Nach der Kastration: die richtige Nachbehandlung
Die folgenden sechs Tage sollte er jeweils zum Frühstück Schmerzmittel erhalten. Der Tierarzt empfahl freien Auslauf, jedoch keine kontrollierte Bewegung. Von Boxenruhe wurde mir tatsächlich abgeraten. Deswegen ging es nicht einmal 24 Stunden nach der Kastration nach draußen, natürlich gemeinsam mit seinem Weidepartner. Auf der Wiese angekommen galoppierte und buckelte er durch das Gras und wirkte nicht so, als würde ihn irgendetwas stören oder schmerzen. Ein gutes Zeichen!
Auch die Folgetage blieben ohne Komplikationen, zwei und vier Tage nach der Kastration kam der Tierarzt erneut, um jeweils eine Antibiotikum-Spritze zu verabreichen und die Heilung zu überprüfen. Wir kamen tatsächlich mit dem absoluten Minimum an Nachbehandlung aus und mein kleiner Kerl hatte eine völlig komplikationslose Kastration.
Für uns war diese Form der Kastration goldrichtig: Caspian hat die Kastration ohne Komplikationen überwunden, hatte keinen Stress durch Anreise und Unterkunft in einer Klinik und war sofort wieder fit. Allerdings sollte für jeden Hengst eine eigene Lösung gefunden werden, die natürlich gemeinsam mit Tierärzten getroffen werden muss.
Mehr dazu im Podcast
Du willst mehr zum Thema Hengst-Kastration wissen? In dieser Folge des DeineTierwelt-Podcasts „Pet-Talks: Pferd“ erklärt Harriet, warum sie sich für eine Kastration ihres Hengstes entschieden hat und wie sie den Eingriff erlebt hat.
Du kannst den Podcast auch natürlich auf Apple Podcasts, Spotify und Deezer hören.



